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    Du bist hier:Home»Konzertberichte»Midsummer Prog Festival, 23.06.18, Valkenburg, Openluchttheater

    Midsummer Prog Festival, 23.06.18, Valkenburg, Openluchttheater

    2
    By Klaus Reckert on 10. Juli 2018 Konzertberichte

    Broken Fingers & Kebabcici

    Midsummer Prog Festival 2018 - Pix: Tobias Berk

    Dass wir uns das auch beim nächsten Mal wieder geben würde, war eigentlich schon nach dem letztjährigen Festival-Einstand klar. Laut Veranstalter waren 60 Prozent der 850 Besucher Wiederholungstäter, die das Midsummer Prog Festival (MPF) No. 2 schnell ausverkauft hatten. Die Hälfte der Tickets war in wenigen Wochen nach Verkaufsstart weggegangen. Also bevor auch nur eine Band angekündigt war - was Einiges über die Wirkung des traumhaft schönen Amphitheaters und der gelungenen Bandauswahl 2017 aussagt.

    Lesoir

    Nun also die zweite Ausgabe der musikalischen Mittsommernacht. Den Einstand machten die Gastgeber. Die Niederländer Lesoir hatten sich für diesen für sie ganz besonderen Auftritt gewaltig verstärkt. Einerseits mit dem dreizehnköpfigen Spethsonian Orchestra, dirigiert von Manuel Speth. Außerdem mit der charmanten Janneke Meessen am Gesang und Ingo Jetten (Gitarre, Pedal Steel Guitar). Solcherart umarrangiert und mit zusätzlichen Klangfarben versehen erhielt Material wie 'Latitude', 'Single Eyed' und ganz besonders 'Going Home' nochmal mehr Durchschlagskraft, die allerdings auch benötigt wird, um in einer solchen Arena jeden zu erreichen. Am intensivsten gelang dies möglicherweise bei Eden's Garden - Mission accomplished!

    Lazuli

    Der Autor ist noch nie wegen Lazuli zu einem Konzert oder Festival gefahren – und hat sie trotzdem gefühlt an die zehn Mal gesehen - ein bei Metalheads auch als "Motörhead-Syndrom" bekannter Effekt. Das nun nach einer Gast-Ansage des lokalen Radiomachers Tim op het Broek folgende Konzert ist aber immerhin als das bislang Schönste der Franzosen in Erinnerung. Das wird primär an den besonders zugänglichen Songs des aktuellen Albums "Saison 8" gelegen haben, wie beispielsweise das eröffnende 'J'attends un Primtemps' oder die großartige 'Chronique Canine'. Natürlich hieß es abschließend wie bei jeder Lazulierung wieder '9 Hands Around The Marimba' – nur dass sich diesmal '99 Luftballons' dazwischen mogelten.

    Amplifier

    Amplifier hingegen hatte unsereiner live bislang immer verpasst. Ein umso größeres Fest war jetzt der Auftritt von Sel Balamir, Steve Durose (Ex-Oceansize) & Co. im bewaldeten Rund zu Valkenburg. Apropos Sel: diese – wenn man das hier mal sagen darf (darf man? Danke!) unglaublich coole Sau hatte sich just mindestens einen Finger der Griffhand gebrochen und war erst wenige Tage vor dem Festival daran operiert worden. Das hinderte den sympathischen Frontmann aber nicht daran, eine ungemein energiereiche Show abzuliefern, deren Highlights der Aufmacher 'Continuum', das heftige 'Panzer', das ewig-schöne, komplexe 'The Octopus' sowie das stampfende, abschließende 'Motorhead' (sic!) bildeten.

    Kein Wunder, dass sich nach anfänglich bedecktem Wetter von Amplifiers vergleichsweise direkt bis psychedelisch rockender Prog-Version nun auch endlich die Sonne 'rauslocken ließ!

    The Gathering

    Während die Briten in zumindest unserem Umfeld zu 90 Prozent strahlende Gesichter hinterlassen hatte, zogen diese sich nach Beginn des Auftritts der niederländischen Doom-Institution vielfach doch merklich in die Länge.

    Niemand kann der Band ernstlich vorwerfen, dass (schon ewig) nicht mehr die Ausnahmesängerin Anneke van Giersbergen den Platz am Mikrofonständer befraut. Sondern ihre durchaus fähige Nachfolgerin Silje Wergeland. Allerdings hatte wohl manch einer zumindest auf einen Gastauftritt von "Annique" gehofft. An der mit Klassikern wie 'Probably Built In The Fifties' nicht geizenden Setlist war bis auf das Fehlen von The Gatherings Übersong 'Sand and Mercury' jedenfalls nichts verkehrt. Doch größere, wiederkehrende Soundprobleme reduzierten den Spaß ebenso sehr wie eine zunehmend spürbare Distanz zwischen der Band und ihrem Publikum. Mehrere Mitprogger meinten hinterher, sie hätten die Formation lieber als allerletzte Band des Abends erlebt, also quasi als Rausschmeißer.

    Riverside

    Doch die Headliner-Position hatten natürlich unsere Lieblings-Polen inne. Der Band um Mariusz Duda (u.a. Lunatic Soul), die sich immer noch bemüht, den plötzlichen Tod von Piotr Grudziński zu verarbeiten, schlug von der ersten Minute an fast körperlich spürbare Sympathie entgegen. Davon sichtlich erleichtert und getragen progrockten die Melancholiker sich vom 'O2 Panic Room' über den 'Reality Dream I' bis hin zur Zugabe 'Second Life Syndrome', wobei erneut Maciej Meller (Quidam) souverän an der Gitarrenposition aushalf. Dem Gig fehlte einzig vielleicht 'The Same River'.

    Wie auch immer. Unser Auftritts- und Festivalfazit lautet zu niemandes Überraschung - wir sind nächstes Jahr gerne wieder in Valkenburg mit am Start!

    Apropos nächstes Jahr: Interessenten malen sich besser schon mal das Wochenende vom 22.06.2019 bunt im Kalender an. Die Veranstalter denken derzeit über eine behutsame Erweiterung nach – Ingo: "We are in doubt. We dont want to do two full days, maybe one extra evening with one big name and a nice support. We dont want get too big, we would like to keep it exclusive, with bands on the line-up you dont expect. Make it musically a bit different then all those other progfests." Aus dem gleichen Grund möchten Rob und Ingo am wunderschönen, aber vergleichsweise kleinen Openluchttheater festhalten, statt ein Vielfaches an Tickets für eine größere Arena zu verkaufen. Say Amen!

    PS – wg. "Kebabcici":
    Also alles nur eitel Wonne in Valkenburg? Beinahe. Lassen wir hier die schon fast üblichen Tänzchen an der Gästeliste mal außer Acht. Doch wie schon im letzten Jahr bekam das Catering von vielen Besuchern, mit denen wir sprachen, buchstäblich sein Fett weg. Die Situation bei den Getränken hatte sich zugegeben spürbar verbessert: Der Wein im Ausschank war nicht mehr so zuckrig und Bierkennern wurde gar ein Spezialbier offeriert. Zwar zum doppelten Preis der Standardplörre, aber dafür geschmacklich ganz ausgezeichnet und überdies im passenden Glase statt in Wegwerfplastik überreicht (auch die sonstige Orga wie z.B. das Münzen-/Bon-System funktionierte reibungslos - allerdings fanden nicht nur wir es doof, dass man nicht zurücktauschen konnte). Doch darüber, wie die angebotene feste Nahrung aussah, wie sie schmeckte und unter welchen hygienischen Verhältnissen sie mal mehr, mal gar nicht gegart wurde, darüber schweigt des Sängers Höflichkeit an dieser Stelle lieber…

    Surftipps zu Midsummer Prog:
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    Glassville Music
    Alle Setlists der 2018er Edition
    Konzertbericht von 2017 "A Prog Midsummernight's Dream"

    Live-Fotos: Tobias Berk

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    2 Kommentare

    1. Marc Colling on 11. Juli 2018 20:19

      Hallo,

      guter Bericht, kann ich fast komplett unterschreiben. “The Gathering” war sehr dünn, das war ein Ärgernis. “Lesoir” live viel besser als es die Studioaufnahme ist, “Lazuli”, x-mal gesehen, immer wieder sensationell. Ich glaube, dass diese Band doch mal ein grösseres Publikum erreichen müsste. Liegt’s an der Sprache? Im Vergleich zu ihren Liveauftritten, find ich die Studioalben schwächer, aber immer noch überdurchschnittlich.

      “Riverside” (am WE sehen wir sie wieder auf dem Felsen) waren gut in Form. Sehr emotionales Konzert.

      Catering unter aller Sau, das Bier top. Dazu ein Wort: dieses Spezialbier kostet auch in deren Kneipen ‘ne Menge Geld. Fand die Preise eigentlich noch ok, besonders da das Bier im Glas serviert wurde. Ach ja, nicht zu vergessen die sanitären Anlagen. Wurden dauernd geputzt und waren in einem 1A Zustand. Hab ich noch nie bei einem Festival erlebt.

      Gruß, Marc

      Reply
    2. Klaus Reckert on 12. Juli 2018 11:20

      Lieber Marc, vielen Dank für Deine Eindrücke!
      Viel Spaß auffem Felsen
      wünscht
      Klaus

      Reply
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