King Crimson – Live in Chicago

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(73:42 + 79:51, 2 CDs, Discipline Global Mobile, 2017)
Über zu wenig Material von King Crimson braucht man sich in letzter Zeit nun wirklich zu beklagen. Gerade wurde u.a. die 21(!) CDs umfassende „Sailor’s Tale“ betitelte Rückschau der Jahre 1970-72 unters Volk gebracht, während die aktuelle Inkarnation der Band erneut auf Tour geht.

„Live In Chicago“ stammt aus dem Sommer dieses Jahres und man fragt sich dennoch unweigerlich: ein weiteres Livealbum von King Crimson, ist das nun wirklich nötig? Einmal mehr lautet die klare Antwort ‚Ja‘, auch wenn sicherlich dieses Werk letztendlich vor allem die Die-Hard-Fans der Band begeistern wird. Seit 2015 erschienen bereits diverse Liveveröffentlichungen der Band um Robert Fripp (2015: „Live At The Orpheum“, 2016: „Live In Toronto“ und „Radical Action To Unseat The Hold Of The Monkey Mind“, 2017: „Heroes EP“ und der Japan Import „Live In Vienna“), so dass „Live In Chicago“ eine weitere Fortsetzung der aktuellen Reinkarnation mit drei(!) Schlagzeugern bedeutet.

In der Besetzung Robert Fripp (Gitarre, Keyboards), Mel Collins (Saxophon, Flöte), Gavin Harrison (Schlagzeug), Jakko Jakszyk (Gitarre, Flöte, Gesang), Tony Levin (Bass, Stick, Gesang), Pat Mastelotto (Schlagzeug), Bill Rieflin (Keyboards), Jeremy Stacey (Schlagzeug, Keyboards) entstand dieser Mitschnitt auf letzten US Tour. Gerade im Vergleich mit den anderen Aufzeichnungen der letzten Jahre fällt auf, dass man sich zwar vermehrt mit den Klassikern der 70er Jahre auseinandersetzt, aber neben gewissen Songkonstanten in der Setlist wie z.B. ‚Starless‘, ’21st Century Schizoid Man‘, ‚Easy Money‘, ‚Lark’s Tongues In Aspic I‘ oder ‚Pictures Of A City‘ umspannt jeder Livemitschnitt eine anregende Variation der Setlist, mit einer Mischung aus frühen Songperlen, wie auch komplett neuem bzw. selten gespieltem Material (dieses mal u.a. 80er Material ‚Neurotica‘ und ‚Indiscipline‘) .

So überrascht auf ‚Live In Chicago‘ in erster Linie das Material von „Lizard“ (1970), welches man in leicht modifizierten Versionen zu Gehör bekommt. Das melancholische, etwas sentimentale, aber ebenso kraftvolle ‚Cirkus‘, wie auch eine gekürzte, sehr dynamische Interpretation von ‚Lizard‘ unter dem Namen ‚The Lizard Suite‘ machen einmal mehr deutlich, dass die aktuelle 8-köpfige Band eben nicht nur die Vergangenheit als 1:1 Reproduktion zelebriert, sondern man der Musik immer wieder neue Facetten verleiht. Neben dem sechsarmigen Schlagzeugmonster ist es einmal mehr Mel Collins, der mit seinen variablen Saxophon- und Flöteneinlagen der Musik eine andere Schlagseite verpasst. Der David Bowie Klassiker ‚Heroes‘ – bei der Robert Fripp im Original die signifikanten Gitarrenlinien beisteuerte – ist zudem eine angebrachte Verbeugung vor einem großen, leider viel zu früh verstorbenen Künstler unserer Zeit.

Nachdem bereits die letzten Outputs immer wieder neue Titel beinhalteten – dieses mal feiert ‚The Errors‘ seine Premiere – fragt man sich natürlich unweigerlich, wann denn nun endlich ein neues Studioalbum erscheinen wird. Doch so wie man Robert Fripps Unberechenbarkeit kennt, wird er schon den richtigen Augenblick erkennen, wann dafür aus seiner Sicht der richtige Zeitpunkt gekommen ist.
Bewertung: 13/15 Punkten (GH 13, KR 12, KS 13)

Robert Fripp (Foto: Künstler)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu „normaler“ Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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King Crimson – Live in Chicago

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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