Grobschnitt – Grobschnitt (Black & White Vinyl-Serie, Reissue)

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(41:50/44:15 , 2LP, Brain/Universal, 1972/2017)
Frohe Kunde für Vinyl-verliebte Grobschnitt-Fans. Nachdem das Gesamtwerk der Hagener Rock-Institution mit dem CD-Boxset „79:10“ gewürdigt worden ist, kommen alle Originalalben der Band als sogenannte Black & White-Versionen nach und nach neu heraus. Den Anfang machten die am 25.08 erschienen Alben „Grobschnitt“, „Ballermann“ und „Jumbo (deutsche Version)“ Die Alben erscheinen jeweils als Doppel-LPs, mit je einer schwarzen und einer weißen Scheibe. Ähnlich wie auf dem „79:10“-Boxset enthalten die Reissues das remasterte Originalalbum und jeweils diverse Bonusstücke, bzw. Liveversionen der Album-Songs. Dazu gibt es jeweils zwei vierseitige Einleger mit diversen Fotos, Zeitungsausschnitten, kurzen Essays und den Songtexten.

Das schlicht „Grobschnitt“ betitelte Debütalbum erschien erstmals 1972 auf dem Label Brain. Natürlich ist zu dem Album über die Jahre schon alles gesagt worden. Wie bei vielen deutschen Veröffentlichungen aus dieser Epoche, hört man auch hier die internationalen Vorbilder recht deutlich heraus. ‚Symphony‘, das vierteilige Eröffnungs-Epos, erinnert gleich zu Anfang ein wenig an Santana. Aber auch Bands wie Vanilla Fudge, Wishbone Ash und Pink Floyd lassen sich als Inspirationsquellen identifizieren.

Gesanglich weist das Album die typischen Schwächen jener Epoche auf. Texte und Akzent ergänzen sich in ihrer hölzernen Unbeholfenheit. Da das Album allerdings recht viele instrumentale Passagen hat, fällt dieser Umstand nicht weiter ins Gewicht. Der für Grobschnitt typische tendenziell subversive Humor zeigt sich erstmals im ersten Teil von „Sun Trip-Am Ölberg“. Dort wartet das Christenvolk vergeblich auf die Ankunft des Herrn, vermutlich tut es das heute noch. Musikalisch und produktionstechnisch bewegt sich alles schon auf beachtlichem Niveau, und der Einsatz von zwei Schlagzeugern gibt der Sache einen besonderen Kick. Mit Conny Plank saß ein Könner am Mischpult.

Besonders die erste LP-Seite ist auch aus heutiger Sicht hörenswert, Seite zwei kann dieses Niveau nicht ganz halten, sie hat aber ebenfalls ihre Momente. Die weiße zweite LP enthält mit ‚About my Town‘ und ‚Another Symphony‘ zwei Livestücke, die bereits auf „79:10“ zu finden waren. ‚The Maschine‘ allerdings scheint bislang gänzlich unveröffentlicht. Auch diese Aufnahmen sind klanglich durchaus gut, insbesondere vor dem Hintergrund, dass sie seinerzeit wohl nicht zur Veröffentlichung vorgesehen waren. Die liebevolle Aufmachung und die tadellose Pressqualität sind weitere Kaufanreize für Fans, da dürfte der eine oder andere Vinyl-Freak schwach werden. Auch auf unserer Seite geht der Daumen hoch.
Bewertung: 11/15 Punkten (DH 11, GH 10, KR 11)

Grobschnitt 1972 (Foto: Band)

Surftipps zu Grobschnitt:
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Umusic
Interview: Lupo & Eroc zu „Solar Movie“
Wikipedia
Wikipedia (Eroc)

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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