Blackfield – V

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Blackfield - V(44:45, CD, Kscope/Edel, 2017)
Fast vier Jahre sind seit dem letzten Blackfield-Album vergangen, in dieser Zeit ist viel passiert. Das kurz vor Blackfields „IV“ veröffentlichte „The Raven that Refused to Sing“ hatte Steven Wilson endgültig auf den Prog-Thron gehievt. Eine Position, die er seither mit jeder Veröffentlichung, allen voran „Hand.Cannot.Erase“, weiter zementiert. Die goldenen Zeiten seiner Kollaboration mit dem israelischen Superstar Aviv Geffen schienen vorbei zu sein, da auf dem größtenteils von Geffen allein verantworteten „IV“ nur der Opening Track ‚Pills‘ an die wunderschöne tieftraurige Melancholie der ersten drei Blackfield-Werke anschließen konnte.

Nun ist Steven Wilson als vollwertiger Partner zurück und mit „V“ ist das , oh Wunder, fünfte Blackfield-Album unter Dach und Fach. Die Frage nagt: Können die Beiden an frühere Depri-Glanztaten anknüpfen? Nach mehrmaligem Hören ist der Rezensent noch nicht ganz sicher, aber die Tendenz ist positiv. Hier sind wieder mehr gelungene Stücke zu finden, und im Großen und Ganzen bleibt wieder mehr hängen. Andererseits ist „V“ insgesamt ein sehr durchwachsenes Album geworden, und es gibt gegen Ende auch mindestens einen Totalausfall, der vielen alten Fans sauer aufstoßen dürfte: elektronischen Pop der ätzenden Sorte. Doch der Reihe nach.

Es geht sehr stark los. Nach einem schmachtenden Streicher-Intro bieten ‚Family Man‘ und ‚How Was Your Ride?“ klassische Blackfield-Kost. Steven Wilsons Stimme kommt wieder mehr zum Scheinen, als bei seinen eigenen Sachen, wo er sie immer sehr im Mix versteckt. Hier zeigt er wieder, dass er ein passabler Sänger ist, der mit seiner Stimme emotionale Tiefe in die Songs bringen kann. Bei seinem Solomaterial entsteht die Magie meist ausschließlich über die Kompositionen. Bei den folgenden Stücken übernimmt Geffen die Leadvocals. ‚We’ll Never Be Apart‘ und ‚Sorrys‘ nerven wegen ihrer Eintönigkeit, sind aber zum Glück bald vergessen.

Die besten Songs des Albums stecken in der Mitte. ‚Life is an Ocean‘ mit seiner sehnsuchtsvoll-gezogenen Gitarre. Das Streicher, Piano und Wilsons Gesangskunst voll ausnutzende ‚October‘, und das leicht krumm daher rockende ‚The Jackal‘. Die wunderschöne Gitarrenmelodie im Instrumental ‚Salt Water‘ und das poppig beginnende ‚Undercover Heart‘, das sich zu einem der stärksten Stücke mausert. Bei ihnen kommt man nicht umhin zu konstatieren, dass Blackfields Zauber zurück ist. Nicht ganz so Herz zerreißend wie früher, aber doch so, dass es sich wieder vortrefflich in ihm schwelgen lässt. Anders als sein Vorgänger dürfte dieses Album deshalb nicht im Regal verstauben.

Was Geffen und Wilson allerdings dabei geritten hat, den strunzlangweiligen, ätzend-nervigen Popsong ‚Lonely Soul‘ mit draufzupacken, bleibt ein Rätsel. Steven Wilson hat mal gesagt, er sei mit dem Blackfield-Projekt auf der Suche nach dem perfekten Popsong. Das ist ‚Lonely Soul‘ mit Sicherheit nicht. Zum Glück gibt’s als versöhnlichen Abschluss noch einen schönen klassischen Wilson-Song.

Bei drei Liedern dieses Albums hat Produzenten-Legende Alan Parsons Hand angelegt. Insgesamt ist die Produktion hochklassig, einzig die Streicher kratzen manchmal arg an der Kitschgrenze. Wir werden uns vielleicht damit abfinden müssen, dass von den gesetzten Herren mittleren Alters keine übermütig-wütenden Knaller wie ‚Cloudy Now‘ oder ‚Go to Hell‘  mehr zu erwarten sind. So ist „V“ Blackfield-Fans und Liebhabern leichter bis seichter melancholischer bis depressiver Musik mit leichten Abzügen in der B-Note durchaus zu empfehlen. Einsteiger sollten jedoch zunächst mit einer der drei ersten Platten des Duos in die Welt des schwarzen Feldes eintauchen.
Bewertung: 10/15 Punkten (DA 10, WE 12, JM 11, KR 9, KS 11, PR 10, HR 11)

Blackfield (Foto: Band)

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Blackfield – V

von Dario Albrecht Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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