Moulettes – Preternatural

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(44:43, CD, Craft Pop Records/Republic Of Music, 2016)
Auch dem Autor dieser Zeilen rauscht hin und wieder mal eine Band durch das Prog-Erkennungsraster. So kam es, dass die Moulettes erst mit ihrem vierten Album „Preternatural“ im  Beuteschema landeten. Aber egal, besser spät als nie. Es lohnt sich, diese bereits 2002 gegründete britische Band zu entdecken.

Die spannenden Grundzutaten des vitalen Quintetts sind im Art Rock, in verschrobenem Folk Rock und in kunstvollem Pop zu finden. All das vermengt die Band recht vielseitig. Wer jetzt noch auf nennenswerten Prog-Bezug wartet, dem sei verraten, dass hier Bassist Jim Mortimore, der Sohn des einstigen Gentle-Giant-Schlagzeugers Malcom Mortimore („Three Friends“) mit von der Partie ist. Das ist jedoch nur eine nette Randnotiz, denn alle Musiker überzeugen als versierte Multi-Instrumentalisten, sie decken ein sehr breites Spektrum an akustischen und elektrischen Instrumenten ab.

„Preternatural“ fußt also nicht auf klassischem Progressive Rock. Trotzdem überzeugt die Musik mit ihrer ansteckenden Lebendigkeit, vielfachen Wendungen und popmusikalischen Verrenkungen, die Aktuelles mit einer für Kenner klaren 70er-Attitüde vermengen. Orchestrale Arrangements verschmelzen hier mit Soundtrack-artigen Zutaten und vokaler Vielschichtigkeiten in melodischer, aber immer anspruchsvoller Eleganz.

Mal klingen die Moulettes wie ein modernes, kammermusikalisches Ensemble (mit u.a. Cello und Fagott), mal flirten sie sehr heftig mit aktuellen Pop-Strömungen. Nicht von ungefähr führt die Band als Einflüsse ein breites Panoptikum von Björk, über Kate Bush, Gentle Giant, die Beatles und Pink Floyd bis hin zu Nick Cave And The Bad Seeds als Vorbilder auf, wobei diese teils nur in homöopathischen Dosen zu vernehmen sind. Ergänzt sei noch, dass die Band mit ihrem aktuellen Werk als eine Art Bent Knee „light“ durchgehen könnte.

In den hier verlinkten Videos wird deutlich, dass man intelligent verschachtelte Arrangements auch bei Spielzeiten von beispielsweise nur drei Minuten zu etwas ganz Eigenem verzwirbeln kann. Dieses auf seine Weise überaus lässige Album ist eine sehr schöne Entdeckung! Erhältlich ist es auch in einer limitierten 2CD-Ausgabe sowie als LP.
Bewertung: 12/15 Punkten (KR 12, KS 12)

PS der Schlussredaktion: Die Mouletten sind seit dem 11. und noch bis zum 18. Februar in unseren Breitengraden auf Tour. Gebt Euch dieses preternatürlich schöne Konzerterlebnis!

PPS: Den Schlussredakteur erinnert die Stimme von Sängerin/Cellistin (sie spielt übrigens eine fünfsaitige Spezialanfertigung) Hannah Miller u.a. auch an die der zauberhaften Charlotte Brandi von Me And My Drummer.

Moulettes (Foto: Band)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Moulettes – Preternatural

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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