Bent Knee – Say So

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Bent Knee - Say So(51:41, CD, Cuneiform Records, 2016)
Cuneiform Records beschreibt eigentlich sehr passend und auf den Punkt, was Bent Knee auszeichnet: „Rock für die denkende Person“, bzw. „Band ohne Grenzen“. Wer bereits den grandiosen Vorgänger „Shiny Eyed Babies“ kennt, wird nicht darüber überrascht sein, was er auf dem Nachfolger „Say So“ zu hören bekommt. Und vielleicht auch nicht darüber, dass die Band aus Boston inzwischen beim Avantgarde-Label Cuneiform gelandet ist. Bent Knee sind sich absolut treu geblieben, man bekommt von ihnen noch immer eine sehr organische und kunstvolle Melange aus Art Rock, Pop und Avantgarde zu hören, die ihresgleichen sucht.

Die düsteren Texte, die sich um den steten Kampf mit den eigenen Dämonen und das Bewältigen von unvorhersehbarer Situationen drehen, spiegeln sich in der teilweise unberechenbaren Musik wider. Man wird ständig von schlichter popmusikalischer Schönheit gefangengenommen und eingelullt, unweigerlich von unerwarteten Brüchen überrascht, man findet einerseits Harmonien, die sofort haften bleiben, muss sich aber andererseits phasenweise auch sehr intensiv mit der Musik auseinandersetzen, um sich Inhalt und Umsetzung zu erarbeiten. „Say So“ ist zum Teil kein einfaches Album, auch wenn die Band immer wieder schlicht schöne Momente und Stimmungen einstreut. Konzentrierte Hörer bekommen aber so viel zurück, dass das tiefe Eintauchen in diesen sehr eigenen Klangkosmos dafür voll und ganz entschädigt.

Viel von der Faszination bei Bent Knee beginnt bereits beim intensiven, facettenreichen Gesang von Courtney Swain und endet in tonalen Überfällen, die sowohl mit Schönheit und Ergriffenheit, als auch mit sperriger Intensität ihren Charme vollständig entfalten. Mit diversen Gastmusikern an Streich- und Blasinstrumenten (u.a. Cello, Saxophon, Trompete, Posaune) entsteht eine niemals überladene Vielschichtigkeit, die die Musik des Sextetts auf eine weitere Ebene hebt. Während z.B. der noch recht zugängliche Opener ‚Black Tar Water‘ mit  zugänglicher Pop-Ästhetik überzeugt, beginnt das folgende ‚Leak Water‘ wesentlich sperriger, zäher, gewinnt aber dennoch Format und Griffigkeit. Bent Knee zerschlagen übliche Hörgewohnheiten mehrfach  mit inneren Brüchen und dem Ausloten neuer Grenzen. Die Band funktioniert als Kollektiv und lässt ein spannendes Stil-Konglomerat entstehen.

Teapot of the Week

„Teapot of the Week“ auf Betreutes Proggen in der KW21/2016

Kompromisslosigkeit und Vertrauen auf die eigene Stärke macht aus „Say So“ einen stets spannenden Hörgenuss. Das Album zeigt, wie man genreübergreifende Musikalität zu einem grandiosen Erlebnis werden lässt.
Bewertung: 13/15 Punkten (KR 12, KS 13)

Kate+Bilinski+01

Bent Knee (Foto: Band/Kate Bilinski)

 
 
 
 
 
 
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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

2 Kommentare

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  2. Pingback: Bent Knee - Land Animal

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Bent Knee – Say So

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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