Them – Again (Vinyl-Reissue)

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Them Again(48:00, Vinyl, Sony Music, 1966/2016)
Sony Music veröffentlicht am 15. April, also einen Tag vor dem Record Store Day, eine ganze Reihe Rock-Klassiker wieder auf Vinyl. Drei davon möchten wir hier im Vorfeld genauer unter die Lupe nehmen. Den Anfang macht das 1966 erstmals veröffentlichte zweite Album der irischen Band Them.

„Again“ war das letzte Them-Album mit Van Morrison, der sich später mit „Astral Weeks“ unsterblich machen sollte. Selbstredend gibt es hier keinerlei Prog zu hören, der wurde ja (in zumindest einer Lesart) erst von King Crimson im Jahr 1969 eingeläutet. Interessant ist allerdings, dass Prog-Urgestein Peter Bardens (Camel) im Jahr 1965 ein kurzes Gastspiel bei Them hatte. Auch Eric Bell dürfte so manchem Rock-Fan bekannt vorkommen. War er doch der Lead-Gitarrist von Thin Lizzy und maßgeblich an deren erstem Hit ‚Whisky In The Jar‘ beteiligt. All das war auf „Again“ allerdings noch Zukunftsmusik – Them waren in ähnlichem Fahrwasser wie The Kinks, die frühen The Who und The Animals unterwegs. Zu hören gibt es hier Garagenrock mit Blues-, Gospel- und teilweise auch Motown-Einflüssen. Der bekannteste Titel ist das Dylan-Cover „It’s All Over Now, Baby Blue“, das später auch Manfred Manns Earthband und Ex-Rainbow-Sänger Graham Bonnet übernahmen. Die Them-Version ist allerdings mit Abstand die berühmteste. „I Can Only Give You Everything“ klingt verdächtig nach „Satisfaction“ von den Stones. „I Put A Spell On You“, im Original von Screamin‘ Jay Hawkins, dürfte auch vielen Hörern bekannt sein, da es zahllose Coverversionen dieses Titels gibt. Auffallend ist, dass die von Van Morrison geschriebenen Titel abgesehen von seinem markanten Organ noch relativ wenig mit dem Stil seiner späteren Soloalben gemein haben. Umgekehrt könnte man sich einige frühe Morrison-Solostücke wie ‚Brown-Eyed Girl‘ auch auch als Them-Songs vorstellen.

Die aktuelle Wiederveröffentlichung orientiert sich an der englischen Mono-Originalausgabe mit insgesamt 16 Titeln, was allerdings weder auf der Hülle noch auf dem Label erwähnt wird.  Mit einer Spieldauer von 48 Minuten und acht Titeln je Seite war „Again“ für die damalige Zeit ein ausgesprochen langes Album, die US-Version wurde um vier Titel gekürzt. Die Klangqualität hält sich trotz des 180g-Vinyls in Grenzen, was allerdings nicht an der Pressung sondern an der Original-Aufnahmetechnik liegt. Liebhaber sind Scheppern und Klirren von vielen anderen, ähnlich klingenden LPs aus jener Zeit gewöhnt. Den selbstbewussten Werbetext für das Album hatte man übrigens seinerzeit ganz praktisch auf die Rückseite der Hülle gedruckt, diesbezüglich gehen Plattenfirmen heute dezenter vor.

Wie eingangs erwähnt, ist das Album unter dem Prog-Gesichtspunkt irrelevant. Fans der Sixties dürfen sich aber über eine Wiederveröffentlichung freuen, die auf Vinyl sicher besser aufgehoben ist als auf CD oder gar MP3.
Ohne Bewertung

Surftipps zu Them:
Wikipedia
Spotify
Van Morrison Homepage

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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Them – Again (Vinyl-Reissue)

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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