Steve Jansen & Richard Barbieri – Stone To Flesh (Reissue)

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R-7625831-1445424199-2950.jpeg(57:53, CD, Kscope/Edel, 2015)
„Stone To Flesh“ erschien erstmals 1995 auf Medium Productions, dem eigenen Label der drei Ex-Japaner Barbieri, Jansen & Karn. Seinerzeit fand es keine allzu große Beachtung, was dazu führte, dass es relativ schnell aus dem Vertrieb genommen wurde und vom Markt verschwand. Man mag es eventuell der Mitwirkung von Steven Wilson und grundsätzlich der Nähe des Line-ups zu Porcupine Tree (auch Colin Edwin ist auf einem Stück am Bass zu hören) zuordnen, dass das Album irgendwann zu einem gesuchten Collector’s Item wurde.

Doch auch abgesehen von diesen Hintergründen hebt Kscope hier ein Schätzchen, das durchaus ein größeres Publikum verdient und das, was nun wirklich beachtenswert ist, keineswegs nach einem Album klingt, das vor 20 Jahren aufgenommen wurde.

‚Mother London‘ ist ein erhabener Einstieg, der nicht nur durch den Einsatz vom Mark Felthams Harmonica ein wenig die Luft der späten Talk Talk atmet. Steve Jansens Gesang ist von dem seines Bruders David Sylvian kaum zu unterscheiden. Wer sich in dessen Kosmos und dem der anderen genannten Mitstreitern zu Hause fühlt, der kann hier schon zugreifen. ‚Sleepers Awake‘ allerdings stellt gleich einen deutlichen Kontrast dar. Das quirrlig, rhythmische Instrumental mixt geschickt Jazz, Acid, Post-Rock und Trip-Hop. Hier darf Steven Wilson auch ausgiebig die Gitarre bearbeiten. ‚Ringing The Bell Backwards‘ ist ähnlich dem Opener wieder ein ruhiges Stück, das insbesondere von Jansens Gesangs und Barbieris eleganten Tastentönen lebt. Auch das wie ein instrumentales Mantra dargebotene ‚Swim There‘ bleibt in ruhigen Wassern. ‚Closer than ‚I“, ist sicher das zugänglichste Stück des Albums und bietet den subtilen Art-Pop, den Jansen und Barbieri schon auf dem Album „Catch The Fall“ als The Dolphin Brothers geboten hatten. Zum  Schluss der originalen Tracklist verbreitet ‚Everything Ends In Darkness‘  nochmals eine ruhig-jazzige Atmosphäre, die einen unter anderem auch an Orte wie Twin Peaks denken lässt. Auch hier darf Mark Feltham die Harmonica auspacken. Der Bonus-Track ‚Map of Falling (2015)‘ ist nicht wirklich essentiell und klingt ein wenig wie ein Outtake der Arbeiten Barbieris mit Steve Hogarth, wofür auch die Tatsache spricht, dass Vocal-Samples von dessen Stimme in das Stück einfließen.

So bleibt zu hoffen, dass „Stone To Flesh“ im Roster von Kscope nun eine Heimat gefunden hat, in der es das Publikum erreicht, das es verdient. Ein wirklich empfehlenswertes Album, das Post-Rock, Avantgarde, Pop, Acid, Downtempo etc. in einem äußerst homogenen Gesamtkunstwerk vereint.
Bewertung 13/15 Punkte (DH 13, KR 11)

Surftipps zu Steve Jansen & Richard Barbieri:
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Kscope

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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