Artrock-Festival V in Reichenbach, 31.03.-02.04.17, Neuberinhaus

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Auf der Eintrittskarte stand Reichenbach-Neuberinhaus. Allerdings ist dies kein Stadtteil, sondern eine Theaterspielstätte in der Kreisstadt Reichenbach im Vogtland. Schon letztes Jahr wurde diese Halle gewählt. Sie ist wetterunabhängig und mit ausgezeichneter Technik ausgerüstet.

Die Stern-Combo Meissen eröffnete fast pünktlich um 18 Uhr das Artrock-Festival V 2017 in Reichenbach. Auf der Bühne wurde es eng, da das Symphonieorchester Leipzig, dirigiert von Stephan König und der Wilandes Chor Wilsdruff, unter der Leitung von Helmar Federowski, die Band unterstützen. Es wurde das Opus „Bilder einer Ausstellung“ zum Besten gegeben. Nicht mehr und nicht weniger! Die Zuschauer wurden Zeugen einer legendären Vorführung. Stephan König ließ es sich nicht nehmen, selbst zwei Soli auf einem E-Piano zu spielen. Der Schlagwerker Frank Schirmer gab ein tolles Solo zum Besten, was allerdings in einer skurrilen Aufführung mit Rhythmus-Banane und sinnlosen Sprüchen endete. Kunst eben!(?) Die glockenklare Stimme von Manuel Schmidt bezauberte alle, einschließlich Reichenbachs Bürgermeister Raphael Kürzinger.

Nicht nur wer selbst schon einmal ein Konzert veranstaltet hat weiß, dass eine halbe Stunde Umbauzeit sehr ambitioniert ist. Schlichtweg unmöglich wird das, wenn Orchester und Chor auf der Bühne standen. So verzögerten sich die nachfolgenden Konzerte zu diesem frühen Zeitpunkt bereits um anderthalb Stunden. Der Wilandes Chor Wilsdrup sprang ein und unterhielt die Wartenden im Foyer mit tollen Gesängen. Für Essen und Getränke wurde durch ein tolles, freundliches Team vom Bergkeller gesorgt. Uwe Treitinger vom Bergkeller-Reichenbach ist der Veranstalter der Artrock-Festival-Reihe. Drei Verkaufsstände mit CDs, LPs und sonstigen Tonträgern des Progressive-Rock mit allen Nebengenres hatten sich im Eingangsbereich breitgemacht und wurden am ersten Tag sehr gut frequentiert. Platz für die Bands vor und nach dem Konzert für Merchandise und Autogramme war auch vorhanden.

Blind Ego, mit der halben RPWL-Besetzung, begannen dann um 21:30 Uhr. Für Kalle Wallner eine Art Heimspiel, da er bei allen vorangegangenen Artrock-Festivals mit an Bord war. Es gab nicht wenige Zuschauer, die nur wegen der Stern-Combo Meissen gekommen waren. Sie wurden schnell überzeugt, dass hier viele andere gute Musiker am Werk waren. Die Qualität behielt die Oberhand. Mit Sylvan wurde eine Band verpflichtet, die Melodiebögen mit rockigen Riffs paart. Als letzte Band des Tages trat Karnataka auf. Betreutes Proggen blieb allerdings nicht bis 1:30 Uhr vor Ort, der Startzeit der Waliser. Auf Nachfragen befanden alle, die dabei waren, dass die Band einen guten Gig geliefert hat. Soundtechnisch war es wohl besser als in Zoetermeer im Februar.

Tag 2 wurde durch Jonas Reingold, u.a. Flower Kings, Agents Of Mercy, und Andy Bartosh, u.a. Karmakanic, eröffnet. Fast eineinhalb Stunden Bassläufe und akustische Gitarre können auf Dauer ziemlich anstrengend werden. Die Musik war wunderschön, alleine ein wenig mehr „Punch“ hätte dem Auftritt gutgetan. Mit Seven Steps To The Green Door (wer hat sich diesen sperrigen Namen einfallen lassen?) kam zum einen Lokalkolorit zurück und zum anderen wurde es wieder proggiger. Hatten sie schon beim letzten NotP-Festival auf der Loreley gefallen, übertrafen sie in Reichenbach alle Erwartungen. Allerdings zeigte sich hier das erste Mal ein kleiner Mangel beim Sound. Die drei Stimmen, immerhin ein zentraler Bestandteil der fast schon theatermässigen Aufführungen von SSTTGD, wurden zu leise abgemischt. Wann das Konzert vom Soundcheck in den Gig überging war nicht wirklich auszumachen. Hauptaugenmerk lag hier eindeutig auf dem Ausnahmewerk „TheBook“.

AnTon ist ein Projekt mit Jugendlichen mit Handycap. Toll, dass dieser Truppe eine Möglichkeit zum Auftritt gegeben wurde. Betreutes Proggen ließ allerdings diesen Auftritt aus und erkundete Reichenbach. Obwohl Kreisstadt ist die Stadt mit Außengastronomie und Kneipen nicht üppig ausgestattet. Allerdings lohnt ein Besuch alleine wegen der tollen Villen und des wunderschönem Umland. Die Menschen sind alle sehr hilfsbereit und freundlich bis herzlich.

Mit Red Sand kam der nächste Höhepunkt des Festivals. Leider war das Neuberinhaus heute nicht so gut besucht. Wer den Auftritt der Kanadier miterleben durfte, war restlos begeistert. Diese an Marillion erinnernden Songs wurden durch eine wie bei Steve Rothery gefühlvoll singende Gitarre hervorgehoben. Was danach passierte, ist schon fast Körperverletzung zu nennen. Bisher war der Sound vorzüglich gewesen, vom kurzen Einwand bei SSTTGD mal abgesehen. Wer auch immer jedoch den bei Crystal Breed aus Hannover die Regler schob, gehört verklagt. Ein einziger Tonbrei waberte durch die Halle. Mag extreme Lautstärke bei einem reinen Rock-Festival für das Headbangen erforderlich sein, so ist ein Prog-Publikum m.E. meist eher ganzheitlich an der Musik interessiert. Als sich Uli Jon Roth später dazugesellte, wurde es nicht besser. Zwar wurden alte Scorpions-Stücke zum Besten gegeben, Spaß machte das nicht. Ein der Redaktion bekannter Progfestival-Fotograf zeigte schließlich der Technik den Vogel.

Danach wurde es zwar etwas besser, nun konnte man die Stimme orten, aber die Instrumente durch Rückschall und Lärm nicht. Die Techniker machten es bei Chris Thompson etwas besser. Auch sie hatten die Stimme erst „im Raum verteilt“, bekamen dieses Manko relativ fix in den Griff. Dieser Auftritt machte wieder Spaß. Chris Thompson ist halt ein Vollprofi und weiß genau, was das Publikum möchte. Die Earth-Band-Klassiker fehlten natürlich ebenso wenig wie sein für John Farnham geschriebener Welterfolg ‚You’re The Voice‘. Unterstützt wurde er durch die Mads Eriksen Band.

Tag 3 wurde durch Port Noir eröffnet. Die Schweden waren etwas lauter als Jonas Reingold am Tag vorher. Die Bühne wurde regelrecht gerockt und der Boden für die nächsten Kanadier bereitet, die extra nur für diesen Gig nach Reichenbach kamen. Im Publikum fanden sich einige Fans, die diesen Auftritt von Mystery als ihr persönliches Highlight empfanden. Zwei Stunden wunderschöner Neo-Prog wurde zelebriert.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Der letzte Festival-Tag war mit Highlights reichlich versehen. Mit den Franzosen Lazuli kam ein Schwergewicht des Prog auf die Bühne. Zwei Stunden zelebrierten sie ihre Musik, inclusive Leode-Spiel und Einbeziehung des Publikums. Auch hier waren wieder viele Liebhaber der Band, die das Festival als Anlass nahmen, die sympathischen Männer zu sehen.


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Das war mit den darauffolgenden Bands nicht anders. Pain Of Salvation aus Schweden stellten ihr neues Album vor. Dessen Härte und die wieder erhöhte Lautstärke gefiel nicht allen und so füllte sich das Foyer zusehends mit Konzertbesuchern, die aus der Veranstaltungshalle herausströmten.

 
 
 
 
 
 
 
 

Um 21:30 Uhr standen dann die Headliner aus Ungarn auf der Bühne: Omega. Ihr Hardrock schmeichelte das Rockherz. Manchmal war der Gesang nah am Schmalz, aber es passte halt zur Band. Gegen 23:30 Uhr war das V Artrock-Festival in Reichenbach Geschichte. Uwe Treitinger hat allerdings schon ankündigt, dass Nummer VI für den 06. bis 08. April 2018 in Planung ist.

Surftipps Bands:
Stern-Combo Meissen
Blind Ego
Kalle Wallner
Sylvan
Karnataka
Jonas Reingold und Andy Bartosh
Seven Steps To The Green Door
AnTon
Red Sand
Crystal Breed
Uli Jon Roth
Chris Thompson
Mads Eriksen Band
Port Noir
Mystery
Lazuli
Pain Of Salvation
Omega

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Iris Winkler, einer zauberhaften Frau und Fotografin!

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Über den Autor

Klaus Bornemann

mit 12 Jahren wurde ich so langsam an die Art-Rock Beatmusik geführt (so hieß das damals, ehrlich). Im Radio gab es noch die legendäre "LP-Hitparade" auf "SWF3". Deep Purple, Emerson, Lake and Palmer und die Earth Band waren meine ersten Lieblingsgruppen. Später folgten Pink Floyd und Queen. Anfang des neuen Jahrtausends war klar, die Ära der intelligenten Rockmusik mit längeren Stücken ist vorbei. Aber weit gefehlt. Bei einem YES-Konzert bekam ich einen Empire/InsideOut-Sampler in die Hand. Dort waren unter anderem Spocks`s Beard und Flower-Kings Stücke drauf. Seitdem bin ich neu infiziert und freue mich über die Kreativität der "neuen" Bands.

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von Klaus Bornemann Artikel-Lesezeit: ca. 5 min
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