Pain of Salvation – In the Passing Light of Day

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(71:51, 115:16, 71:34, 71:51, CD, 2CD Mediabook, 2LP+CD (schwarz, silbern, limitiert; und weiß, bandexklusiv, rar), Download, BlackmerchInsideOut/Sony Music, 2017)

Was dem Cover nach zu urteilen ein Album über sommerlichen Grillspaß der Familie mit anschließender Abkühlung unter dem Rasensprenger sein könnte, entpuppt sich beim Anhören der dazugehörigen CD als eine völlig andere Geschichte. Mastermind Daniel Gildenlöw nimmt den Hörer in ein Krankenhaus mit. Dort ist er geboren worden und dort starb er 40 Jahre später beinahe an einer Infektion mit fleischfressenden Bakterien. Was mit einer Rötung am unteren Rücken begann, wurde innerhalb weniger Tage zum Überlebenskampf. Trotz Behandlung mit Antibiotika und unzähligen chirurgischen Wundreinigungen unter Vollnarkose im Zweitagesrhythmus waren Gildenlöws Aussichten schlecht. Nach mehreren Monaten im Krankenhaus, Rückfällen und einer Haut-Transplantation besiegte er schließlich die Infektion – sein Körper wurde geheilt. In den sozialen Netzwerken wirkte der Frontmann der schwedischen Band Pain of Salvation während der Erkrankung stets zuversichtlich, er verkürzte sich die Zeit unter anderem mit Diskussionen über die Beschneidung männlicher Babys, über Physik und Politik. Doch wie sah es dabei in Gildenlöws Innerem aus? „In the Passing Light of Day“ gibt die Antwort auf diese Frage.

Teapot of the Week

„Teapot of the Week“ auf Betreutes Proggen in der KW2/2017

Bereits die ersten Takte des Eröffnungssongs ‚On a Tuesday‘ unterstreichen die Aussage, dass die Schweden mit ihrem neuen Studioalbum an ihre härteren Wurzeln anknüpfen. Doch zwischen den lauten, Gitarren-lastigen Parts lassen auch ruhige Passagen aufhorchen. Tempo- und Intensitätswechsel durchziehen das komplette Album meisterhaft. Von Langeweile keine Spur, stattdessen werden wir auf eine Gefühlsachterbahn aus Wut, Verzweiflung, Angst, Sehnsucht und Liebe mitgenommen, wobei sowohl die Klientel der „Road Salt“-Reihe als auch die Anhänger der alten PoS-Alben angesprochen werden.

Ungewohnte Klänge schlägt der Song ‚Meaningless‘ an, der vor dem Album als Single veröffentlicht wurde. Und siehe da, ein Tipp vom Redaktionskollegen Philipp Röttgers liefert die Erklärung: Es handelt sich dabei um eine Coverversion von ‚Rockers Don’t Bathe‘, eines Liedes der isländischen Band Sign, deren Frontmann Ragnar Zolberg seit einigen Jahren zweiter Gitarrist von Pain of Salvation ist. Hier könnt Ihr die Ursprungsversion mit der Überarbeitung vergleichen.

Den Abschluss des Albums bildet der Titeltrack ‚In the Passing Light of Day‘. Instrumental reduziert und mit brillantem Gesang beginnend, steigert sich die Intensität dieses Songs langsam zu seiner Klimax, um dann, getragen von der Ohrwurmmelodie, ein melancholisch-versöhnliches Ende zu finden, das nach mehr als 15 Minuten mitten ins Herz trifft und der Rezensentin die Tränen in die Augen trieb. Vor Glück oder vor Trauer? Das bleibt ungewiss.

Dieses großartige, aufwühlende Werk, das den Vergleich mit dem Klassiker „Remedy Lane“ nicht scheuen muss, legt die Messlatte für alle folgenden Neuerscheinungen des Jahres 2017 sehr hoch. Ob es im Genre ProgMetal zur Bewertung als bestes Album des Jahres reichen wird, muss die Zeit zeigen. Hier und jetzt aber wird die volle Punktzahl vergeben.
Bewertung: 15/15 Punkten (AD 15, JM 12, KR 13)

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Interview m. Daniel zu „In the Passing Light of Day“ (2016)
Interview m. Daniel zu „Falling Home“ (2014)
Interview m. Daniel, u.a. zur Tour mit Cryptex (2012)
Interview m. Daniel zu „Remedy Lane“ (2002)

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Über den Autor

Annika Dormeyer

Das Leben ist komplex!

Pain of Salvation – In the Passing Light of Day

von Annika Dormeyer Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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