Autor: flohfish

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

13.0
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Hip-Hop • Industrial • Noise Rap • Cyberpunk (1:06:40; Vinyl, CD, MC, Digital; Sub Pop, 14.03.2025) Manchmal braucht es offenbar erst ein Roadburn Festival, um einem klarzumachen, dass die eigene musikalische Komfortzone ungefähr so flexibel ist wie ein Stahlträger aus dem Ruhrgebiet. Hip-Hop auf einem Metal-Festival? Klar. Und zwar nicht irgendwo zwischen Foodtruck und Dixie-Klo, sondern als Headliner im großen Saal. clipping. haben 2024 genau das gemacht – und damit das Motto „Heaviness Redefined“ nicht nur verstanden, sondern gleich in Großbuchstaben neu programmiert. Dass ich mich jetzt – ein Jahr nach Veröffentlichung von "Dead Channel Sky" und sechs Monate nach…

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13.0
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Post Black Metal • Metalcore (46:01; Vinyl, CD, Digital; Century Media/Sony Music; 20.03.2026) Manchmal hat man ja das Gefühl, dass Maskenbands mittlerweile schneller aus dem Boden schießen als Festivalankündigungen im Frühjahr. Und irgendwo in dieser gepflegten Flut aus Mysterium, Sigillen und bedeutungsschwangeren Blicken stehen Gaerea – seit 2016 im Geschäft, also lange bevor Acts wie Sleep Token das große Geheimnis zur marktfähigen Kunstform erhoben haben. Und trotzdem wird man sich anhören müssen: „Noch so eine Band.“ Warum das überhaupt erwähnenswert ist? Weil "Loss" genau an diesem Punkt ansetzt. Nicht als trotziges „Wir sind anders!“, sondern eher als selbstbewusstes „Wir können…

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9.0
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Modern Metal • Metalcore • Djent • Northcore (28:43; Vinyl, CD, Digital; Odyssey Music Network; 20.02.2026) Manchmal hilft es ja, wenn man die eigenen großen Worte gleich zu Beginn ein wenig relativiert. "Sunder" eröffnet mit 'Sermon To The Dying Light“ jedenfalls so, als wolle man direkt den nordischen Nebelwald beschwören: Streicherflächen, nervös zuckender Rhythmus, dazu tribalartige Vokal-Andeutungen. Düster, ja. Atmosphärisch, auch. Aber als Einstieg ungefähr so richtungsweisend wie ein Kompass im Magnetfeld – vorbereitet wird man auf das, was folgt, eher nicht. Und das folgt dann mit 'Tower' in Form einer bleischweren Djent-/Deathcore-Walze. Genau hier sind Atlas wieder ganz in…

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9.0
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Crooner Pop • Lounge Pop • Jazz Pop (23:50; Vinyl (10"), CD, Digital; Cosmic Dross Records; 13.02.2026) Manch ein Musiker scheint an einer Art künstlerischer DIS – Dissoziativer Identitätsstörung zu leiden. Anders lässt sich kaum erklären, wie jemand gleichzeitig der außerirdische Synth-Guru einer Band sein kann, die sich selbst „Cosmic Dross“ auf die Fahnen schreibt, und dann plötzlich geschniegelt im Retro-Smoking auftaucht, um Crooner-Nummern zu singen, die irgendwo zwischen Salon, Cocktailbar und gepflegter Sonntagnachmittag-Melancholie pendeln. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich Matthew C. Whitaker – der Mann, der bei Henge als Zpor angeblich vom Planeten Agricular stammt und ansonsten offenbar…

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Hoffnung im Endzeitmodus Es gibt Konzerte, die beginnen mit einem Song. Und es gibt Abende, die beginnen mit einem Zustand. Wenn Godspeed You! Black Emperor den Wiesbadener Schlachthof betreten, ist schnell klar, dass hier wieder einmal Letzteres passiert. Doch bevor die Kanadier ihre monumentalen Klanglandschaften entfalteten, gehörte die Bühne zunächst einer Figur, die im experimentellen Rock längst selbst Legendenstatus genießt: Kristof Hahn, Lap-Steel-Gitarrist der nicht minder einflussreichen Swans. Kristof Hahn Hahn stand alleine mitten auf der riesigen Bühne des Schlachthofs. Ein einzelner Musiker, ein Gitarrenbrett vor sich aufgebaut. Optisch wirkte das Setting beinahe absurd überdimensioniert – akustisch dagegen schien der…

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11.0
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Post Rock • Progressive Rock • Instrumental Rock (1:27:10; Vinyl (2LP), CD+Blu-ray, Digital; earMusic/Edel; 05.12.2025) Man zieht sich ja inzwischen immer öfter aus den sozialen Netzwerken zurück. Zu viel Werbespam, zu viel KI-Müll, zu viel algorithmischer Lärm. Dumm nur, wenn einem dabei auch echte Neuigkeiten durch die Lappen gehen. So geschehen bei Long Distance Calling. Während ich also erfolgreich dem digitalen Dauerfeuer entkommen wollte, veröffentlichte die Band im Dezember ganz nebenbei ihr neues Live-Dokument "Live At Lichtburg". https://youtu.be/YCTR8dzPOOE?is=3K3ZC9ofsGsC96jq Dass mir die Veröffentlichung komplett entging, lag allerdings nicht nur an meiner Social-Media-Diät. Selbst die redaktionsinterne Offerte für ein Review verschwand damals…

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10.0
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Post Metal • Industral • Trip-Hop • Ambient • Noise (24:56; Vinyl, Digital; Pelagic Records; 13.03.2026) Kooperationen kann man auf verschiedene Arten angehen. Entweder zwei Bands werfen ihre Ideen gemeinsam in einen Topf, rühren so lange um, bis niemand mehr weiß, wer hier eigentlich was beigesteuert hat – oder man nennt das Ganze "Interwoven" und lässt trotzdem ziemlich deutlich erkennen, wer in der Küche stand. Genau so funktioniert die Vier-Track-EP von Meejah x HIRAKI – beziehungsweise Hiraki x Meejah, je nachdem welche Quelle man gerade konsultiert. Auch das scheint Teil des Konzepts zu sein: völlige Gleichberechtigung, selbst bei der Reihenfolge…

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10.0
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Groove Metal • Modern Metal • Heavy Metal • Metalcore (39:16; Vinyl, CD, Digital; Century Media/Sony Music; 13.03.2026) Lamb Of God sind wieder da – mit einem Album, das so zuverlässig nach Apokalypse klingt wie ein Blizzard im August. Zehn Songs, aufgenommen an mehreren Orten, produziert von Josh Wilbur, mit Randy Blythe, der so überzeugend schreit, dass man fast glaubt, er predigt live auf einem Metall-Thron. "Into Oblivion" ist genau das, was man von der Band erwartet: gnadenlos, groove-getrieben, technisch versiert – und mit einem Hauch von sozialkritischem Nihilismus obendrauf. Die Singles 'Sepsis' und 'Parasocial Christ' hatten schon klargemacht, wohin…

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10.0
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Art Pop • Indie Pop • Pop Rock (45:20; Vinyl, CD, Digital; Apollon Records, 06.03.2026) Man kann über Pressetexte sagen was man will – meistens liest man sie, nickt höflich und vergisst sie sofort wieder. Im Fall von Paper Crown und ihrem dritten Album "Letters" ist das etwas schwieriger. Denn leider stimmt vieles davon. Das Duo um Gitarrist, Produzent und Songwriter Ørnulv Snortheim sowie Sängerin und Texterin Johanne Kippersund (die man sonst von Meer kennt) hat hier tatsächlich ein Album geschaffen, das mit viel Geduld, Liebe zum Detail und spürbarem handwerklichen Ehrgeiz entstanden ist. Aufgenommen wurde das Ganze im Dakkota…

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11.0
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Space Rock • Psychedelic Rock • Progressive Rock • Fusion • Folk • Canterbury (43:42; Vinyl, CD, Digital; Kscope/Edel; 13.03.2026) Es gibt Bands mit langer Geschichte. Und es gibt Gong. Das ist ein Unterschied. Denn während andere Gruppen nach zwanzig Jahren anfangen, Jubiläumstourneen zu spielen, haben Gong lieber gleich ein ganzes Paralleluniversum gegründet. Paragong, Gongzilla, Gong Expresso, Planet Gong, Gongmaison, Mother Gong – man bekommt fast den Eindruck, dass sich der Name wie ein kosmischer Pilzsporenbefall in alle Richtungen ausgebreitet hat. Gegründet wurde der ganze Spaß Ende der 60er von Daevid Allen und Gilli Smyth. Zwei Figuren, die Psychedelia nicht…

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Progressive Rock • Art Rock • Avantgarde • Musical Rock • Baroque Pop (44:41; Vinyl, CD, DVD, Blu-ray, MC, Digital; Apollon Records/Degaton Records; 13.03.2026) Major Parkinson sind ja bekanntlich Norwegens berühmtestes unbekanntes Ensemble – was nichts anderes bedeutet, als dass man sie entweder liebt oder für völlig durchgeknallt hält. Ich gehöre zur ersten Fraktion. Trotzdem: Liebe hin oder her, ich bin nicht so naiv, jedem Album die Höchstnote um den Hals zu hängen. Mein Herz schlägt immer noch am lautesten für "A Night At The Library", diesen charmanten Livestream-Exkurs, bei dem die Band ihre epischen Arrangements auf ein quasi akustisches…

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11.0
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Psych-Folk • Psychedelic Rock • Anatolian Rock • Tradional Folk (44:36; Vinyl, CD, Digital; Glitterbeat Records; 20.02.2026) Manchmal braucht es gar nicht viel, um das musikalische Weltbild ein kleines Stück zu erweitern. Ein Konzert reicht. In meinem Fall war es der Auftritt von Altın Gün beim Roadburn Festival 2025. Bis dahin war anatolische Folklore für mich ungefähr so präsent wie die Feinheiten kirgisischer Kehlkopfgesänge – also theoretisch faszinierend, praktisch aber weit außerhalb meines akustischen Alltags. Altın Gün änderten das. Nicht mit folkloristischer Puristenpädagogik, sondern mit einem psychedelisch angeschrägten Rockgewand, das sich irgendwo zwischen anatolischem Erbe, 70er-Psych und lässigem Groove breitmacht.…

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11.0
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Alternative Metal • Crossover • Grunge (59:13; Vinyl, CD, Digital; Los Lobos Records/Awal; 30.01.2026/01.03.2026) Wer die EP "Stairway To 11" vom vergangenen Oktober mochte, wird sich auf "We Are One" sofort zurechtfinden. Fünf der damaligen Songs tauchen auch auf dem Debütalbum wieder auf – diesmal eingebettet in ein 12-Track-Setting, das den Sound der Chilenen etwas breiter aufstellt. Produzent Garth Richardson spricht im Pressetext pathetisch von „Energie statt Songs“. Klingt nach Kalenderweisheit, passt aber erstaunlich gut zum atmosphärischen Ansatz der Band. Stilistisch bleibt das Fundament klar im 90er-Alternative-Metal verankert: Alice In Chains, Soundgarden, Audioslave, Deftones, Tool und Rage Against The Machine…

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11.0
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AOR • Progressive Rock • Classic Rock (1:01:20; Vinyl (2LP), CD, Blu-ray, Digital; Frontiers Music s.r.l./OPEN, 13.03.2026) Personelle Identität ist im Prog-Kosmos bekanntlich ein dehnbarer Begriff. Ein besonders schönes Beispiel liefern derzeit Asia und Yes. Letztere haben seit geraumer Zeit keine Gründungsmitglieder mehr in ihren Reihen, dafür aber mit Geoff Downes und Steve Howe gleich zwei Herren, die einst Asia mitbegründet haben. Ironischerweise ist das exakt ein Gründungsmitglied mehr, als aktuell bei Asia selbst aktiv ist. Die Frage liegt also auf der Hand: Sind Yes inzwischen die eigentlichen Asia? Und wenn bei Asia neben Downes inzwischen Virgil Donati (Schlagzeug), John…

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12.0
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Dark Rock • Art Rock • Post Punk (54:59; Vinyl, CD, MC, Digital; Puscifer Ent./Alchemy Recordings/BMG; 06.02.2026) Allein schon wenn man die Cover-Artworks der ersten beiden Puscifer-Alben – ""V" Is For Vagina" (2007) und "Conditions Of My Parole" (2011) – mit jenem des aktuellen Albums "Normal Isn't" vergleicht, drängt sich eine Frage auf: Wo ist eigentlich der Humor geblieben? Die Antwort lautet: Er ist noch da. Er hat sich nur umgezogen. Schwarz. Mit Hang zu Sarkasmus, Galgenhumor und einer gewissen gesellschaftlichen Grundgenervtheit. Das Projekt von Maynard James Keenan – nebenbei auch Stimme von Tool und A Perfect Circle – hat…

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12.0
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Progressive Rock • Art Rock • Post Rock (38:53; Vinyl, CD, Digital; Apollon Records Prog; 27.02.2026) Sieben Alben in sieben Jahren. Andere Bands brauchen so lange für die Abstimmung über das Covermotiv. Die Norweger aus Tønsberg hingegen liefern zuverlässig wie der skandinavische Winter – lang, dunkel, manchmal schmerzhaft, aber am Ende doch irgendwie schön. Nach dem überragenden Doppelschlag "Zero" (2021/2022), der sich in bester Arthouse-Manier eher um Seelenzustände als um Ohrwurmpflicht kümmerte, wirkten Laughing Stock auf "Songs For The Future" (2022) kurzzeitig so, als hätten sie ihren inneren Kompass im Fjord versenkt. Mit "Shelter" (2024) fanden sie dann zu einem…

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9.0
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Progressive Rock • Konzeptalbum (1:12:28; Vinyl (2LP), CD, Digital; InsideOut Music/Sony Music; 27.02.2026) Die Transformation ist vollzogen. Aus der The Neal Morse Band wurde offiziell NMB. Der Name von Neal Morse ist vom Bandschriftzug verschwunden. Schlank. Modern. Fast schon minimalistisch. Die Musik hingegen? Nun ja. Sagen wir es so: Wenn man die Augen schließt, steht er immer noch da. Breit grinsend hinter der Hammond, die Arme gen Himmel, während Pathos und Modulationen um die Wette strahlen. Auf "L.I.F.T." ist Morse so omnipräsent wie auf – Überraschung – allen Alben, auf denen Neal Morse bislang mitgewirkt hat. Also auf allen. Und…

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13.0
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Post Hardcore • Screamo • Post Metal (46:08; Vinyl, CD, Digital; Grand Hotel Van Cleef/Indigo/The Orchard; 20.02.2026) Normalerweise konsumiere ich Texte eher wie Hintergrundrauschen. Ich nehme sie wahr, ja. Aber ich dekodiere sie nicht zwangsläufig im Vorbeigehen. Stimmen sind für mich Klangfarbe, Druckmittel, Dramaturgie – nicht unbedingt Bedeutungsträger. Das kommt später. Mit Ruhe. Und Papier in der Hand. Bei "belle époque" ist das anders. Schon beim Opener 'messer' trifft die klassische Post-Hardcore-Mischung aus sanften Flächen und aggressiver Wut auf ein musikalisches Brett mit großartiger Dynamik. Man fühlt sich wie beim emotionalen Bungee-Sprung, nur dass die Platte nie Halt gibt. Bei…

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11.0
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Crossover • Alternative Metal • Rap Metal (40:45; Vinyl, CD, Digital; Perception; 20.02.2026) Es ist 1993: Ein Kumpel drückt mir eine CD in die Hand und posaunt großspurig: „Das sind die schwedischen Rage Against The Machine!“ Ich lächle müde – und werde von "Deaf Dumb Blind" eines Besseren belehrt. Dieser wuchtige Bastard aus Rap und Metal war tatsächlich der heißeste Crossover seit Morello & Co. 'Nigger', 'Warfair', 'The Truth' – Szenehymnen. Mit "Use Your Brain" ging's zwei jahre später noch weiter Richtung Mainstream, ohne die eigene Bissigkeit komplett an der Garderobe abzugeben. Danach: schleichender Sinkflug. Weitere Alben, weniger Relevanz. 2013…

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11.2
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Artrock • Downtempo • Ambient • Trip Hop (1:17:52; Vinyl (2LP), CD, Digital; Dangervisit/[PIAS]; 27.02.2026) "Glass Minds" in der Doppelbetreuung Teil 1: Carsten Agthe Die Archive-Releases der letzten Jahre sind so eine Sache für sich. Aufgeplustert bis zum geht nicht mehr (das letzte Werk, „Call To Arms And Angels“, erschien in der Vinyl-Edition gleich einmal als Dreifach-Album) fehlte es letztendlich an Substanz, versandeten die künstlich in die Länge gestreckten Tunes irgendwo im Nirgendwo. Es fehlte an Suspense, welchen einstigen Longtracks wie ‚Again‘, ‚Finding It So Hard‘ oder auch ‚Lights‘ anhaftete. Auch die relative Heavyness von Headbangern wie ‚Numb‘, ‚Noise‘ oder…

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