Ragga Metal • Alternative Metal (33:35; Vinyl, CD, Digital; Earache, 17.04.2026) Die 90er. Crossover-Hochphase. Während alle Welt versuchte, Hip-Hop und Metal notdürftig zu verkleben, kamen Dub War und kippten einfach noch Dub, Ragga und Punk obendrauf. 1995 auf dem Dynamo gesehen – seitdem frisst sich 'Enemy Maker' zuverlässig durchs Hirn. Aus Dub War wurden Skindred, der große Wurf kam bekanntlich erst 2023 mit "Smile" – plötzlich Charts, Wembley, kollektives Staunen. Und "You Got This" liefert jetzt genau das Update dazu: noch kompakter, noch direkter, noch mehr auf maximale Wirkung getrimmt. https://youtu.be/Qdi3JuBXPC4?is=f1V2GSTLhRJ31n02 Dabei blitzen immer wieder Referenzen durch: Linkin Park-Riffs wie…
Autor: flohfish
Alternative Rock • Progressive Metal (19:51; Digital; InsideOut Music/Sony Music; 17.04.2026) Früher R3VO, heute HOLOSOIL – und irgendwo zwischen Namenswechsel und neuer Frontfrau hat man beschlossen, dass weniger direkter Druck und mehr kosmische Bedeutung vielleicht auch eine Idee sind. 2023 beim Euroblast noch „Guano Apes in sexy“, heute eher: „Bitte kurz alle nach innen schauen“. Das Ergebnis hört auf den Namen "Look Up" und wirkt insgesamt etwas sphärischer gedacht – mehr Raum, mehr Atmosphäre, mehr „wir lassen das jetzt mal atmen“. Passiert dann auch, nur eben kontrolliert statt chaotisch. Der Opener 'Look Up' legt direkt mit Crossover-Schlagseite los: rifftechnisch nicht…
Roadburn Festival 2025 – Bilder statt Worte Eigentlich sollte hier ein epischer Roadburn-Bericht stehen. Mit Konzerten, Begegnungen und kleinen Offenbarungen im Halbdunkel der Venues. Stattdessen: ein Text darüber, warum dieser Bericht zwölf Monate zu spät kommt. Nach den Erfahrungen von 2024 hatte mein Chefredakteur beschlossen: Das tue ich mir nicht noch einmal an. Also bin ich 2025 allein losgezogen. Na ja, fast allein. Ein Freund sollte mich unterstützen – fotografieren, mitschreiben, ein bisschen Last von den Schultern nehmen. Auf dem Papier eine gute Idee. Auf dem Zeltplatz dann Rückenschmerzen. Ziemlich heftige. Ein paar Konzerte hat er noch gesehen, aber im…
Desert Rock • Stoner Rock • Fuzz • Psychedelic (41:16; Vinyl, CD, Digital; Fuzzorama Records/Cargo, 10.04.2026) Zehn Jahre. Zehn endlos lange, staubtrockene Jahre – und plötzlich: Die schwedische Wüste blüht wieder. Also zumindest theoretisch. Denn die Truckfighters sind zurück, und mit ihnen keimt die Hoffnung, dass aus all dem Sand endlich mal wieder etwas Neues wächst. Doch es ist derselbe Kaktus wie 2016. Vielleicht ein bisschen größer. "Masterflow" heißt dieses Comeback, das laut Presseinfo irgendwas von „Balance zwischen Disziplin und Freiheit“ faselt – also genau die Art von bedeutungsschwerem Nichts, das man sich auch auf ein leicht vergilbtes Festivalbändchen tätowieren…
Ambient • Electronic • Soundtrack • Jazz (46:57; Vinyl (2LP), CD, CD + Blu-ray, Digital; Kscope/Edel; 10.04.2026) Wenn Richard Barbieri ein neues Soloalbum veröffentlicht, ist die Erwartungshaltung ungefähr so subtil wie ein 5.1-Dolby-Atmos-Sticker auf der Deluxe-Edition: Hier passiert Klangkunst, und zwar bitte in Großbuchstaben. Schließlich hat der Mann nicht nur bei Japan Synthesizergeschichte mitgeschrieben, sondern auch Porcupine Tree mit Alben wie "In Absentia" oder "Fear Of A Blank Planet" den Prog in die Gegenwart gezerrt. Man könnte also meinen: "Hauntings" wird mindestens ein kleines Spukschloss mit eingebautem Nervenzusammenbruch. Ist es auch. Nur leider ohne den Nervenzusammenbruch. Denn ja: "Hauntings" ist…
Sludge • Grindcore • Crust Punk • Post Punk • Noise (39:56; Vinyl, CD, Digital; Ipecac Recordings: 10.04.2026) Wenn zwei Institutionen des gepflegten Kontrollverlusts beschließen, ihre jahrzehntelang perfektionierten Eigenheiten nicht mehr nur nebeneinander, sondern endlich „ineinander“ zu verkeilen, dann entsteht entweder ein Desaster – oder etwas, das man hinterher ehrfürchtig „interessant“ nennt. The Melvins treffen auf Napalm Death. Sludge, Grunge-Ursuppe und stoischer Wahnsinn verschmelzen mit Grindcore, Crust Punk und politischer Dauererregung. Was bisher in gemeinsamen Touren kanalisiert wurde, wird nun erstmals als echte Studio-Kollaboration manifestiert: "Savage Imperial Death March". Schwarzes Gold für Menschen, die sich fragen, ob Musik auch weh…
Drone • Doom (1:19:35; Vinyl (2 LP), CD, Digital; Sub Pop/Cargo; 03.04.2026) Krach und Langeweile – zwei Begriffe, die im Kontext von SUNN O))) traditionell irgendwo zwischen Vorwurf und Arbeitsbeschreibung pendeln. Für den einen ist diese Musik der Inbegriff genau davon, für andere wiederum sind die Doom-Drones von Sunn O))) nichts Geringeres als die perfekte Begleitung zur Tiefenmeditation – akustisches Räucherstäbchen, nur mit deutlich höherem Schalldruck. Und ja, auch auf ihrem selbstbetitelten Album "SUNN O)))" liefern Stephen O’Malley und Greg Anderson erneut schlagende Argumente dafür, dass man ihrem Drone Doom wahlweise die Musikalität oder gleich die Existenzberechtigung als „Musik“ komplett…
Post Rock • Progressive Rock • Cinematic Rock • Instrumental (45:49; Vinyl, CD, Digital; earMUSIC/Kontor New Media/;Edel 10.04.2026) 20 Jahre Bandgeschichte – und plötzlich klingt Verzicht wie die spannendste neue Idee im Kosmos von Long Distance Calling. Ausgerechnet jene Band, die ihre Karriere auf ausufernden Spannungsbögen aufgebaut hat, entdeckt den Rotstift. "The Phantom Void" ist das Resultat: sieben Tracks, kein Gesang, viel Konzept – vor allem aber weniger Umwege. Aufgenommen zwischen Rothenburg, Berlin und Heimstudios, gemastert in Paris und im dritten Anlauf mit demselben Produzenten verfeinert, wirkt hier alles fokussiert bis ins Detail. Man weiß inzwischen ziemlich genau, wann ein…
Krautrock • Electronica • Experimental (36:18; Vinyl, Digital; Invada Records, 03.04.2026) "Fragments" ist weniger ein Soloalbum als eine Archivöffnung – ein Mixtape für einen Freund, wie Billy Fuller selbst sagt. Und selten war eine Metapher so treffend und gleichzeitig so entlarvend. Ideen, die „forgotten and dormant“ irgendwo lagen, werden wieder hervorgeholt und zu 16 Tracks zusammengefügt. Jeder für sich stimmig, atmosphärisch, aber selten ein kompletter Song. Man hört Ansätze, Möglichkeiten, Abzweigungen, die Fuller nie nimmt. Charmant? Ja. Oder: konsequent unfertig. Karrieren wie die von Billy Fuller lesen sich wie ein Dauerabo für „Ach, der auch noch?“: Seit 2003 spielt er…
Offenbarung im Rindvieh Drei Gazpacho-Konzerte im Umkreis von zwei Stunden. Man könnte also meinen, ich hätte die freie Wahl gehabt. Leider nicht ganz, aber immerhin Optionen. So wurde es dieses Mal – aus Termingründen – Rüsselsheim. Endlich mal Das Rind. Endlich mal Hessen. Endlich mal der Main. Und endlich die Gelegenheit einer Frage nachzugehen, die die Wissenschaft bislang sträflich ignoriert hat: Gehören Rinder eigentlich zu den Rüsseltieren? Man weiß es nicht. Aber immerhin stand ich drin. HamaSaari Die Franzosen HamaSaari durfte ich ja bereits auf Tonträger kennenlernen. "Ineffable" bekam seinerzeit solide 11 Punkte – also die Kategorie „macht nichts falsch,…
Experimental Rock • Math Rock • Acid Techno • Disco • Microtonal Rock • Psychedelic Rock (36,55; Vinyl, Digital; Spectacles Bonzaï; 03.04.2026) Man muss es den Kanadiern lassen: Nach Justin Bieber, Nickelback und Céline Dion war eine Entschuldigung längst überfällig. "Vol. II" von Angine de Poitrine ist genau das: ein nervös zuckender, herrlich überdrehter Wiedergutmachungsversuch – und leider ziemlich gut. Wiederholung? Klar, ist ja Loop-basierte Musik. Nur hat hier offenbar niemand verstanden, dass man Loops auch wiederholen soll. Stattdessen benehmen sich die Patterns wie hyperaktive Eichhörnchen auf Acid: ständig in Bewegung, ständig kurz davor, sich selbst zu widersprechen. Die Presseinfo…
Progressive Rock • Doom • Dark Metal (37:16; Vinyl, CD, Digital; Season Of Mist, 03.04.2026) Green Carnation liefern mit "A Dark Poem, Part II: Sanguis" den zweiten Teil ihrer auf drei Akte angelegten Ophelia-Seelenreinigung. Nach dem Pathos und der nordischen Melancholie von "A Dark Poem, Part I: The Shores Of Melancholia" geht es hier tief nach innen – sehr weit nach innen. Schon der Titeltrack 'Sanguis' macht klar: Das hier ist keine launige Fjord-Spaziergang, sondern Gruppentherapie mit Verstärker. Hammond-Sounds und Kjetils melancholischer Gesang dominieren, deftige Riffs und ein Gitarrensolo im ersten Drittel bringen Dynamik über mehr als neun Minuten. Growls…
Melancholie auf Flügeln Wenn Archive zum wiederholten Male für gleich zwei Abende im OM in Seraing aufschlagen und beide Shows natürlich ausverkauft sind, dann weißman: Der Kult lebt, die Melancholie auch – und Parkplätze sind endgültig Fiktion. Mein eigenes Ticket – durch eine dieser seltenen, fast schon mystischen Last-Minute-Akkreditierungen plötzlich überflüssig geworden – wechselte dann auch recht zügig den Besitzer. Offenbar war die Nachfrage nach gepflegter Schwermut weiterhin stabil, wer hätte das gedacht. Die Kamera blieb diesmal demonstrativ zu Hause. Angeschlagen, hin oder her, aber der Gedanke an den Fotograben ließ mich mehr erschauern als jede noch so düstere Archive-Fläche.…
Electro-Acoustic • Dark Ambient • Avantgarde • Post Rock • Arabic Experimental (43:26; Vinyl, CD, Digital; Constellation Records; 03.04..2026) Man muss sich das ja erstmal auf der Zunge zergehen lassen: Jerusalem In My Heart trifft auf Oiseaux-Tempête – also kontrollierte Eskalation trifft auf kontrollierte Eskalation. Was soll da schon schiefgehen? Richtig: nicht viel. Und tatsächlich passiert hier auch mehr, als der erste, leicht skeptische Eindruck vermuten lässt. Denn "Eternal Life No End" (oder, mit angemessenem Pathos: „eine verfluchte, dunkle Nacht, so unerquicklich wie ihre Suchenden“) macht zunächst genau das, was man erwartet – und das auf beachtlichem Niveau: Es wabert,…
Crossover • Industrial • Alternative • Hip-Hop • Post Metal • Wave • Sludge • Noise Rock • Hardcore • Pop • Electronica (38:49; Vinyl, CD, Digital; 45 Records/Rough Trade, 03.04.2026) Wenn "Year Two" schon BÄNG! war, dann ist "The Change Is Me" ein KABOOM! – ein Album, das musikalisch noch extremer, gleichzeitig aber um ein Vielfaches zugänglicher ist. Doodseskader liefern hier eine vermeintliche Irrfahrt durch ein Potpourri von Genres: Man weiß nie, was hinter der nächsten Ecke wartet. Hier ein Schuss Amenra, dort Nine Inch Nails, dann Depeche Mode, gewürzt mit Clubsounds, Trap und Hip-Hop – ein wildes, überraschendes…
Progressive Metal • Post Metal • Mathcore • Progressive Hardcore • Black Metal • Deathcore • Post Rock • Experimental (42:04; Vinyl, CD, Digital; Eigenveröffentlichung; 13.03.2026) Monosphere zeigen sich auf "Amnesia" von einer deutlich gereiften Seite. Hat Rodney Fuchs seine Ausarbeitung darüber, wie man ein Konzeptalbum schreibt, noch einmal überarbeitet, oder warum klappt es diesmal so viel besser als beim Erstling "The Puppeteer"? Das Ergebnis ist jedenfalls beeindruckend. Natürlich ist "Amnesia" wieder ein ziemlicher Brocken, was bei der stilistischen Spannweite und Kevin Ernsts tief grollenden Growls kaum verwundert. Und doch: Das Album geht erstaunlich geschmeidig runter. Fast schon irritierend geschmeidig,…
Progressive Rock • Alternative Rock • Progressive Metal • Grunge (44:40; Vinyl, CD, Digital; Kscope/Edel, 27.03.2026) Godsticks haben sich wieder zurückgezogen – diesmal ins "VOiD". Klingt dramatisch? Ist es auch. Das siebte Album der Waliser ist tatsächlich ihr bisher härtestes, düsterstes und kompromisslosestes Werk. Das Album erinnert mich phasenweise an System of a Down, nur eben in einem progressiven Paralleluniversum, in dem Math-Rock-Rhythmen die ohnehin kantigen Riffs noch komplizierter und überraschender machen. Vielleicht liegt es an bestimmten Nuancen in Darran Charles’ Stimme – die sonst eher an Chris Cornell erinnert –, die in den verzerrten, aggressiven Passagen fast theatralische Dramatik…
Metalcore • Djent • Industrial • Techno • Konzeptalbum (38:26; Digital; Blood Blast - Fateful Records/Believe; 27.03.2026) Ach Berlin. Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten – solange diese Möglichkeiten zwischen 120 und 140 BPM liegen und ein Türsteher entscheidet, ob du existieren darfst. Dass ausgerechnet HEAVEN.EXE genau dort ihre Identität zusammenlöten, ist also ungefähr so überraschend wie ein 48-Stunden-Rave mit „spiritueller Katharsis“ im Pressetext. "Erase Me" ist dann auch genau das, was passiert, wenn Konzeptalbum auf Metalcore, Djent und Techno trifft – und keiner bereit ist, Kompromisse zu machen. Oder anders: Wenn der Pit plötzlich im Club steht und sich fragt, warum…
Art Pop • Singer/Songwriter • Progressive Rock • Chamber Pop (17:32; Vinyl (RSD-Release), Digital; Label Mates, 27.03.2026/18.04.2026) Auf das Leben folgt bekanntlich der Tod. Ein gutes Jahr nach "La Vie" folgt nun "La Mort" – der zweite Teil von Anneke van Giersbergens EP-Trilogie, die einmal zusammengefasst als "La Vie, La Mort, L'Amour" erscheinen soll. Musikalisch und thematisch schließt sie nahtlos an, wo "La Vie" aufgehört hat. Vier Songs, 17:32 Minuten, inspiriert vom Verlust beider Eltern. Die EP reflektiert Vergänglichkeit, Trauer und Erinnerung, ohne je ins Schwere abzugleiten – Annekes Stimme verwandelt Schmerz stets in Leichtigkeit. 'Fade In Fade Out' startet…
Ambient • Drone • Psychedelic • Dub • Avantgarte • Electronic • Folk • Tribal (43:54, 47:03, 44:58; Vinyl, CD, Digital; Neurot Recordings; 23.04., 21.07., 17.10.2024 ) Wer denkt, man könne bei Steve Von Till einfach mal „Ambient hören“ und dann weitergehen, hat "Triptych" noch nicht erlebt. Die dreiteilige Serie aus 2024, die sich wie ein bewusstseinserweiterndes Marathon-Event über drei Vollmonde erstreckt, entführt in kosmische Nebel, in denen Dub, keltische Folklore, seismische Basswellen und droneartige Eskapaden aufeinandertreffen. "Part One – Pink Moon" 'Psilosynth' eröffnet das Triptychon wie ein Uhrwerk, das durch eine psychedelische Nebelwolke rotiert. Al Cisneros’ Bass wirkt dabei…