(47:26, CD, Vinyl, Digital; Blues Funeral Recordings, 21.06.2024) Es ist ja nicht unbedingt das schlechteste Statement, mit Mastodon oder Baroness verglichen zu werden. Das bedeutet auch, dass Horseburner seit der Gründung 2009 gar nicht so schwer unter dieser Last zu schleppen hatten. Das überlässt der Vierer aus West Virginia (wieso habe ich jetzt eigentlich einen Ohrwurm?) seinem Sound, der sich monolithisch aus nach einer gewaltigen Pferdestampede aufgewirbeltem Staub erhebt. Weil Horseburner mächtig heavy sind. Und aus dieser auffälligen Charaktereigenschaft auch kein' Hehl machen. Und nebenbei auch noch dezent proggy tun, was vor allem in den Stillleben 'Summer’s Bride', 'The Fawn'…
Autor: Carsten Agthe
(39:35, Vinyl, Digital, Clostridium Records, 10.05.2024) Psychedelic Kraut aus der Bretagne. Muss man erst einmal darauf kommen und muss man erst einmal checken. Auf ihrem sphärisch-pulsierenden Debüt machen KALAC aus ihren Vorlieben für Acts wie Hawkwind, Spacemen 3 oder La Düsseldorf überhaupt keinen Hehl. Der Rhythmus stampft in teutonischem Krautrockmaschinerie-Rhythmus, die Gitarren flimmern halluzinogen und der Bass pumpt heftig. Viel passiert nicht in den Tracks, was so in Ordnung geht, ist es doch die spezielle Sogwirkung Richtung Nirvana, die so erst einmal begeistert. https://www.youtube.com/watch?v=6IDyPqRjZ6o Die französischen Vocals verleihen der Sache einen speziellen Wave-Twist ('Conscience'), derweil die Zielrichtung ganz klar 'Silver…
(41:23, Vinyl, Digital, Sulatron Records;Broken Silence, 28.06.2024) Die gerade einmal drei Tracks auf diesem Longplayer zeugen schon einmal von einem langrilligen Erlebnis. Mit 21 ('Earth'), 7 ('Sun') und 13 Minuten ('Moon') ist man dann auch gut dabei, die Türen zur psychedelisch motivierten Glückseligkeit voll aufzustoßen. Dass gerade die Sonne hier eher knapp bemessen wurde, liegt eventuell an der alles dominierenden Hitze. Es geschah indes schon 2018, dass Speedy-Jeezus-Gitarrist Lex Waterreus die Electric Mooner Komet Zulu und Sula Bassana im Studio heimsuchte und man, weil er schon einmal da war, eine Session inszenierte, die jetzt, Jahre später, mit einigen Overdubs veredelt…
(43:37, CD, Vinyl, Digital; Eigenveröffentlichung, 05.07.2024) Die Gitarren perlen sympathisch, die Breaks passieren abrupt und sophisticated und die Takte rumpeln abstrakt polyrhythmisch. Zwischen Avantgarde und Progressive Rock haben sich Yomi Ship eine Nische erschaffen, in der es trotz aller Komplexität reichlich verträumt zugeht. Denn bei dem Trio aus dem australischen Perth wird es selten laut und ausufernd (am ehesten noch die Schlussphase von 'The Izoku'), viel lieber schlendert man in gefälligen Downtempo-Bereichen, so dass "Feast Eternal" eher Entspannung denn rockige Offerte ist. Was dem Thema der Sache, nämlich den Übergang ins Jenseits, nur gerecht wird. Feast Eternal by Yomi Ship…
(42:09 (53:10), CD, Vinyl, Digital; Clostridium Records, 15.05.2020/06.06.2024) Vier Jahre nach der Erstveröffentlichung auf bandcamp und CD kommt nun das Debüt-Album der Mexican Bluespsychos auf Vinyl. LP-kompatibel gekürzt (von 53 auf 42 Minuten) und auch in der Reihenfolge der Tracks extrem verändert (7,8,4,1,2,10) zeigt sich "The Echo Of The Desert" nun mit einem komplett überarbeiteten Handlungsstrang. Dem tief im Swamp Blues und der Psychedelic verwachsenen Sound der Mannen um Tlaca Serrano tut das sicher keinen Abbruch, aber es hat schon einen Einfluss auf den Grundtenor, ein Album wie dieses mit dem Dunkelblues 'Fires At The Cosmic Dawn' oder dem mit…
(44:47, Vinyl, Digital; Sulatron Records/Broken Silence, 05.04.2024) Das Jubiläum zum Jubiläum. Das erste Release von Sula Bassana erlebt an dieser Stelle sein "22 years anniversary". Und, falls das noch nicht genug Grund zum Feiern ist, begeht man mit dieser Veröffentlichung zusätzlich das 20-jährige der CD-Version und das 20-jährige von Sulatron Records an sich. Da erinnere ich mich, dass es weit vorher schon einmal eine Hörprobe unter dem Arbeitstitel "Verirrte Tiere" gab, die gewiss bezüglich des wenig verkaufsfördernden Namens wieder verworfen wurde. Nun kommt also der "Dreamer" im neu/alten Gewand, das heißt, wieder mit dem Originalcover von 2002 und nur auf…
(53:31, CD, Vinyl, Digital, Erased Tapes, 05.07.2024) Ganze zehn Jahre nach dem Debüt kommt nun "II" (die drei EPs dazwischen erst einmal nicht beachtet). War man sich schon bei "Kiasmos" (dem Debüt-Album) ziemlich sicher, es hier mit einer Supergroup bzw. einem Superduo der gepflegten Electronik zu tun zu haben, ist man sich nun sicher. Weil die beiden Protagonisten Ólafur Arnalds und Janus Rasmussen ihre Musik nicht nur andächtig zelebrieren, sondern diese auch leben. Ihre sonstigen Betätigungsfelder aus Pianostillleben und Electro-Pop legten die beiden Nordländer bewusst zum größten Teil ad acta, um zusammen einen Sound zu inszenieren, der dann angemessen Club-kompatibel…
(40:25, Vinyl, Digital, Art As Catharsis, 07.06.2024) Das vierte Album der Crooked Fiddle Band (die ersten beiden wurden doch tatsächlich bei Steve Albini – RIP – aufgenommen) entführt uns einmal mehr in die grünen Wiesen Irlands. Dabei kommt der Vierer um Jess Randall und Gordon Wallace aus dem australischen Sydney. Aber, was sind schon Distanzen, wenn die Grundtendenz stimmt. So musiziert man zwischen Outback und Great Dividing Range und setzt auch hier ganz spezieller Duftmarken in Celtic Sounds. Die Fiddle dräut und verhilft der Grundatmosphäre zu einem melancholischen Touch, GastsängerInnen wie Fanny Lumsden ('A Cold Wind Blows') bringen den nötigen…
(60:36, CD, Vinyl, Digital; Copper Feast Records, 19.04.2024) Ein Relikt für Liebhaber der langen Rille. Denn unter sieben Minuten geht es bei Homecoming nicht ab. Und auch wenn der Bandname ein wenig heimelige Atmosphären verbreiten möchte, geht es bei den Pariser Postmetallern stellenweise überhaupt nicht heimelig zu. Dafür glänzt das Trio mit einer unglaublichen Bandbreite an Eindrücken und Stilbrüchen, wobei letztere Charakteristik dann trotz allem dem Metal’n Alternative’n Postrock treu bleibt. Es scheint schon ein kleines Wagnis, "Those We Knew" gleich mit dem brockigen 'Tell Me Something' zu beginnen, vereinnahmt dieser Track doch gleich einmal siebzehneinhalb Minuten und kommt erst…
(56:02, Vinyl, Digital; Art As Catharsis, 17.05.2024) Zum Thema Schlaf gibt es schon eine Menge mehr oder minder intensiv gehaltener Versuche, dem Anspruch dieser Thematik gerecht zu werden. Sicherlich ist Max Richters Beitrag „Sleep“ (nur echt in der 504 Minuten Version!) der spannendste Beitrag der letzten Jahre. Die in Berlin lebende Jazzbassistin Claire Cross nähert sich diesem Thema, vor allem dem der Schlafzyklen, auf einem anderen Weg, nämlich via Elektroenzephalografie: "By researching what shows up on EEGs during sleep, and the dominant frequencies/waves of each phase, I found limitations that could be applied to musical situations and create an overall…
(36:32, CD, Digital; Waxlife Records, 03.05.2024) Das ist doch schon einmal eine Kampfansage, nach zwanzig Jahren mit einem neuen Album zu kommen. Das dann auch noch Songs enthält, die in den letzten siebenundzwanzig Jahren entstanden sind. Doom Punk rules. Weswegen der "Cockroach Swing" auch eigentlich "Cockroach Doom" hätte heißen müssen. 'La Cucaracha' im Taumel und die Sissies frisch und fies wie nie zuvor. Zum Teil mit deutschen Texten – 'Bruce Lee ihm sein Song', 'Nicht lang fackeln im Sturm', ‚Nordsee‘ (natürlich nur echt mit dem Slogan "Nordsee ist Mordsee!") - geben sich die Hamburger up to date, schlenzen gekonnt und…
(ca. 157:00, CD, Digital; Atypeek Music, 03.05.2024) An sich ist jedes der sieben bisherigen Enablers-Alben für sich schon ein Brocken, der erst einmal verdaut werden muss. Die nun veröffentlichte, über zweieinhalb Stunden andauernde Retrospektive, ist also einmal mehr starker Tobak. Auch für solche, die das bisherige Schaffen der Kalifornier bisher goutierten. "Almost To Who Knows Where" enthält Material aus der gesamten bisherigen 21-jährigen Karriere der Band um Joe Goldring (ex-Swans, Toiling Midgets, Touched By A Janitor). Angefangen bei der ersten musikalischen Äußerung des noch auf Neurot erschienenen Albums "End Note" von 2004 ('Pauly’s Day’s In Cinema', 'And Last Night?') bis…
(30:10, CD, Digital, Atypeek Music, 03.05.2024) Long live The Pogues. Here come The Rogues. Und zwar ganz authentisch aus Ballymun, einem Vorort von Dublin. "Songs Of Praise" ist der Opener einer Trilogie, die noch in diesem Jahr mit "D.U.B.L.I.N." sowie "We Are The Rogues" komplettiert wird. Ein Hoch auf "Sandinista!"! Nach dem 'Amuse-bouche'-Trinkspruch kann die Party losgehen, eine Party, die sich, ganz irische Tradition, in ein Saufgelage hineinsteigert ('Drunk', 'Unicorn'). Aber, eben das kennen wir ja auch schon von The Pogues. Und, es ist immer dann am Schönsten, wenn es kein Halten mehr gibt. https://youtube.com/watch?v=RLknBsvGu1k Dazwischen ist noch Platz für…
(43:48, CD, Vinyl, Digital; Pelagic Records/Cargo, 28.06.2024) Zwar hatte man sich vor geraumer Zeit vom Trio zum Duo modifiziert. Dem majestätisch shoegazenden Sound der Brüder Jakob und Oskar Nilsson Hemström tat dieser Line-up Change aber keinen Abbruch, wie schon das letzte Oh Hiroshima-Album "Myriad" zeigte und "All Things Shining" aufs Neue beweist. Die Schweden nutzen alle Räume, um ihren mit viel Hall unterlegten Sound zur maximalen Effizienz zu verhelfen. Das neue - mittlerweile fünfte - Album ist ein Sammelsurium effektiver Opulenz, harscher Sounds und poppiger Zwischentöne ('Holiness Movement'), die Texte dazu sind schon mal von Nobelpreisträger Pär Lagerkvist inspiriert. Was…
(70:39, CD, Digital, Bird’s Robe Records, 07.06.2024) Sein Zehnjähriges kann man eigentlich so lange feiern, wie man möchte. Das ist alles eine Frage der Perspektive. So feiert das australische Label Bird’s Robe seit 2018 sein rundes Jubiläum mit dem Rerelease diverser Produktionen. Und eben das nun mit Echotide, deren Debüt "As Our Floodlights Gave Way To Dawn" von 2012 nun in remasterter Form erscheint. Das Trio um die beiden Arcane-Members Matthew Martin und Michael Gagen sowie Schlagzeuger Geoff Irish (Caligula’s Horse) zelebrieren hierbei die groß angelegte Rachmaninowisierung des Post Rock. Was im Einzelnen bedeutet - viel Drama, viel Pathos, viel…
(50:31, CD, Vinyl, Digital; Bird’s Robe Records, 18.10.2019/07.06.2024) Da war Bird’s Robe-Chef Mike Solo dermaßen beeindruckt, dass er kurzerhand Myriad Drone unter Vertrag nahm und gleich noch ihr Debüt-Album "Arka Morgana" von 2019 wiederveröffentlichte. Macht Sinn, dass dieses Werk nun einer breiteren Hörerschaft zugänglich gemacht wird. Zwischen brachialer Härte ('Arka Morgana') und Sigur Rós’schen Engelsgesängen ('Atonement‘') bauen sich Myriad Drone Soundscapes mit Weite, die den Bandnamen dann auch vollkommen rechtfertigen. "Arka Morgana" ist ein Werk voller impulsiver Ausbrüche, nicht zurückgehaltener Leidenschaften, atmosphärischer Dichte und beeindruckender Momentaufnahmen, ein Werk, das man problemlos in die Liste der ganz Großen des Post Rock…
(44:16, CD, Vinyl, Digital; Interstellar Smoke Records, 24.05.2024) Psychedelic Doom aus Polen, der sich mächtig mit einem mystischen Kanon überlädt. Aber ebendies kennt man von der Band aus Danzig schon, die an dieser Stelle, nach "Reed:Chapter 1" (2014), "Anthony Hill" (2017) und "M.A.P." (2020), immerhin schon mit Album Nummer vier glänzt. Hier also geht es um das Dilemma von Lazarus, der "…after losing his children and being abandoned by his wife, … falls into deep depression and decides to take his own life". Es gibt also viel zu tun für Sautrus, eben dieses Dilemma aufzudröseln und vor allem zu entschärfen.…
(51:08; Vinyl, CD, Digital; (Pelagic Records/Cargo, 07.06.2024) Hippotraktor bündeln einmal mehr ihre Wut und formen daraus erneut Tracks an der Grenze zum Overkill. Psychonaut-Sänger Stefan De Graef fand hier ein zweites Betätigungsfeld, das keineswegs nur als Sideproject zu handeln, sondern nun, spätestens mit dem zweiten Album "Stasis", als ernstzunehmende Beschäftigungstherapie zu werten ist. Polyrhythmische Eskapaden knallen hier ungefiltert auf mächtige Riffgewalten und kompromisslose Vocals, Djent-ige Offerten auf post-metallische, progressive-rockende und hardcorige Wucht, wobei das Wütende letztendlich doch die Oberhand erlangt. Da täuschen auch die hin und wieder hingeworfenen Bröckchen relativer Harmonie und Ruhe ('The Reckoning') nicht darüber hinweg, dass der…
(39:58, CD, Vinyl, Digital; Sunday Fog Records, 31.05.2024) Auf ein wenig bedächtigeren und nachdenklicheren Spuren wandelt Kompressor Experiment/Méandre-Gitarrist Fantin Reichler mit seinem Solo-Project DRLCT (= Derelict?). Die Trauer und der Schmerz, den der Musiker bei dem drei Jahre andauernden und letztendlich erfolglosen Kampf seiner Mutter gegen den Krebs erlebte, spiegelt sich in den vier emotionsgeladenen und schmerzhaften Stillleben dieses Albums wider, wobei jedes dieser ein Kapitel dieser Tortur bildet. 'Asunder' – Wut und Nichtverstehen, 'Un jour en Octobre' – die Ausbreitung der Krankheit, 'Flow your Tears, that Bluebird said' – Akzeptanz und Todeswunsch und letztendlich 'Interlinked' – die letzte Ruhe.…
(39:27, CD, Vinyl, Digital; Exile On Mainstream/Cargo, 31.05.2024) Auf eines kann man sich verlassen – dass es irgendwann ein neues Album von The Antikaroshi geben wird. Zwar nicht in schöner Regelmäßigkeit, aber definitiv gewiss. Das "Three piece from Germoney" offeriert uns drei Jahre nach dem fulminanten "Extract. Transform. Debase." nun tatsächlich schon sein sechstes Album und ist mit "L’inertie Polaire" (was so viel bedeutet wie "rasender Stillstand") ganz nah am Puls der wahnsinnigen Zeit. Hier wird eine Frischzellenkur in Noiserock zelebriert, die eine Blutgrätsche hin zu hittigen Hooklines vollführt und die Probleme beim Namen nennt. Fake News ('Shiny White Teeth'),…