
Progressive Rock • Alternative Rock • Progressive Metal • Grunge
(44:40; Vinyl, CD, Digital; Kscope/Edel, 27.03.2026)
Godsticks haben sich wieder zurückgezogen – diesmal ins "VOiD". Klingt dramatisch? Ist es auch. Das siebte Album der Waliser ist tatsächlich ihr bisher härtestes, düsterstes und kompromisslosestes Werk. Das Album erinnert mich phasenweise an System of a Down, nur eben in einem progressiven Paralleluniversum, in dem Math-Rock-Rhythmen die ohnehin kantigen Riffs noch komplizierter und überraschender machen. Vielleicht liegt es an bestimmten Nuancen in Darran Charles’ Stimme – die sonst eher an Chris Cornell erinnert –, die in den verzerrten, aggressiven Passagen fast theatralische Dramatik ausstrahlt.
Darran Charles ist für mich das absolute Highlight der Platte. Er macht den Unterschied zwischen verkopftem Gefrickel und einem zugänglichen Hörerlebnis; ohne ihn würde "VOiD" wohl in einem Meer aus technischen Spielereien versinken. Stattdessen verleiht er jedem Song ein Profil, das zwischen Progressivität und emotionaler Direktheit vermittelt.
Und die Platte legt sofort los: Mit 'M.I.A.' schlägt "VOiD" ohne jede Vorwarnung zu. Ein ziemlich straighter Rocker, eingängig, fesselnd, mit tighter Rhythmik und einer leicht nahöstlich anmutenden Gitarrenlinie. Die Energie wird nahtlos von 'Hold Back' übernommen, das rasend agil die Intensität des Openers hält und fast genauso eingängig ist. Kurz darauf sorgt 'Watch It Burn' für den perfekten Abschluss des Trios der treibenden Energiebündel: kurz, knackig, aggressiv – und trotzdem prog as fuck.
Dann zieht die Band erstmals die Handbremse: 'Master Of A Plan' wechselt das Tempo, soundgardenlastig, ruhig, nachdenklich, leicht spooky im Klangdesign. Das eindringliche Gitarrensolo gegen Ende setzt einen kleinen Höhepunkt. Mit 'Torn Again' wird wieder abgehakt, vertaktet, hart und intensiv gespielt – sehr grungy im Tonfall, ein echter Kopfstoß in den musikalischen Magen.
'Can't Withstand' baut die Spannung weiter aus: vielschichtig, mit elektronischen Farbtupfern, wieder ein sehr intensives, progressives Hörerlebnis. Die rhythmische Kriegserklärung zwischen Gitarre und Stimme ist hier besonders spürbar. 'Ruthless Coward' tritt kompromisslos auf, fettes Riff, düster – hätte ich mir druckvoller gewünscht.
Dann folgt die zweiteilige Suite 'Talking Through Walls' – das klare Highlight der Platte. Ein spannender Bogen, der im zweiten Teil immer dichter und intensiver wird. Darran Charles darf hier glänzen, besonders in Momenten, in denen sich die Rhythmik zurücknimmt. Schließlich endet "VOiD" mit 'Hope Is Burning', leicht balladesk, typisch Godsticks, mit wunderbarem Soundgarden-Unterton. Ein schöner, starker, selbstbewusster Schlusspunkt, mit eingängigem Chorus, der die zentralen Ideen der Platte thematisch verdichtet und zusammenfasst.
Trotz aller mathematischen Vertracktheit und Sperrigkeit macht Darran Charles' Stimme die Musik immer wieder zugänglich. Die Songs atmen, sie packen, ohne sich in technischer Extravaganz zu verlieren. Gleichzeitig geben die neuen Impulse von Francis George am Bass der Rhythmussektion einen frischen Drive, der das Quartett auf stabilem Fundament hält.
Im Vergleich zum Vorgängeralbum "This Is What A Winner Looks Like" (2023) ist "VOiD" deutlich düsterer, kompromissloser, emotional verbissener, aber auch präzise ausgefeilt. 44 Minuten, die technisch anspruchsvoll, vertrackt, progressiv, manchmal sperrig, aber dank Darran Charles immer wieder eingängig und zugänglich sind.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Besetzung:
• Darran Charles – Gitarre, Gesang
• Gavin Bushell – Gitarre
• Tom Price – Schlagzeug
• Francis George – Bass
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von cmm zur Verfügung gestellt.

