Atmospheric Trip Rock
(42:12; CD, Digital; Eigenveröffentlichung; 24.10.2026)
Dieses Projekt um Multiinstrumentalist/Producer Wolfram Zarnack aus Hamburg nebst Sängerin Josefine Winter spielt schwebenden Trip Rock, meist melancholisch, etwas nächtlich, und wird für Freunde der späteren Inkarnation von The Gathering, Midas Fall oder Archive ohne Weiteres zu empfehlen sein. Ich habe mich schnell in den butterweichen, stets etwas dunklen Trip-Sound reingefunden, machen Flöten, langsame Rhythmik, Female Vocals und viele Post-/Nischen-Elemente den Zugang doch sehr leicht. Alles ist dicht, einen Hauch schwermütig, vorsichtig progressiv, ätherisch und voller kleiner subtiler Dynamiken. Die Musiker schaffen genügend Räume und Abwechslung, Passagen ohne Gesang und wiederum die prägnante Stimme von Josefine geben der Platte viele Facetten, und trotzdem steht am Ende ein sehr dichtes Gebilde von Sound-Kosmos.
'Take Me Up' ist getragen, federt langsam, dunkel mit vorsichtig emotionalem Gesang von Josefine, der mich irgendwie an Midas Fall erinnert, was als Kompliment zu verstehen ist. Angenehm akustische Gitarren, vorsichtige Verdichtung/Dynamik bringen den Song in ein berührendes Crescendo, wo auch die jüngere Version von The Gathering mit ihren trippigen Sounds ihre Heimat suchte. Etwas Archive, dichte Elektronica zu organischen Drums findet sich in 'Hazy World' – der immer etwas verwaschene, basslastige Sound kommt der Atmosphäre der Musik merklich entgegen. Ein Song wie 'Escapegoat' mäandert mir etwas zu unkonkret durch die Boxen, da fehlt dann schlussendlich doch irgendwas. 'Their Song' braucht nur etwas Piano und Hall, die weibliche Stimme und genauso weiß ein flackerndes, zehnminütiges Ambient-Stück wie 'REV2' mächtig viel Nacht und Einsamkeit vor's geistige Auge zu zaubern. Diese dichte, ruhig-minimale Aura suggeriert in meinem Ohr David Lynch-artige Echos, schüttet ordentlich Isolation und Grautöne in den Äther, weiß zu berühren mit verschwommenen Stimmungen. Da fallen mir interessante Projekte wie die Spanier von Arca oder Monoland ein, die auch zwischen trister Electronica, Sprach-Samples und filmischen Abfahrten den Tag zur Nacht machen konnten.
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Emotional ist das alles, nie ganz konkret – man driftet, schwebt lieber durch den nebligen Dunst, schafft gerade dadurch hier und da Aha-Effekte. Gesanglich ist das alles sehr stimmig, harmonisch, ohne am Ende die ganz großen Momente zu kreieren. Die Musik schafft es in jedem Fall, durchgehend Stimmungen zu transportieren, fließt in Teilen unmerklich ohne zu klare Song-Schemata, gewinnt dadurch insbesondere innerhalb dieser melancholisch-düsteren Sogmomente, und ich kann diesem abendlichen Trip jederzeit über die komplette Länge nachsteigen. Irgendwie passt der Titel hervorragend, verschwindet/flüchtet man mit den Tönen unmerklich im Nichts.Bewertung: 11/15 Punkten
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Sozius PR zur Verfügung gestellt.


