
Progressive Metal • Djent • Existential Prog
(40:32; Vinyl, CD, Digital; Season Of Mist; 27.03.2026)
Frischer Wind weht im Modern Prog Metal – und zwar aus Nord-Nordost, genauer gesagt aus Kopenhagen. Und nein, das ist nicht dieses übliche laue Lüftchen, das dir drei Djent-Riffs ins Gesicht pustet und sich dann wieder verzieht. Only Human schicken mit "Planned Obsolescence" eher einen kleinen Sturm ins Rennen. Einen, der noch nicht alles plattwalzt – aber durchaus das Potenzial hat, sich mittelfristig zum Orkan hochzuschaukeln.
Musikalisch ist das Ganze erwartbar modern, technisch, angenehm unterkühlt. Also genau das, was man bekommt, wenn man Prog Metal, Djent und Ambient Electronica einmal durch den Zukunftsfilter jagt. Die Nähe zu TesseracT ist dabei kaum zu überhören – allerdings wirkt der Grundtenor hier oft deutlich sanfter, fast schon schwebend. Dafür rücken die Electronics stärker ins Zentrum, flirren und glitzern sich durch die Songs und wecken mitunter vage Erinnerungen an Vangelis, stellenweise auch an The Alan Parsons Project. Warum genau? Schwer zu sagen. Vielleicht Einbildung. Vielleicht aber auch genau dieser kleine Funke Eigenheit, der das Ganze interessanter macht, als es auf dem Papier klingt.
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Neu ist das alles nicht. Aber: Es ist verdammt gut zusammengesetzt. Und genau da liegt die Stärke dieses Debüts – weniger Revolution, mehr verdammt souveräne Synthese.
Die Band selbst spricht natürlich lieber von „existential Prog Metal“ und der großen Abrechnung mit Technokratie, Wegwerfgesellschaft und algorithmischer Fremdsteuerung. Große Worte, große Themen. Und ja, Songs wie 'Techno Fascist' oder 'Automata' tragen diese Konzepte auch mit entsprechendem Nachdruck vor sich her – inklusive der obligatorischen Mischung aus flirrenden Electronics, groovenden Low-End-Chugs und bedeutungsschwangeren Vocals.
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Das hätte alles furchtbar anstrengend werden können. Wird es aber erstaunlich selten.
Denn trotz aller Konzeptschwere bleibt "Planned Obsolescence" vor allem eines: erstaunlich zugänglich. Die Band hat ein feines Gespür für Melodien, streut immer wieder Hooks ein, die sich festsetzen, ohne gleich die große Pathoskeule auszupacken. Vor allem gelingt ihnen eine bemerkenswert ausgewogene Balance aus Wucht und Entspannung – Druck und Atmosphäre halten sich hier angenehm die Waage, ohne sich gegenseitig auszubremsen. Man verliert dabei nie den Anschluss – eher im Gegenteil: Das Album zieht einen ziemlich elegant durch seine 40 Minuten, ohne dass man ständig auf den intellektuellen Reset-Knopf drücken muss.
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Natürlich gibt es auch die Momente, in denen das Ganze ein bisschen zu geschniegelt wirkt. Zu perfekt, zu kontrolliert, fast schon so, als hätte der Algorithmus, vor dem gewarnt wird, hier selbst ein bisschen mitkomponiert. Aber vielleicht ist genau das die eigentliche Pointe.
Unterm Strich ist "Planned Obsolescence" keine Neuerfindung des Genres, aber ein Statement. Eines, das zeigt, wie gut moderner Prog Metal funktionieren kann, wenn man die richtigen Zutaten kennt – und sie mit genug Eigencharme zusammenrührt.
Oder anders gesagt: Der Sturm ist da. Jetzt darf er nur gern noch etwas unberechenbarer werden.
Bewertung: 11/15 Punkten
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Besetzung:
• Patrick Grønbæch Christensen - Gesang
• Martin Hastrup - Gitarre
• Jack Kijne - Gitarre
• Andreas Pröll - Schlagzeug
• Guillaume Blanjean - Bass
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Season Of Mist zur Verfügung gestellt.

