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    Du bist hier:Home»Reviews»Neurosis - An Undying Love For A Burning World

    Neurosis - An Undying Love For A Burning World

    0
    By flohfish on 21. März 2026 Reviews

    Neurosis - An Undying Love For A Burning World (Neurot Recordings; 20.03.2026)
    Post Metal • Ambient • Sludge • Hardcore
    (1:03:30; Vinyl (2LP), CD, MC, Digital; Neurot Recordings/Evilgreed; 20.03.2026)
    Manchmal schreibt sich der Einstieg von selbst. Etwa dann, wenn Neurosis aus dem Nichts ein neues Album veröffentlichen – exakt an dem Tag, an dem der Tod von Chuck Norris verkündet wird. Reinkarnation? Kosmischer Ausgleich? Eher letzteres. Denn Neurosis sind nicht zurückgekehrt, weil Norris weg ist. Sie sind zurückgekehrt, weil das Universum sonst Gefahr gelaufen wäre, zu optimistisch zu werden.

    Und dann läuft dieses Ding genau einmal durch – und hat einen schon komplett verschlungen. Kein vorsichtiges Antesten, kein „wächst bestimmt noch“: "An Undying Love For A Burning World" packt dich beim ersten Durchlauf und lässt dich auch danach nicht mehr raus. Zehn Jahre Pause? Haben sich hier eher wie ein sehr ausgedehnter Luftholmoment angefühlt, bevor wieder kollektiv die Erdkruste aufgerissen wird.

    Natürlich schwebt über allem die unausweichliche Realität der Post-Scott-Kelly-Ära. Neurosis ohne eines ihrer prägendsten Gesichter – das hätte auch ungut schiefgehen können. Tut es aber nicht. Im Gegenteil: Mit Aaron Turner (Isis, Sumac) steht da jemand im Raum, der nicht nur passt, sondern dem Ganzen sogar neue Facetten abgewinnt. Plötzlich schleichen sich cleangesungene Passagen ein – und wirken nicht wie ein Fremdkörper, sondern wie etwas, das schon immer latent im Neurosis-Kosmos existierte.

    Der Pressetext spricht von „kolossalem Hypnotismus“. Das klingt erstmal wie Marketinglyrik aus dem Lavendelbad, ist hier aber erstaunlich zutreffend. Dieses Album zieht. Hardcore-Sludge walzt alles nieder, Ambientflächen öffnen Räume, Post Metal spannt die bekannten Spannungsbögen, während sich elektronische Elemente leise dazwischen schieben. Vielseitig ist hier kein Buzzword, sondern eher eine freundliche Untertreibung.

    Was besonders reizt: diese Dynamik. Neurosis bleiben die Meister der kontrollierten Eskalation. Die Kontraste zwischen fragilen Ambientpassagen und tonnenschweren Riffwänden sind nicht neu, aber selten so zwingend gewesen. Das wirkt weniger wie ein Rückgriff auf bewährte Muster, sondern eher wie deren Verfeinerung – oder, wenn man es pathetischer mag: eine weitere Evolutionsstufe im hauseigenen Ökosystem.

    Und ja, stellenweise wird es fast… progressiv. Im wortwörtlichen Sinne. Strukturen verschieben sich, Songs entwickeln sich eher, als dass sie einfach stattfinden. Gleichzeitig blitzen die alten Hardcore- und Crust-Wurzeln immer noch durch, als wollten sie sicherstellen, dass hier niemand auf die Idee kommt, das Ganze sei plötzlich geschniegelt oder gar komfortabel geworden.

    Wobei – und das ist vielleicht die größte Überraschung – man einzelnen Momenten tatsächlich das für Neurosis lange Zeit undenkbare Prädikat „schön“ verleihen kann. Nicht im kitschigen Sinne, sondern in dieser seltsamen, erhabenen Art, bei der man kurz vergisst, dass um einen herum eigentlich alles in Flammen steht.

    Inhaltlich passt das ins Bild: Klimakrise, gesellschaftlicher Kollaps, emotionale Überforderung – Neurosis beschreiben ihre Musik selbst als notwendige Katharsis, als Ventil, als Überlebensstrategie. „This was now or never“, heißt es. Man nimmt es ihnen sofort ab.

    Und dann war da noch der Freitag, an dem keiner mehr damit gerechnet hatte, dass plötzlich ein neues Neurosis-Album aus dem Nichts auftaucht. Für die Vergabe des Teekesselchens der Woche war es längst zu spät – daran ändern auch meine 14 Punkte nichts. Selbst Chuck Norris könnte das jetzt nicht mehr retten. Man steht also nur da, staunt, trinkt den Tee aus dem Aschenbecher und denkt: „Tja, das Universum regelt das schon – und wir sind einfach Zeugen.“

    Am Ende bleibt ein Album, mit dem Neurosis nicht einfach zurückkehrt sind, sondern mit dem sie ihren Platz wieder eingenommen haben – schwer, vielschichtig, fordernd und gleichzeitig seltsam einladend. Oder anders gesagt: Die Welt brennt. Neurosis liefern den Soundtrack dazu. Und der ist so zwingend wie lange nicht.
    Bewertung: 14/15 Punkten


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    Neurosis - An Undying Love For A Burning World (Neurot Recordings; 27.03.2026)Neurosis - An Undying Love For A Burning World (Neurot Recordings; 27.03.2026)
    Besetzung:
    • Steve Von Till - Gesang, Gitarre
    • Jason Roeder - Schlagzeug
    • Dave Edwardson - Bass
    • Noah Landis - Keyboards
    • Aaron Turner - Gesang, Gitarre

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    Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Rarely Unable zur Verfügung gestellt.

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    Aaron Turner Ambient CD Cassette Dave Edwardson Digital Evilgreed Hardcore Jason Roeder Kalifornien Neurot Recordings Noah Landis Oakland Post Metal Rarely Unable Sludge Steve Von Till USA Vinyl
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    flohfish
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    1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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