
Progressive Rock • Art Rock • Post Rock
(38:53; Vinyl, CD, Digital; Apollon Records Prog; 27.02.2026)
Sieben Alben in sieben Jahren. Andere Bands brauchen so lange für die Abstimmung über das Covermotiv. Die Norweger aus Tønsberg hingegen liefern zuverlässig wie der skandinavische Winter – lang, dunkel, manchmal schmerzhaft, aber am Ende doch irgendwie schön.
Nach dem überragenden Doppelschlag "Zero" (2021/2022), der sich in bester Arthouse-Manier eher um Seelenzustände als um Ohrwurmpflicht kümmerte, wirkten Laughing Stock auf "Songs For The Future" (2022) kurzzeitig so, als hätten sie ihren inneren Kompass im Fjord versenkt. Mit "Shelter" (2024) fanden sie dann zu einem Sound, der näher an Pink Floyd als an Talk Talk lag – jenen Herren also, bei denen sie sich zuvor nicht nur stilistisch, sondern auch namentlich bedient haben.
Rückblickend scheint "Shelter“ jedoch eher Zwischenstation gewesen zu sein. Denn "Life In Seven Dreams" schlägt in eine ähnliche Kerbe – nur mit deutlich mehr Widerhaken.
Formal handelt es sich um sieben neue Songs, lose verbunden als „Suite of Dreams“. Konzeptalbum? Nicht wirklich. Eher thematische Klammer als stringentes Narrativ. Eingeleitet wird das Ganze von einer Rezitation von Edgar Allan Poes "A Dream Within A Dream", vorgetragen von Camels Colin Bass.
Der eigentliche Opener 'Summer's End' beginnt dann überraschend deftig. Ein Riff taucht nach 45 Sekunden auf, das entfernt an Rammstein erinnert. Ja, richtig gelesen. Für einen kurzen Moment möchte man „WTF?“ rufen – nur um wenig später in lupenreinem Floyd-Territorium zu landen. Und bevor man sich gemütlich zurücklehnen kann, werden beide Welten kurzerhand zusammengeschraubt. Kontrastprogramm als Markenzeichen – das konnten sie schon immer.
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'Not Today', die zweite Single, gerät nicht nur musikalisch, sondern auch biografisch zur Schlüsselszene. Eingesungen von Tim Bowness, erinnert der Song in Atmosphäre und Timbre stark an die Solo-Arbeiten von Fish, speziell an "Raingods With Zippos™". Sehr persönlich, sehr dunkel – und doch durchzogen von diesem leisen Hoffnungsschimmer, der sich wie ein roter Faden durch das Album zieht.
You must never stop looking for beauty
– ja, schon gut. Aber hier glaubt man es ihnen.
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Auch 'The House' flirtet schamlos mit Fremd-DNA, in diesem Fall mit The Church und deren 'Under The Milky Way'. Ein billiger Abklatsch? Könnte man denken. Ist es aber nicht. Laughing Stock beherrschen die Kunst der Reminiszenz, ohne zur Coverband ihrer eigenen Plattensammlung zu verkommen.
'All The Strength' gibt sich verträumt und elegisch, wächst aber gegen Ende dynamisch über sich hinaus. 'The Fire'verbindet Post Rock mit einer Gitarre irgendwo zwischen David Gilmour und Steve Rothery – also genau da, wo sich Prog-Gitarristen abends heimlich treffen.
'We Look At The River' schließlich atmet den Geist später Talk Talk: reduziert, leicht jazzig, beinahe fragil. Ein Moment zum Innehalten, bevor das Finale kommt.
Und dann 'From The Shadows'. Die eigentliche Überraschung der Platte. Denn plötzlich tauchen Growls im Refrain auf – und zwar nicht als peinlicher „Seht her, wir können auch Metal“-Reflex, sondern als konsequente Zuspitzung der düster-melancholischen Grundstimmung. Hier zeigt sich, wie sehr dieses Album unter persönlichen Kämpfen entstanden ist. Manche Passagen sind schön. Manche sind dunkel. Manche sind beides gleichzeitig.
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Produziert und gemixt von Jan Mikael Sørensen selbst, gemastert von Jacob Holm-Lupo, mit zusätzlichen Gästen wie Bjørnar Kristiansen (Dwaal) und Terje Johannesen an der Trompete, wirkt "Life In Seven Dreams" wie ein Manifest eines zermürbenden Jahres – und gleichzeitig wie ein Beweis dafür, dass Laughing Stock ihren Sound gefunden haben. Zumindest vorübergehend. Man weiß ja nie bei den Norwegern.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Besetzung:
• Jan Mikael Sørensen - Electric Bass Guitar, Vocals, Keys
• Jan Erik Kirkevold Nilsen - Electric Guitar, Vocals , Keys
• Håvard Enge - Keyboards
Gastmusiker:
• Colin Bass - Recitations
• Tim Bowness - Lead Vocals ('Not Today')
• Bjørnar Kristiansen - Additional Vocals ('From The Shadows' and 'The Fire')
• Terje Johannesen - Trumpet ('We look At The River')
• Frederic Bech: Fiddles ('The Fire' and 'All The Strength')
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Apollon Records Prog zur Verfügung gestellt.

