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    Du bist hier:Home»Reviews»The Hirsch Effekt - Der Brauch

    The Hirsch Effekt - Der Brauch

    0
    By flohfish on 12. Februar 2026 Reviews

    The Hirsch Effekt - Der Brauch (Long Branch Records; 30.01.2026)
    Progressive Metal • Artcore • Math Rock • Experimental Rock
    (48:56; Vinyl, CD, Digital; Long Branch Records; 30.01.2026)
    Mehr Art, weniger Core.

    Was auf den ersten Blick wie eine bloße Verschiebung der Gewichte klingt, entpuppt sich auf "Der Brauch" als programmatische Neuausrichtung. In gewisser Weise ist das siebte Studioalbum der Hannoveraner eine stilistische Rückkehr zum vielschichtigen Zweitwerk "Holon : Anamnesis". Und doch ist "Der Brauch" alles andere als ein Schritt zurück.

    Schuld – oder besser: Verdienst – daran ist wohl der diesmal grundlegend andere Schreibprozess. Große Teile des Fundaments stammen aus der Feder von Nils Wittrock, der das Album über weite Strecken im Alleingang konzipierte. Für Ilja Lappin und Moritz Schmidt bedeutete das, sich mit Ideen auseinanderzusetzen, die ihnen zunächst fremd gewesen sein dürften. Vielleicht ist genau aus dieser produktiven Reibung jene besondere Spannung entstanden, die viele der neun Stücke durchzieht.

    Auffällig ist die verstärkte Hinwendung zu kammermusikalischen Elementen. Zarte, beinahe fragile Momente ziehen sich durch die gesamte Albumlänge. Das Cello bekommt endlich wieder den Raum, den es verdient – und verleiht Songs wie 'Der Faden' oder 'Die Heimkehr' eine Tiefe, die man zuletzt in dieser Form während der mittleren "Holon"-Phase vernommen hat. Mathcore-Gefrickel, abrupte Taktwechsel und exzessives Geschrei sind keineswegs verschwunden, werden aber deutlich dosierter eingesetzt. Die Eruptionen wirken dadurch umso explosiver. Wenn es kracht, dann richtig.

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    Zum Easy Listening taugen The Hirsch Effekt selbstverständlich auch 2026 nicht. Doch es sind nun weniger die extremen Metal-Elemente die fordern, sondern vielmehr der künstlerische Ansatz, die progressive Dramaturgie, das ausgefeilte Sounddesign. Hier und da fühlt man sich tatsächlich an jüngere Leprous-Alben erinnert – nicht nur wegen der Streicher, sondern auch aufgrund jener avantgardistischen Texturen, die sich unter die Oberfläche schleichen und Songs organisch wachsen lassen.

    Inhaltlich geht es diesmal stärker nach innen. "Der Brauch" ist eine Besinnung auf die eigene Haltung. Warum macht man das alles? Wofür greift man zur Gitarre? Statt das große Außen zu sezieren, richten die Hirsche den Blick auf das eigene Innenleben. Resignation, Zweifel und Unmut werden nicht ausgestellt, sondern in etwas Kathartisches überführt. 'Das Nachsehen' verhandelt Kommunikationsunfähigkeit im Zeitalter von Dauerbeschallung und digitalem Rückzug, während 'Die Brücke' in scheinbarer Alltäglichkeit jene leise Größe entfaltet, die dieses Album so besonders macht.

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    Bemerkenswert ist zudem, dass sämtliche Songtitel erstmals auf Anhieb verständlich sind. Keine kryptischen Neologismen, keine verklausulierten Kunstbegriffe. 'Der Brauch', 'Der Doppelgänger', 'Die Lüge', 'Die Brücke'. Klarheit in der Sprache – bei gleichbleibender Komplexität in der Musik.

    Am Ende steht eine Platte, die sich nicht mehr zwingend als Metalalbum labeln lassen will. Moritz Schmidt streut noch Blastbeats ein – ja, aber sie definieren das Werk nicht. "Der Brauch" ist fokussierter, intimer, kunstvoller. Eine Rückkehr zum Wesenskern – ohne nostalgisch zu sein.

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    The Hirsch Effekt klingen unverkennbar nach sich selbst. Nur reifer. Und vielleicht war genau das der eigentliche Brauch, zu dem sie zurückfinden mussten.
    Bewertung: 14/15 Punkten


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    Weitere Informationen

    The Hirsch Effekt - Der Brauch (Long Branch Records; 30.01.2026)
    Credit: Freakshot

    Besetzung:
    • Nils Wittrock – Gesang, Gitarre
    • Ilja John Lappin – Bass, Gesang, Cello
    • Moritz Schmidt – Schlagzeug, Gesang

    Surftipps:
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    • Linktree
    • Bandcamp
    • YouTube
    • Wikipedia
    • Rezensionen, Liveberichte & Interviews

     

    Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Fleet Union zur Verfügung gestellt.

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    Artcore Deutschland Experimental Rock Hannover Ilja John Lappin Long Branch Records Math Rock Moritz Schmidt Nils Wittrock Progressive Metal SPV The Hirsch Effekt
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    flohfish
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    1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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