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    Betreutes Proggen
    Du bist hier:Home»Reviews»Charlie Griffiths - Tiktaalika

    Charlie Griffiths - Tiktaalika

    0
    By Martin Kopp on 2. Juli 2022 Reviews
    Charlie Griffiths-Tiktaalika (Inside Out 17.06.22) COVER
    Artwork by Dan Goldsworthy

    (52:32; Vinyl, CD, Digital; Inside Out Music, 2022)
    Da sich momentan fast alles in der Prog-Szene um das neue Album von Porcupine Tree dreht, ging selbst dem betreuenden Autor dieses Release hier sprichwörtlich durch die Lappen. Und auch wenn die Augen und Ohren von vielen sich momentan schwer vom Comeback der Briten abwenden können, wäre es ein Jammer, nur deswegen dieses grandiose Erstlingswerk zu übersehen.

    Der Gitarrist Charlie Griffiths der Prog-Metallband Haken veröffentlicht sein Solo-Debüt "Tiktaalika" mit der Verstärkung einer ganzen Armada an bekannten Musikern. Die Songs stammen alle aus seiner eigenen Feder und er spielte Gitarre, Bass und Keyboards hauptsächlich selber ein. Das Salz in der Suppe bescherte "Tiktaalika" aber die Gastauftritte von Keyboarder Jordan Ruddess (Dream Theater), Drummer Darby Todd (Devin Townsend) und Saxofonist Rob Townsend (Steve Hackett), die ihre Kreativität mit einfließen lassen konnten. Gesanglich leihen Tommy Rogers (Between the Buried and Me), Daniel De Jongh (Textures), Vladimir Lalic (Organised Chaos) und Neil Purdy (Luna´s Call) dem Album ihre Stimmen.

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    "Tiktaalika" ist ein Sammelsurium an verschiedensten Genres. Hier steckt unfassbar viel unter der Haube. Von Groove Metal der 90er à la Pantera, Prog Metal wie Dream Theater oder Haken, Thrash- und Death Metal sowie der gottgleiche klassische Prog-Rock der 70er-Jahre. Ohne sich dabei einer Musikrichtung zu sehr anzunähern, bleibt der Genre-Mix auf Augenhöhe und wirkt so erstaunlich eingängig und frisch. Wo wir auch schon zum nächsten Punkt kommen. Eingängigkeit. Denn nach nur einem Hördurchgang bleibt wahnsinnig viel hängen und man möchte einfach sofort wieder von vorne anfangen. Zwar bietet uns Griffiths nichts absolut Neues, aber der gekonnte und gut dosierte Crossover von Metal, Prog und gar Alternative Rock kann einfach direkt faszinieren. Demnach zeigen sich die Songs aufgrund dessen sehr abwechslungsreich. Die Waage hält sich und Griffiths schafft ein Album nicht nur zwischen den Stühlen, sondern direkt in der Mitte des Stuhlkreises.
    Wegen der technisch versierten Teilhaber fällt "Tikaalika" natürlich musikalisch auch sehr anspruchsvoll aus. Dies hält sich aber angenehm in Grenzen, denn wir haben es hier nicht mit wildem technischen Genudel zutun, weshalb die Songs ihren Faden nicht durch übermäßig wilde Saitenakrobatik und ausuferndes Keyboardgefrickel verlieren.

    Das instrumentale Intro 'Prehistoric Prelude' lässt mit seinem akustischen Vorspiel und dem Wechsel in ein groovig thrashiges Riff direkt an Metallicas 'Battery' denken. Ohne Pause geht es über in 'Arctic Cemetery'. Stilistisch bewegen wir uns hier weiterhin in den metallischen 80er Jahren und zusätzlich im modernen Metalcore der Gegenwart . Jedoch gibt die Instrumentierung und die Fills ihm einen progressiven Charakter. Ab der Hälfte begegnet uns dann plötzlich ein technisches Death Metal Riffing, wie man es aus der Feder von Chuck Schuldiner und seiner progressiven Technical-Death-Metal-Band Death kennt (Human, Symbolic).
    Mit einem fließenden Übergang startet die Griffiths-Kapelle dann mit 'Luminous Beings', das einen komplett anderen Wind wehen lässt. Ruhige, vertrackte und verspielte Klänge in 70er Prog-Rock-Manier. Wer hier an Formationen wie Van der Graf Generator oder Gentle Giant denkt, der liegt garnicht mal so falsch. Denn der jazzig proggige Mittelpart lässt diese Assoziation sofort aufkommen, beißt sich aber überaupt nicht mit dem groovigen Metal-Riffing. Eine schöne Idee, Peter Hammill und Gary Green an einen Metal-Amp einzustöpseln.

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    'In Alluvium' ist der erste Titel auf "Tiktaalika", der als waschechter moderner Prog-Metal-Song auch auf einem Haken-Album Platz hätte nehmen können. Jedoch liebäugelt Griffiths hier auch etwas mit Power-Metal und serviert uns zudem ein Gitarrensolo erster Güteklasse. Ohne Pause geht es von einem Achtminüter in den nächsten über. 'Dead in the Water' grooved ordentlich, bleibt progressiv rhythmisch und ist nicht nur mit dynamischen Shouting und Gesang versehen, sondern bleibt auf seiner ganzen Länge durchgehend im Wandel. So reißt einen plötzlich das jazzige Zwischenspiel abrupt aus dem Songfluss und verhindert neben den rhythmischen Wechseln jegliche Einfachheit. Denn einfach kann doch jeder. Zudem ist der Titel ein Höhepunkt des Albums.
    Die Ballade 'Digging Deeper' erzeugt eine erstaunlich sphärische Klangstruktur und der instrumentale Titeltrack 'Tiktaalika' überzeugt neben stampfenden Riffing auch mit ruhigen Passagen, geliehen aus den verschiedensten Genres.
    'Crawl Walk Run’….Bitte was? Ein Gastauftritt von Lamb of God? Nein? Nein! Denn Lamb of God sind nicht plötzlich progressiv geworden und haben einen Gastauftritt bei Charlie bekommen, aber man kann deutlich Parallelen zu den Amerikanern ziehen. Wer könnte nicht nachempfinden, dass dieser Song mit seinen Riffs und Leads definitiv in die Schublade dieser Band passt. Nur in besser, da er deutlichen progressiven Einschlag hat.
    Ein Album mit ruhigen Tönen abschließen kann auch jeder, so beendet 'Under Polaris' Griffiths Solo-Debüt noch mal ordentlich mit einem Mix aus Prog-Metal und Metalcore.

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    "Tiktaalika" wirkt letztendlich genau so, wie es wahrscheinlich entstanden ist. Ein Musiker packt all seine Einflüsse und gern gehörten Musikrichtungen auf ein Album und bleibt dabei durchgehend originell, eingängig und frisch. Zwar haben wir alle diese Stile schon mehrfach gehört, aber in solch einer kompakten, gut funktionierenden und ansprechenden Form, ohne dabei unpassend und zusammen gewürfelt zu wirken, sicher noch nicht so häufig.

    Es fällt schwer, Schwächen ausfindig zumachen, da die Abwechslung groß ist, kein wirklich schwacher Song hinten runterfällt und die Produktion auf ganz hohem Niveau ist. Alleine die verschiedenen Gesangsstile der fünf Sänger lassen eine gewisse Diversität aufkommen. Einfache Songstrukturen aus dem Metal werden ständig gebrochen, aufgepeppt und progressiv getuned ohne zu verkopft und tiefgründig zu wirken. Das sitzt und zündet schon beim ersten Hören. Somit haben wir es hier deutlich mit einem hoch bewerteten Debüt zutun. Zurecht? Teilt eure Meinung gerne in den Kommentaren!
    Bewertung: 13/15 Punkten

    Tracklist:
    1. 'Prehistoric Prelude'
    2. 'Arctic Cemetery'
    3. 'Luminous Beings'
    4. 'In Alluvium'
    5. 'Dead in the Water'
    6. 'Digging Deeper'
    7. 'Tiktaalika'
    8. 'Crawl Walk Run'
    9. 'Under Polaris'

    Charlie Griffiths-Tiktaalika (InsideOut 17.06.22)
    Besetzung:
    Charlie Griffiths (guitar, bass, keyboard, vocals)

    Gastmusiker:
    Darby Todd (drums)
    Jordan Rudess (keyboards)
    Rob Townsend (saxophone)
    Tommy Rogers (vocals (tracks 2,9))
    Danïel De Jongh (vocals (tracks 3,8))
    Vladimir Lalić (vocals (tracks 4,5))
    Neil Purdy – (vocals (track 5))

    Diskografie (Studioalben):
    "Tiktaalika (2022)

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    Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Head of PR zur Verfügung gestellt.

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    CD Charlie Griffiths Crossover Daniel De Jongh Darby Todd Death Metal Debüt Digital Haken Head Of PR InsideOut Music Jordan Rudess Neil Purdy Progressive Metal Progressive Rock Rob Townsend Soloalbum Thrash Metal Tommy Rogers Vinyl Vladimir Lalić
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    Martin Kopp
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