DRH – Ode To A Firework

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(40:57, CD, Digital, Eigenveröffentlichung, 2022)
Nachdem die erste Scheibe der Lyoner Mannen von DRH, “Thin Ice”, verklungen war, mehrten sich die Gerüchte über einen Nachfolger. Der Buschfunk vermeldete auch diskret, dass es wohl zukünftig noch deutlich heftiger zur Sache gehen solle. Nun, die Corona-Zeit und die damit einhergehenden Schwierigkeiten verzögerten die Produktion und ließ uns in gespannter Erwartung noch etwas zappeln. Nun ist sie da – mittlerweile in Eigenproduktion erstellt, da das bisherige Label wohl leider dem Virus zum Opfer gefallen ist – und kann sorgfältig in Augenschein genommen werden.
Interessant die Tatsache, dass DRH quasi fast zeitgleich zur Veröffentlichung eine Minitour durch Deutschland landen konnte, somit kam es zum eher seltenen Phänomen, dass das Material zuerst live und erst danach auf CD zu erforschen war. Schon einmal als Nagel sicher in die Wand geschlagen: Live ist das eine Augen- und Ohrenweide. Die Band klebt hervorragend zusammen und rockt (oder jazzt?) mit Spielwitz und -freude, es ist einfach ein Hochgenuss, ihnen dabei zuzusehen.

Die CD, und das ist eine durchaus verblüffende Feststellung, offenbart jedoch noch weitaus intensiver die Kraft, die Energie und das Herzblut in dieser Musik. Massiv produziert mit extrem gutem Sound und mit atemberaubender Intensität kommt die Musik aus den Boxen. Alexandre PHALIPPON am Bass und Josselin HAZARD an den Drums bauen einen ausladend breiten Sockel, der gnadenlos treibt, dabei felsenfest steht und doch ganz fein ziseliert ist. Das ist Profi-Arbeit! Danilo RODRIGUEZ an der Gitarre arbeitet emsig und traumwandlerisch sicher zwischen ensembledienlich-zurückhaltendem Gewisper und expressiv-extatischen Ausbrüchen hin und her. Fantastisch!

Metallisches Geballer mit wunderbaren djent-artigen Einsprengseln wird geboten, immer massig und wuchtig, nie belanglos, ja, die Zähne werden ordentlich gebleckt. Trotzdem nie in Poser-Gefilde abgleitend, wohltuend oft aber wohldosiert wird das Tempo, der Rhythmus gnadenlos gekappt und ein faulenziges Einwippen in den Groove glücklich verhindert. Der Kopf bekommt genug zu tun!
Und dann Rémi MATRAT als Frontmann am Sax, der zarte Hingucker, der Gegenspieler, der Anti-Metaller, der Elb. Er ist es, der diesem Eisenwurm die Geschmeidigkeit einträufelt, ein Geheimnis mitgibt und die entscheidende morbide Kraft und Schönheit verleiht. Wunderbare Kombination! Alle Stücke auf der CD sind ebenbürtig, keines fällt ab. CD läuft und läuft und läuft…
Meisterhaft!
Grandios!
Und wunderschön!
…Dark Rock Hallucinogène…
Bewertung: 13/15 Punkten

Line-up:
Danilo RODRIGUEZ – guitar
Rémi MATRAT – saxophones
Alexandre PHALIPPON – bass
Josselin HAZARD – drums

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Über den Autor

Baujahr '65 und somit (gerade noch so, also Glück gehabt) mit der 70s-Musik sozialisiert. Mitveranstalter brotloser Konzerte in Jena mit Schwerpunkt Jazzcore, Avant und allgemeiner Stehmusik. Leidenschaftlicher Musiksammler mit verdächtiger Neigung zu allen möglichen Abartigkeiten und Obskuritäten. Der seltsame Musikgeschmack ist gerne hier nachzuvollziehen: https://laut.fm/freakout

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DRH – Ode To A Firework

von Klaus Heuschkel Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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