Major Parkinson – A Night At The Library

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Major Parkinson - A Night At The Library (Apollon Records/Degaton Records, 11.03.22)

Credit: Martin Kvamme

(1:00:00; Vinyl (2 LP), CD, Digital; Degaton Records/Apollon Records, 2022)
Streaming-Konzerte waren für gut anderthalb Jahre praktisch die einzige Möglichkeit, als Band ein Lebenszeichen von sich zu geben. Wenn man nicht gerade ein neues Studio-Album zu veröffentlichen hatte. Denn Konzert-Reisen waren ja in den Jahren 2020 und 2021 für die meisten Bands eine Sache der Unmöglichkeit. Um sich aber von der Menge des umfangreichen Angebotes an Live-Streaming hervorzuheben, musste man sich schon etwas ganz besonderes einfallen lassen. Viele dieser Mitschnitte sind heute längst wieder vergessen. Andere wiederum sind zu bleibenden Erinnerungen für all die geworden, die diesen Übertragungen beigewohnt haben. Von immer mehr dieser Auftritte werden nun Ton- und Bilddokumente veröffentlicht, die denen das Verpasste zugänglich machen, die beim Stream verhindert oder zögerlich oder bzgl. des neuen Formats gegenüber skeptisch waren.

Dass auch die norwegische Band Major Parkinson sich dazu entschlossen hat, ihren Auftritt vor der Kulisse der Bergen Offentlige Bibliotek auf CD und Vinyl zu veröffentlichen, ist ein Glücksfall. Dass derzeit noch kein hochqualitative Veröffentlichung auf Blu-ray oder anderen Film-Medien geplant ist, ist dagegen mehr als schade. Denn das auf YouTube verfügbare Video zum Abend in der Bergener Bücherei ist ein audio-visuelles Gourmet-Stückchen. Nicht wegen seiner etwaigen Opulenz, sondern ganz im Gegenteil, aufgrund seiner Intimität.

Das Setting von “A Night At The Library” hat nämlich Ähnlichkeit mit dem einer Bühnen-Aufführung in einem kleinen Programm-Theater. Die Ausstaffierung, die Kostüme und die Beleuchtung, alles ist wunderbar aufeinander abgestimmt und passend zur Musik. Denn die Norweger hatten ihre Stücke für diesen Abend umarrangiert, aufs Wesentliche reduziert und in ein akustisches Gewand gesteckt. Erstaunlich ist dabei der Fakt, dass Mitglieder von Major Parkinson für dieses Arrangement persönlich zurückgesteckt haben. So war die komplette Saiten-Fraktion, bestehend aus den Gitarristen Sondre Skollevoll und Øystein Bech-Eriksen sowie dem Bassiten Eivind Gammersvik, an dieser Aufführung unbeteiligt. Und so traten lediglich Frontmann Jon Ivar Kollbotn und seine drei Bandkollegen Claudia Cox (Violine), Lars Christian Bjørknes (Piano) und Sondre Veland (Schlagzeug) an diesem 15. Mai 2020 vor die Kamera.
Besonders Jon Ivar Kollbotn setzt sich bei diesem Auftritt äußerst positiv in Szene, da der in einen dunklen Anzug gekleidete Sänger seine Texte leidenschaftlich intoniert (Silence!!! vgl. ‘Beaks of Benevola’!!), theatralisch interpretiert und teils wild gestikulierend begleitet. Auffallend ist dabei insbesondere, wie der Sänger mit der Kamera flirtet und interagiert.
Trotz aller Intimität und des akustischen Gewandes treten aber auch Kollbotns Kollegen an den begleitenden Instrumenten sehr kraftvoll und energetisch in Erscheinung, so dass ein Klang entsteht, der den kleinen Raum vollkommen ausfüllt und mitreißende Wirkung entfaltet. Ein Klang, der auf Platte perfekt eingefangen worden ist, so dass er die Aura der Bibliothek auch auf Tonträger erstrahlen lässt und das intime Streaming-Erlebnis auch ganz ohne Bilder zu vremitteln imstande ist.

So hätte Rock-Musik wohl geklungen, wäre sie schon Ende des 19. Jahrhunderts entstanden, vor der Erfindung von Verstärkern. Bleibt zu hoffen, dass die Band dieses Format auch in Zukunft noch einmal auf die Bühne bringen wird. Und zwar vorzugsweise in kleinen Theatern, Cabarets und intimen Clubs.
Bewertung: 13/15 Punkten

Besetzung:
Jon Ivar Kollbotn (Vox)
Claudia Cox (Violin)
Lars Christian Bjørknes (Piano)
(Drums)

Diskografie (Studioalben):
“Major Parkinson” (2008)
“Songs From A Solitary Home” (2010)
“Twilight Cinema” (2014)
“Blackbox” (2017)

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Rezension: “Blackbox” (2017)

Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Apollon Records zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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Major Parkinson – A Night At The Library

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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