Long Distance Calling, 25.07.21, Trier, Arena Vorplatz

0

Long Distance Calling, 25.07.21, Trier, Arena Vorplatz

Summer Escape

Trier ist nicht unbedingt eine Hochburg der Progressive Rock-Szene. Umso schöner ist es dann, wenn sich auch einmal eine angesagte Prog-Band an die verschlafene Mosel verirrt. Und besonders erfreulich ist es natürlich, wenn dies in Corona-Zeiten geschieht, in denen Konzerte generell spärlich gesät sind. Ein echtes „Summer Escape“ für alle Freunde der anspruchsvollen Instrumentalmusik also..

Long Distance Calling, 25.07.21, Trier, Arena Vorplatz

Corona geschuldet war es dann auch, dass das Konzert von Long Distance Calling an einem Ort stattfinden musste, der noch gar nicht so lange als Spielstätte für Musikgruppen fungiert, nämlich dem Fort-Worth-Platz. Besser bekannt als Vorplatz der Arena Trier. Eingequetscht zwischen Mehrzweckhalle, Baumarkt und Mehrfamilienhäusern war dieser Platz nicht wirklich die hübscheste Location für ein Open Air-Konzert. Das ursprünglich geplante Zirkuszelt wäre wahrscheinlich die gemütlichere Variante gewesen. Doch pandemiebedingt nimmt man eben, was man bekommen kann, anstatt herumzumeckern. Und letztendlich war die Örtlichkeit dann auch nicht die schlechteste, zumindest nicht für Long Distance Calling, denn die Band kam in den Genuss der hinter den Moselhängen untergehenden Sonne.

Long Distance Calling, 25.07.21, Trier, Arena Vorplatz

Long Distance Calling, 25.07.21, Trier, Arena Vorplatz

Long Distance Calling, 25.07.21, Trier, Arena Vorplatz

Doch war das versammelte Publikum ja nicht gekommen, um das Venue zu besichtigen, sondern um Musik zu hören. Und da gab es an diesem Abend beileibe nichts zu bemängeln. Zur Freude der Fans war es schon die zweite Tournee der Münsteraner Band seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Eine Leistung, die nicht viele andere Gruppierungen für sich verbuchen können. Doch auch dieser Auftritt war nichts anderes als eine Notlösung. Geplant war nämlich eine ganz besondere audiovisuelle Konzertreihe mit Auftritten in Konzerthäusern, Theatersäälen, Philharmonien und Kirchen. (Aktuell ist diese Tournee für November und Dezember 2021 geplant.)

Long Distance Calling, 25.07.21, Trier, Arena Vorplatz

Long Distance Calling, 25.07.21, Trier, Arena Vorplatz

Long Distance Calling, 25.07.21, Trier, Arena Vorplatz

So gab es an diesem Abend also, genau wie schon im letzten Jahr, nur die abgespeckte Variante des Konzertvergnügens. Sprich: Musikgenuss pur mit nur dezenter Lightshow. Dazu griff das Quartett, bestehend aus den Gitarristen David Jordan und Florian Füntmann, dem Bassisten Jan Hoffmann und Schlagzeuger und Janosch Rathmer auf eine ähnliche Setlist zurück, wie schon im letzten Jahr beim Bremer Hellseatic Postponed Open Air. Auch heute standen die Stücke vom 2020er Langspieler „How Do We Want To Live?“ im Mittelpunkt des Bühnengeschehens. Und wie gut dessen Songs für ein Live-Setting geeignet sind, das zeigte schon der Opener ‚Curiosity Pt. 2‘. Als größter Unterschied zur letztjährigen Setlist sollten sich die triphoppigen ‚Black Shuck‘ und ‚Old Love‘ herausstellen, zwei neue Stücke, die im Frühjahr auf der formidablen „Ghost“-EP veröffentlicht worden waren. Und wo die beiden Lieder schon auf Platte überzeugend waren, so kann man sie für das Live-Set nur als deutliche Bereicherung bezeichnen. Und auch die Klassiker wie ‚Metulsky Curse Revisited‘ und ‚Black Paper Planes‘ saßen an diesem Abend wie eine Eins. Denn sowohl an der Soundabmischung als auch an der Bühnenperformance gab es an diesem Abend so rein gar nichts auszusetzen. Und als die Sonne dann verschwand, kam auch endlich die Lightshow etwas zur Wirkung.

Long Distance Calling, 25.07.21, Trier, Arena Vorplatz

Long Distance Calling, 25.07.21, Trier, Arena Vorplatz

Und trotzdem wollte der Funke zum Publikum nicht wirklich überspringen. Oder besser gesagt: als Zuschauer fühlte man sich nicht wirklich wie ein Teil des Geschehens. Denn wo andere Veranstalter auf Stehtische oder Biertischgarnituren setzten, die wenigstens ein bisschen so etwas wie ein Gruppengefühl aufkommen lassen, gab es in Trier nur langweilige Stuhlreihen. Diese waren leider noch nicht einmal zur Hälfte gefüllt. Was für das Corona-Virus ein Hemmnis darstellte, war für den Konzertbesucher ein kleines Ärgernis. Denn die Stimmung im Publikum war eher bescheiden.

Nichtsdestotrotz sah man, am Ende des Konzertes nur zufriedene Zuschauer. Denn was das sterile Venue nicht schaffte, das verbrachte im Endeffekt die Band: nämlich die Zuschauer tief in der Seele zu berühren und innerlich zufriedenzustellen. Ein gelungener Abend, der die Vorfreude auf die anstehenden Winter Escapes weckt.

Long Distance Calling, 25.07.21, Trier, Arena Vorplatz


Text und Live-Fotos: Floh Fish

Setlist:
Long Distance Calling

Besetzung:
David Jordan
Florian Füntmann
Jan Hoffmann
Janosch Rathmer

Surftipps zu Long Distance Calling:
Homepage
Facebook
Instagram
Twitter
Soundcloud
YouTube
Spotify
Apple Music
AmazonMusic
Tidal
Deezer
Napster
Last.fm
Discogs
Prog Archives
Wikipedia
Rezension: „Ghost“ (2021)
Konzertbericht: 05.09.20, Bremen, Hellseatic Postponed Open Air 2020, Altes Zollamt
Rezension: „How Do We Want To Live?“ (2020)
Rezension: „Stummfilm (Live From Hamburg)“ (2019)
Konzertbericht: 25.07.19, Breitenbach am Herzberg, Burg Herzberg Festival 2019, Hof Huhnstadt
Rezension: „Boundless“ (2018)
Konzertbericht: 18.01.18, Essen, Turock
Rezension: „Trips“ (2016)

Weitere Surftipps:
Arena Vorplatz (Venue)
Contra Promotion (Veranstalter)
MJC Mergener Hof (Lokaler Veranstalte)

image_pdfArtikel als PDF herunterladenimage_printArtikel drucken
Teilen.

Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

Antworten

Hinweis: Mit dem Absenden deines Kommentars werden Benutzername, E-Mail-Adresse sowie zur Vermeidung von Missbrauch für 7 Tage die dazugehörige IP-Adresse, die deinem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, in unserer Datenbank gespeichert. E-Mail-Adresse und die IP-Adresse werden selbstverständlich nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben. Du hast die Option, Kommentare für diesen Beitrag per E-Mail zu abonnieren - in diesem Fall erhältst du eine E-Mail, in der du das Abonnement bestätigen kannst. Mehr Informationen finden sich in unserer Datenschutzerklärung.

Long Distance Calling, 25.07.21, Trier, Arena Vorplatz

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
0