Giancarlo Erra – Departure Tapes

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Giancarlo Erra - Departure Tapes (Kscope/Edel, 02.07.21)(43:40, CD, Digital, Vinyl, Kscope/Edel, 2021)
Die Ideen zu den Aufnahmen der „Departure Tapes“ entstanden während der diversen Reisen zwischen Italien und Großbritannien, den zwei Lebensmittelpunkten des italienischen Komponisten und Multi-Instrumentalisten Giancarlo Erra, den man vor allem durch das Bandprojekt Nosound kennt. Die insgesamt sechs Kompositionen sind zum Großteil improvisiert, sie fangen damit einzelne, kaum mehr wiederholbare Momente auf. Der Nachfolger des 2019er Album „Ends“ reflektiert durch seine nachdenklichen bis bedrohlichen Stimmungen vor allem die persönlich sehr schwere Zeit die Erra in den letzten beiden Jahren erlebte.

Es war vor allem der Krebstod seines Vaters, der den Künstler nachhaltig beeinflusste. Zwar stand für Giancarlo Erras zweites Soloalbum bereits zu Beginn fest, dass er darauf einen anderen Weg wählen würde. Doch die komplizierte Beziehung zu seinem Vater, führte seine Ideen nochmals in eine ganz andere Richtung, zu einer Art Heilungsprozess:

„Das Endresultat ist das experimentellste und teilweise auch düsterste Material, das ich je geschrieben habe, ohne Kompromisse und vorgegebenen Plan. Es enthält alle Elemente meiner Music, aber in einer sehr unbewussten, frei fließenden Art.“

Das rein instrumental angelegte „Departure Tapes“ baut auf lange, schwebende Akkorde und ist mit seinen intimen Traumsequenzen eindeutig im Ambient-Bereich anzusiedeln. Die kürzeren Tracks greifen in erster Line spontane Stimmungen auf, fließen mehr, als dass sie auf einem erkennbaren Songaufbau fußen. Bei den längeren Stücken entwickeln sich sehr langsam erkennbare Melodiefolgen, die geradezu eine Trance-artige Atmosphäre entfalten. Zentrales Stück ist das knapp 17-minütige ‚Departure Tape‘, das zu Beginn an die Soundtracks von Goblin erinnert, sich nachfolgend aber in Dynamik und klanglicher Tiefe schleichend steigert, um sich gegen Ende in weicher Harmonie zu verlieren.

Ein sehr persönliches, tiefgehendes Album, bei dem Erra zwar ausdrücklich seine eigenen Erlebnisse verarbeitete, aber man als Zuhörer dennoch eine gewisse Nähe zum Künstler gewinnen kann.
Bewertung: 11/15 Punkten (KR 11, KS 11)

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Abbildungen: Giancarlo Erra / Kscope

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Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Giancarlo Erra – Departure Tapes

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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