Frank Zappa – Zappa 88: The Last U.S. Show

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Frank Zappa - Zappa 88: The Last U.S. Show (Zappa Family Trust, 18.06.21)(75:07 + 74:59, 2 CDs, Vinyl, Digital, Zappa Family Trust, 2021)
Wenn man sich selbst auferlegt, seine Musiksammlung in alphabetischer Reihenfolge durchzuhören, hat es den großen Vorteil auch mal auf Interpreten oder Band zu stoßen, die man schon lange nicht mehr im Fokus hatte. Letztendlich landet man dann zwangsläufig nach einiger Zeit beim Buchstaben Z. Z wie Zappa.

Deswegen waren und sind die letzten Wochen von einer gewaltigen Zappa-Dosis geprägt. Und dann merkt man eben, dass dessen umfangreiche Hinterlassenschaft sehr vielfältig, mitunter unheimlich begeisternd, aber auch sehr anstrengend sein kann. Gerade die unglaubliche Vielfalt an stilistischen Verquickungen mit teils schwerlich Anhörbarem, aber auch genügend genialen Einfällen, macht Zappas Werk zu einer spannenden, immer wieder überraschenden zappaesken Reise.

Doch nun zu „Zappa 88: The Last U.S. Show“, dem letzten Livekonzert, welches Zappa am 23.März 1988 im Nassau Coliseum in Uniondale, NY mit seiner damaligen Band präsentierte. Die wirklich schrägen Zeiten auf der Bühne waren zu diesem Zeitpunkt bereits Geschichte, wie auch seine damalige sehr große Besetzung , trotz aller Klasse und tightem Zusammenspiel eben nicht an die gefeierten Formationen der 70er heranreichte. Laut Aussage zerstörte sich „The Best Band You Never Heard In Your Life“ im Laufe der Tour selbst und implodierte.

Das Line-up anno 1988 bestand aus:
Frank Zappa – Gitarre, Computer-Synth, Gesang
Ike Willis – Gitarre, Synthesizer, Gesang
Mike Keneally – Gitarre, Synthesizer, Gesang
Robert Martin – Keyboards, Gesang
Ed Mann – Vibraphon, Marimba, Elecronic Percussion
Walt Fowler – Trompete, Flügelhorn, Synthesizer
Bruce Fowler – Posaune
Paul Carman – Alt-/Sopran-/Baritonsaxophon
Albert Wing – Tenorsaxophon
Kurt McGettrick – Baritonsaxophon, Bass Saxophon, Kontrabass, Klarinette
Scott Thunes – Bass, Mini-Moog
Chad Wackerman – Schlagzeug, Electronic Percussion.

Komplex und fordernde Momente bekommt man dennoch zu hören, trotzdem wirkt alles gezähmter, nicht mehr so extrovertiert und überdreht wie in der Vergangenheit. Überraschungen bietet das innovative Genie und seine angeheuerten Mitstreiter dennoch, vor allem im Form von Interpretationen von diversen Fremdmaterial , sowie Zitaten von „I Left My Heart In San Francisco“ (Tony Bennett) über „Stayin‘ Alive“ (The Bee Gees) bis hin zum Bonanza-Thema und Klassikinterpretationen von Bartók, Strawinsky bis Ravel.

Gerade bei den Coverversionen wird eine sehr breite Palette abgedeckt, wobei besonders ein sehr eigenwilliges Beatles-Medley bestehend ‚Norwegian Wood‘ / ‚Lucy In The Sky With Diamonds‘ / ‚Strawberry Fields Forever‘ mit komplett veränderten, äußerst schlüpfrigen Texten aus dem Rahmen fällt. Doch so interessant es ist zu hören, wie z.B. durch leichte Reggae Feeling und diverse schräge Soundexperimente Led Zeppelins ‚Stairway To Heaven‘ komplett entzaubert und zerlegt wird, andererseits ‚Whippin‘ Post‘ von The Allman Brothers prächtig in einer kompakten Version in einem wuchtigen Schlusspart gipfelt, bleibt ein gewisses „G’schmäckle. Es scheint fast, als habe sich Zappa hinter den Coverversionen verstecken und sein eher durchschnittliches 80er Jahre Material vergessen machen wollen.

Die klanglich und kompositorisch etwas veränderten Klassiker aus den 70ern wie ‚Inca Roads‘, ‚The Torture Never Stops‘, ‚Sofa No.1‘, ‚Peaches En Regalia‘ oder ‚City Of Tiny Lites‘ funktionieren dafür immer noch bestens. Bleiben als weitere Randnotizen noch der Aufruf zur Wählerregistrierung am Anfang des Konzerts, sowie ein kurzes Geburtstagsständchen für Schlagzeuger Chad Wackerman.

Trotzdem steht wieder mal berechtigterweise die Frage im Raum: Ist dieses Livealbum etwas für einen Einsteiger oder doch einmal mehr typisches Material für die Zappafreaks? Eigentlich das Letztere, denn dieser Mitschnitt gehört sicherlich zu den ordentlichen bis guten, aber nicht gerade begeisternden Mitschnitten zum Ende der rockmusikalischen Karriere Zappas.

Bewertung: 10/15 Punkten

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Abbildungen: Zappa Family Trust

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Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Frank Zappa – Zappa 88: The Last U.S. Show

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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