Transatlantic – The Absolute Universe – The Breath Of Life (Abridged Version)

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(64:23, CD, Vinyl, Digital, InsideOut Music/Sony Music, 2021)
Ein Album – drei Versionen. Selbst wenn man von Transatlantic epische Werke gewohnt ist und die Band Herausforderungen liebt, so setzt das Quartett Neal Morse, Roine Stolt, Pete Trewavas und Mike Portnoy beim aktuellen Epos noch einen drauf. Ursprünglich war eigentlich nur ein „normales“, rund einstündiges Album geplant, doch nach den Aufnahmesessions, die dieses mal in Schweden stattfanden, entwickelten sich bei den Nacharbeiten so viel neue Einfälle, dass man auf einmal genügend Material für ein mehr als 90-minütiges Doppelalbum hatte.

90 Minuten sind dann doch zu viel. Sollte man nicht einfach alles wieder kompakter zusammenstutzen? Letztendlich kam man nach einigem Hin und Her überein: warum nicht einfach „The Absolute Universe“ in gleich zwei Versionen, nämlich als „The Breath Of Life (Abridged Version)“ und „Forevermore (Extended Version)“ veröffentlichen? Das Label InsideOut machte mit und für den absoluten Overkill gibt’s auch noch „The Ultimate Edition“, die beide Versionen vereint. Dabei handelt es sich bei der „Abridged Version“ nicht einfach nur um eine gekürzte Ausgabe der „Extended Version“, sondern jede Version enthält andere Teile, Texte, sogar unterschiedliche Sänger und ebenfalls die Songreihenfolge wurde teils verändert. Damit bleibt also dem Fan die Qual der Wahl.

Nach so viel Vorrede zum Inhalt: einmal mehr erkennt man die kompositorischen Handschriften von den beiden Songschreibern Neal Morse und Roine Stolt. Stilistisch wird auf den gewohnten Retro Prog-Einschlag gesetzt, den man in dieser Art von den Vorgängeralben kennt. So lässt die ‚Overture‘ als Zusammenfassung des noch Kommenden, ausschweifenden, dynamischen Prog-Bombast erwarten. Doch spätestens nach dem temperamentvollen ‚Reaching For The Sky‘ ist das Folgende dann zum Teil wesentlich geradliniger, rockiger, mehr auf den Punkt gebracht, als man dies von Transatlantic gewohnt ist. Gerade die längeren instrumentalen Ausschmückungen und das Tempo wurden reduziert, alles wesentlich mehr auf die Songaussage zugeschnitten.

Klar, das klingt eindeutig nach Transatlantic, wirkt aber mitunter weit weniger offensiv und überladen, auf gewisse Weise schlichter und zurückgenommener. Gerade simplere Nummern, wie die beiden von Akustikgitarren getragene ‚Take Now My Soul‘ bzw. ‚Love Made A Way (Prelude)‘ hätten eher auf einem Neal Morse Album Platz gefunden, im Transatlantic Umfeld erscheint so etwas weniger passend. Genauso hätte man das direkt rockende ‚Looking For The Light‘ oder die melancholische Halbballade ‚Solitude‘ (übrigens gesungen von Pete Trewavas) nicht unbedingt in diesem Bandkontext erwartet. Letztendlich ist es aber legitim, sich als Band neu auszutarieren und stellenweise neue Ansätze zu wählen.

Als Gegenpol blitzen dazwischen jedoch auch immer wieder einige hervorragende Ideen auf, wie das gespenstische ‚Owl Howl‘, das von seiner Stimmung den Flower Kings Track ‚A Vampire’s View‘ (vom 2004er „Adam & Eve“ Album) aufgreift. Genauso das epische, pathetische, das Album abschließende ‚Love Made A Way‘, welches ausladende Momente und mehrstimmige Gesangsarrangements bombastisch vereint.

So bleiben bei dieser Version des Albums doch ein paar Fragezeichen zurück, mit dem Gedanken im Hinterkopf, was man eben von einem Transatlantic Album erwartet. Natürlich stimmt hier das musikalische Niveau und die Spielfreude ist ansteckend, doch wirken einige Ideen eben weitaus weniger beeindruckend, als von den Vorgängeralben gewohnt. Ein gutes, aber eben nicht herausragendes Transatlantic-Album ist die „Abridged Version“ trotz alledem. Dafür lassen Songs wie ‚ The World We Used To Know‘, welches ausschließlich auf „Forevermore“ enthalten ist, dann doch mehr von der „Extended Version“ erwarten.
Bewertung: 10/15 Punkten (WE 10, KS 10, MBü 7)

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InsideOut Music
Video ‚The World We Used To Know‘
Video ‚The Absolute Interview – Neal Morse‘
Video ‚The Absolute Interview – Roine Stolt‘
Video ‚The Absolute Interview – Pete Trewavas‘
Video ‚The Absolute Interview – Mike Portnoy‘
Video ‚The Making of The Absolute Universe (Documentary Snippet #1)‘

Abbildungen: Transatlantic / InsideOut Music

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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