Tim Bowness – Late Night Laments

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(38:50, CD, Digital, Vinyl, InsideOut Music / Sony Music, 2020)
Nach dem Progdisko Ausflug “Love You To Bits” gemeinsam mit Steven Wilson als Duo No-Man, sowie dem Ambient Album “Modern Ruins” mit Peter Chilvers, kehrt der umtriebige Tim Bowness wieder als Solokünstler zurück.

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: auf seinem mittlerweile sechsten Soloalbum “Late Night Laments” fühlt man sich sofort zu Hause. Und ja, wer bisher nur wenig mit dem typischen Bowness’schen Mikrokosmos anfangen konnte, wird auch hier nicht fündig werden. Doch für alle Überzeugungstäter des Künstlers bieten die 9 Songs auf gerade mal 39 Minuten wiederum qualitativ hochwertige Musik.

Bestimmendes Element ist einmal mehr der ruhige, melancholische Gesangsstil des Künstlers, der perfekt zu den atmosphärischen, von weichen Melodien getragenen Songs passt. Gab es in der Vergangenheit auch mal emotionale Ausbrüche und heftigere, kantigere Songs, so handelt es sich beim Material auf “Late Night Laments” um konzentrierten, songorientierten Art Pop. Trotzdem finden sich auch mal progressive Färbungen, wie z.B. sanfte Mellotronuntermalung und frippige Gitarrenarbeit auf ‘I’m Better Now’ oder World Music Flair auf ‘We Caught The Light’. Im Kontrast zu den ruhigen Stimmungen stehen die dunklen, lyrischen Texte, die sich um Generationskonflikte, ideologische motivierte Gewalt oder sozialen Ausschluss drehen.

Besonders die klangliche Variationsbereite, der exzellente Sound (gemixt von Steven Wilson, gemastered von Calum Malcolm) und die Songschreiberqualitäten überzeugen, da hier in 3-4 Minuten genügend Einfallsreichtum und soundtechnische Raffinesse steckt. Bowness vertraut dabei keineswegs auf typischen Songaufbau mit Strophe-Chorus-Strophe, sondern lässt seine Einfälle fließen und gibt ihnen Raum. Dazu passt ebenfalls die Verbindung aus elektronischen Soundscapes mit akustischen Instrumenten (u.a. Vibraphon). Zudem hinterlassen die kurzen, teils recht verzerrten Gitarrensoli, sowie geschmackvollen Synthieparts einen nachhaltigen Eindruck.

Neben Tim Bowness (Gesang, Synthesizer, Samples, Ukulele, FX) waren an diesem Album zudem beteiligt: Brian Hulse (Synthesizer, Gitarre, programmiertes Schlagzeug), Tom Atherton (Vibraphon), Richard Barbieri (Synthesizer), Evan Carson (Schlagzeug), Colin Edwin (Bass), Alistair Murphy (Dianatron), Kavus Torabi (Gitarre) und Melanie Woods (Backgroundgesang).

Überspitzt formuliert: nicht unbedingt viel Neues aus dem Hause Bowness, dafür knapp 39 Minuten edel produzierte Unterhaltung der anspruchvollen Art. Erhältich in den Formaten: Limited Edition 2CD Digipak, Gatefold LP (mit dem Album auf CD) und Digital.
Bewertung: 11/15 Punkten (DH 9, KS 11)

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Abbildungen: Tim Bowness / InsideOut Music

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Tim Bowness – Late Night Laments

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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