Dein Kopf ist ein schlafendes Auto – Dein Kopf ist ein schlafendes Auto

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Dein Kopf ist ein schlafendes Auto (Sireena/Broken Silence, 1980, Reissue 24.7.20)(54:21, CD, Sireena/Broken Silence, 1980/2020)
Wenn es denn schon mal einen richtig guten “Klappentext” gibt, dann immer h(i)er damit: „Dein Kopf Ist Ein Schlafendes Auto“ war eine der interessantesten Formationen der aufregenden Endsiebzigerjahre. Das Album, das den Titel des Bandnamens trägt, wurde im Jahr 1980 aufgenommen und erschien im selben Jahr auf Schallplatte. Die Band präsentierte eine einzigartige Mischung aus Avantgarde-Rock, Soul, Jazz und orientalischer Musik. Wohl kaum eine andere Band bot diese Vielfalt an musikalischen Zitaten, an solch atemlosen Auf und Ab’s unglaublicher Sounds und Grooves. Roman Bunka und „Dein Kopf Ist Ein Schlafendes Auto“ waren die kulturellen Botschafter dieser Zeit. Ihre besondere Klasse beweist die Band auf dem Bonustrack dieser CD, der 1980 live mitgeschnitten wurde.
Die Geschichte dieses leider kurzlebigen Projekts wurde damals gar verfilmt und kurz nach Erscheinen der Platte im ZDF ausgestrahlt.

Nach seiner Zeit bei Embryo (mit denen er heute ja wieder zusammenspielt) und Aera bedeutete „Dein Kopf Ist Ein Schlafendes Auto“ für Roman Bunka ein neues Kapitel in seiner Karriere, die ihn von der Gitarre zum nordafrikanischen Saiteninstrument Oud führte, die er heute meisterhaft beherrscht” (vor allem die letzte Aussage möchte der Rezensent seinerseits bekräftigen, der ihn mehrfach live erleben durfte)

Und hier noch ein O-Ton von Roman dazu:

»Nach einer langen Tour von München nach Kalkutta und zurück (LP: “Embryos Reise”) und einem halben Jahr voller Konzerte mit Aera (LP: “Aera Live”) erfüllte ich mir einen Traum, oder er erfüllte mich und meine zwei Mitmusiker – ein Trio!
Das magische Trio, Gitarre, Bass, Schlagzeug! Das Dreieck, die Pyramide, nach dem Medium-Terzett kam Cream und die Jimi Hendrix Experience. Oder „Embryo“, das legendäre Trio mit Dave King am Bass, Mastermind Christian Burchard am Schlagzeug und Roman Bunka aka Namor Aknub an der Strom-Gitarre. (…)
Mitten in der Neuen Deutschen Welle, New Wave und Punk, machten wir Musik. Es war nochmal ein Anfang, aber auch ein Ende meiner Liebe zu zerfetzten Marshall-Amps und meiner alten roten Stratocaster. Wir rollten noch einmal durch die Lande, eine LP und ein Film blieben, und einige Jüngere fingen an Gitarre zu üben, sie wollten auch sowas spielen.

1982 flog ich nach Kairo und sah die eingepackten „schlafenden“ Autos, auf deren Dächern Hunde und Katzen in der Hitze dösten, „The heat“ wurde Alltag, die arabische Laute Oud mein Lieblings-Instrument, Mohamed Mounir mein Sänger und die nordafrikanischen Rhythmen und Melodien meine Wiegenlieder: „My head is a parked car, I sleep in the seat, please dont wake me up, when I melt in the heat….«

Dem hat der Rezensent eigentlich nur Folgendes hinzuzufügen:
Jazz Rock meets Weltmusik. Embryo meets Zappa meets Triatma. Aber vor allem: Groove! Riddims!

Die federnde Fusion-Emulsion ‘Si Ca Ni Wa Ta’ legt davon bereits ein vor Funkiness vibrierendes Zeugnis ab – immer noch, trotz der etwas zeitgeistigen Synthesizer-Sounds. Der lustige Jogging(hosen?)-Abschwur ‘No More Jogging’ grooved – thematisch passend – schon etwas langsamer, aber immer noch zwingend.

‘Frag mich nicht …’ nutzt, durch das Turmuhr-Sample noch westlich eingeleitet, deutlich süd-östlicher zu verortende Klangfarben, die von den Paletten der Sitar und der Oud stammen.

‘The Heat’ hätte zumindest in den Achtzigern sicher manche Zappelbude zum Überkochen gebracht (naja, jedenfalls die, bei denen auch Alex Oriental Experience als Showstopper funktioniert hat).

‘Glowin’ wird von der Oud dominiert, entfacht aber im Laufe seiner gut fünf Minuten währenden Glut eine Hitze, wie manche Ravi Shankar-Ragas. Prüfen wir abschließend noch den ‘Heartbeat’ – und konstatieren spannenden Wah-Wah-befeuerten Jam-Rock mit einer Slow-Blues-Einlage.

Zusätzlich aufgewertet wird die Neuauflage durch das CD-Remastering von Marlon Klein (u.a. Dissidenten, Jasper van’t Hof) sowie durch den prächtigen, zehnminütigen, 1980 live mitgeschnittenen Bonus-Track ‘What I Can Do, You Can Do, Too / On The Corner’ (der letztgenannte Teil ist eine Komposition von Miles Davis). Starkes Reissue einer interessanten, wohl bislang weniger bekannten, doch sehr hörenswerten Formation.

Teapot of the Week

“Teapot of the Week” auf Betreutes Proggen in der KW30/2020

Bewertung: 12/15 Punkten

Line-up:
Roman Bunka (u.a. Embryo ) – Oud, Guitar, Vocals, Keyboards
Gerald Luciano Hartwig (u.a. Karthago, Mombasa, Guru Guru, Peter Wolbrandt) – Bass, Sitar
Freddy Setz (R.I.P.; u.a. Missus Beastly) – Drums, Piano
Sun A Yoon & Chili Baba (Vocals on Track 1)

Surftipps zu Dein Kopf ist ein schlafendes Auto und Roman Bunka:
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Über den Autor

Klaus Reckert

"everything happy, and progressive, and occupied" K. Grahame, The Wind In The Willows

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von Klaus Reckert Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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