Barock Project – Seven Seas

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Barock Project - Seven Seas (2019) (65:38, CD, Digital, Aerostella/ Immaginifica, Import: Just for Kicks, 2019)
Natürlich ist es nie zu spät, auch lange nach einem Veröffentlichungstermin eine interessante Band und ihr jeweiliges Album vorzustellen. Barock Project ist genauso so eine Formation, die jegliche Aufmerksamkeit verdient hat, zumal bereits ihre sechs Vorgängeralben vor „Seven Seas“ nicht nur von Kennern der Szene hochgelobt wurden. Eine Vielzahl aufstrebender, junger italienischer Bands versucht seit einiger Zeit in die Fußstapfen der ganz großen, altehrwürdigen Vertreter des italienischen Progs wie Banco Del Mutuo Soccorso, PFM oder Le Orme zu treten. Ein erfreulicher Umstand, wenn man bedenkt das die Szene doch für jede neue talentierte Formation sehr dankbar sein kann, vor allem unter dem Gesichtspunkt des permanenten Wandels des Musikbusiness.

Von Beginn an konnte, die aus dem italienischen Modena stammende, Barock Project mit ihrem Mix aus Barock- und Klassikanleihen, Melodic Rock, AOR, Neo Prog, Folk, Rock, Pop, Mainstream sowie Retro Prog überzeugen. Ihre Kompositionen waren nie banal, zu süßlich oder gar einfach gestrickt, eingängige Passagen wurden immer wieder geschickt mit komplexen Strukturen verwoben, daraus entstanden gut hörbare, anspruchsvolle Songs mit Tiefgang. Allerdings konnte bereits ein gewisser Wandel ab dem Album „Detachment“ von 2017 festgestellt werden, der auch auf „Seven Seas“ zu beobachten ist. Die mehr komplexen Songstrukturen sind im Verlauf der Zeit mehr und und mehr verloren gegangen und durch deutlich mainstreamigere Elemente ersetzt worden.

Für den ein oder anderen mag das ein Mangel sein, doch auch diese Änderung hat seinen Reiz und am Ende bleiben melodische Songs auf sehr hohem Niveau. Die musikalische Entwicklung von Barock Project dürfte überwiegend der veränderten Besetzung geschuldet sein. Nach dem Weggang des begnadeten Sängers Luca Pancaldi musste sich Barock Project neu orientieren, was mit den letzten beiden Veröffentlichungen sicherlich auch geschehen ist und für Freunde des harmonischen Metiers wohl durchaus gelungen sein dürfte. Keyboarder, Sänger und Kopf der Band Luca Zabbini ist nun weitestgehend der Ideengeber und für die meisten Kompositionen verantwortlich. Mit seinen flirrenden Keyboards, den eingestreuten, feinen Pianoklängen, gepaart mit teilweise mehrstimmigem Gesang, den er sich mit Alex Mari teilt und den exzellenten Riffs des Gitarristen Marco Mazzuoccolo entsteht das, was Barock Project bisher ausmachte. Geschickt wird den insgesamt elf Titeln ein hörbarer Tempowechsel verpasst, der wiederum für einen ausreichenden Spannungsbogen und Abwechslung sorgt. Obwohl auf Englisch gesungen, spürt man erfreulicherweise doch deutlich die italienische Herkunft. So bleiben die Einflüsse der eingangs erwähnten Banco und PFM natürlich nicht gänzlich verborgen, aber auch die großen Genesis haben ihre feinen Spuren hinterlassen, dennoch ist es ein Original Barock-Project-Album mit bemerkenswerten Melodien, eingebettet zwischen den unterschiedlichsten Musikstilen. „Seven Seas“ weist zwar in der zweiten Hälfte ein paar wenige Schwächen auf, aber das ist Kritik auf einem hohen Qualitätsstandard.

Barock Project gehört zweifelsohne zu den italienischen Bands, die ihren Platz auf der großen Bühne des Progressive Rocks verdient haben. „Seven Seas“ ist sicherlich nicht das beste Album der Italiener, doch für Freunde des melodiösen Genre dürfte kein Weg an den Südeuropäern vorbeiführen.
Bewertung: 12/15 Punkten (WE 11, HR 12)

Musiker:
Luca Zabbini – Lead & Backing Vocals, Keyboards, Acoustic & Electric Guitars, String Arrangements
Alex Mari – Lead & Backing Vocals
Marco Mazzuoccolo – Electric Guitars
Francesco Caliendo – Electric Bass
Eric Ombelli – Drums & Percussion, Mandolin, Sample Programming

mit:
Durga McBroom (Pink Ployd) – Backing Vocals (Track 11)
Francesco Cinti – Saxophones

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Über den Autor

Horst-Werner Riedel

Musik spielt seit jeher eine große Rolle für mich. Ursprünglich stand der Sammeltrieb und die Suche nach Neuem im Vordergrund. Erst 2005 eröffnete mir der engere Kontakt zu Gleichgesinnten die Möglichkeit einen intensiveren Blick in die Szene zu erhalten. So blieb es nicht aus, dann auch einmal meine Gedanken und Beobachtungen in Worte zu fassen. Aus dem Blickwinkel des kritischen Betrachters erhalten Konzerte und CD´s oftmals eine tiefergehende Bedeutung und Musik wird neu erlebt.

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von Horst-Werner Riedel Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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