Conception – State of Deception

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Conception - State of Deception (03.04.20)(39:00, Vinyl, CD, Digital, Conception Sound Factory, 2020)
Was ist denn in diesem Jahr bloß im Prog Metal los? Das ist ja nicht auszuhalten!

Da kommen nach etlichen Jahren Psychotic Waltz mit einem neuen Album um die Ecke, Mekong Delta melden sich mit einem neuen Album zurück und jetzt gibt es nach mehr als 20 Jahren tatsächlich wieder was von den leider immer wieder unterschätzen Norwegern Conception.

Mit “Parallel Minds” schuf man 1993 (der bescheidenen Meinung des schreibenden Betreuers nach) einen regelrechten Klassiker, bis 1997 mit “Flow” das vierte und letzte Studio-Album der Band veröffentlich wurde. Ein Jahr später wechselte Sänger Roy Khan zu den amerikanischen Power Metallern Kamelot und sorgte dort nach seinem Eintritt und mit dem Album “Siége Perilous” für einen deutlichen Erfolgsschub. Khan verließ die Band im Jahr 2011. Ursache war ein Burnout, was ihn ebenfalls dazu veranlasste, sich komplett aus der Öffentlichkeit zurück zu ziehen.

Erfreulicherweise kam 2018 dann tatsächlich die Originalbesetzung aus Tore Østby, der sich zwischenzeitlich erfolgreich bei den Prog-Metallern Ark austoben konnte, Ingar Amlien und Arve Heimdal, die beide bei der Black Metal-Band Crest Of Darkness Trockeneis schaufeln durften, und eben Goldkehlchen Roy Kahn wieder zusammen, veröffentlichten eine Single und eine EP und nun, nach einer sehr erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne, auch ein neues Studio-Album in Eigenregie.

Die Frage, ob sie nun damit an ihre alten Glanztaten aus den 90ern anknüpfen können, stellt sich nur kurz. Nach einem kurzen Intro nämlich, erfährt man in dem mit einem recht interessanten, unkonventionellen Rhythmus versehenen ‘Of Raven and Pigs’ was es heißt, einen guten Sänger an Bord zu haben. Einen Sänger, der durchweg im Vordergrund steht und der technischen Sperenzchen und egomanischen Solisten dabei wenig Raum gibt. Wie bei ‘Waywardly Broken’, welches mit einem kräftigen Bass, geilen Riffs, schönen Soli und einer hervorragenden Gesangsmelodie dem alt gewordenen Conception-Fan Tränen der Begeisterung ob dieser wunderbaren Kombination in die Augen zaubert.

Fast nahtlos reiht sich das mit harten Riffs sägende ‘No Rewind’ ein, mit einem leichten Musical-Charakter im Mittelteil, den Roy Khan selbstverständlich mal eben höchst professionell veredelt, ist er doch ausgebildeter Opernsänger. Wie auch im anschließenden ‘The Mansion’. Was für eine Gesangslinie! Leider hat irgendwer Elize Ryd (Amaranthe) als Duettpartnerin eingeladen, die stimmlich natürlich nicht mithalten kann und dem Song zudem ein wenig zuviel Zucker einstreut.

Nach der soliden Rocknummer ‘By the Blues’ greift ‘Anybody out There’ wieder den Musicalcharakter auf, gestaltet sich massiv und opulent, wird allerdings auch wieder durch Roy Khan aufrecht gehalten. Würde eine gewisse andere bekannte Prog-Metal-Band (die aus Harmoniesucht hier namentlich nicht genannt wird) mit ihrem Sänger so etwas einspielen, wäre dies ein emotionsloser, mit drölfzig Tonleitern und elfzig Soli aufgeblasener Notenklotz mit kläglichem Press-Gesang geworden. Mit dem schnellen, riffbetonten ‘She Dragoon’ bewegt sich das Album auch schon recht bald wieder dem Ende zu. Ja, das war’s fast schon, denn das wunderschöne, mit einem tollen Spannungsaufbau versehene ‘Feather Moves’ ist lediglich eine remasterte Version des Songs von der Single “re:conception” aus dem Jahr 2018.

In der Kürze liegt ja bekanntlich die Würze, aber bei einem Conception-Album, auf das man fast 20 Jahre gewartet hat, wäre doch schon ein wenig mehr Spielzeit drin gewesen. Nichtsdestotrotz knüpfen die Norweger mit “State of Deception” ohne große Mühen an ihre hochwertige Discographie an, erreichen vielleicht nicht ganz die Qualität von “Parallel Minds” und profitieren nach wie vor von ihrem herausragend guten Sänger. In Sachen melodischer Prog Metal ein Kandidat für die Top 10 der Alben des Jahres 2020.
Bewertung: 12/15 Punkten (MBü 12, KR 12)

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Abbildungen: Conception Sound Factory, 2020

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Über den Autor

Michael Büttgen

Geschmacklich bin ich eigentlich schlecht in irgendeine Schublade einzuordnen. Ich mag sehr viele verschieden Arten von Musik, solange sie für mich einen gewissen Anspruch hat, mich interessiert, fesselt und vor allem berührt.

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Conception – State of Deception

von Michael Büttgen Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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