Markus Reuter featuring Fabio Trentini and Asaf Sirkis – Truce

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(62:34, CD, Digital, Unsung Productions /MoonJune Records, 2020)
Für das einhundertste Album auf seinem seit 2001 aktiven Label MoonJune Records entschied sich Leonardo Pavkovic für eine ganz besondere Veröffentlichung. Der Firmenboss, dessen Label für Musik im Grenzbereich zwischen Jazz, Rock und Avantgarde steht, wählte wohl durchdacht für das Jubiläum das Instrumentalalbum “Truce” aus.

“Truce” wurde federführend von Markus Reuter (Touch Guitar, Looping) zusammen Fabio Trentini (Fretless Bass, Bass Synthesizer) – der u.a. die Guano Apes produzierte, aber ebenso bei den italienischen Italo Proggern Le Orme aktiv war – und dem ebenfalls umtriebigen Schlagzeuger Asaf Sirkis live im La Casa Murada Studio im nordspanischen Banyeres del Penedes in Nordspanien aufgenommen. Das Endresultat kann sich absolut hören lassen, denn die Aufnahmen sind perfekt eingefangen und klanglich sehr transparent und druckvoll aufbereitet.

Markus Reuter gehört definitiv zu jenen Künstlern, die ihre eigene Vision verfolgen und dies ohne jeglichen offensichtlich kommerziellen Hintergedanken. Aber gerade aufgrund der Qualität seiner Veröffentlichungen zwischen Ambient, Elektronik und Art Rock, macht es immer wieder Sinn in die Welt des aktuell in Berlin lebenden Künstlers einzutauchen. Bei unzähligen Projekten und Kollaborationen in der Vergangenheit bewies er bereits seine musikalische Vorstellungskraft und Vielseitigkeit, wie z.B. centrozoon oder TUNER, am bekanntesten sind aber sicherlich seine Aktivitäten im King Crimson Umfeld bei Stick Men oder The Crimson ProjeKct.

Herausgekommen ist bei dieser Zusammenarbeit ein überaus interessantes und vielschichtiges Instrumentalbum. Trotz teils komplexer und verschachtelter Rhythmik, sowie schräger, fordernder Sounds, groovt die Musik stellenweise ohne Ende, nutzt sie daneben vor allem den sehr weiten Klangbereich der Touch Guitar zwischen perkussiven Elementen, Ambient-Sounds bis hin zu verzerrter, aggressiver Gitarrenakrobatik voll aus. Das ist teils sehr hart und heavy, aber vor allem kunstvoll durchdacht. Ganz auf den improvisativen, unvorhersehbaren Charakter der King Crimson ProjeKcts bauend, trotzdem sehr eigenständig.

Die sieben Tracks sind ein packender Mix voll ausschweifender, moderner Klangästhetik, aber auch rockender Vertracktheit. Trotzdem verliert sich das Trio mitunter auch in melodiöser Schönheit (‘Swoonage’), wird der Hörer eben nicht nur ständig durch aufwühlende Saitenarbeit gefordert. Wenngleich man als Hörer eine gewisse Robustheit mitbringen sollte, da hier ein deutlicher crimsonesk beeinflusster Strudel einwirkt. Überzeugende kreative Musik für offene Ohren.
Bewertung: 12/15 Punkten (KR 13, KS 12)

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Abbildungen: Unsung Productions / MoonJune Records

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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