RPWL, 26.04.19, Aschaffenburg, Colos-Saal

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Neidisch schaut die kleine Gießener Betreuer-Enklave häufig auf das gelobte Rheinland hinter den sieben Bergen, wo der Konzertkalender der Kollegen meist prall gefüllt ist. Hessen hingegen wird von den Prog-Karawanen leider oft weiträumig umfahren. Da verwundert es nicht, dass man in der Not den fast hundert Kilometer entfernten Colos-Saal in Aschaffenburg zum Wohnzimmer erklärt hat. Wie immer geht es auch an diesem 26. April über die A45, vorbei an klangvollen Ortsnamen wie “Wasserlos”, “Wolfgang” und “Kleinostheim”, in den benachbarten Freistaat zwecks Interviewtermin und Konzertbesuch bei RPWL aus Freising.

Das Konzert in Aschaffenburg ist die vorletzte Station der Tour zum Album “Tales From Outer Space“. Zunächst jedoch spielt der Amerikaner Aaron Brooks, u.a. Gastsänger auf dem letzen Blind Ego Album, einen knapp 30-minütigen Solo-Gig. Dabei überzeugt er vor allem mit seiner wirklich herausragenden Stimme. Dagegen verharren die eigenen Songideen bisweilen etwas eindimensional auf immergleichen Standard-Akkorden. Seine Coverversion von David Bowies ‘Space Oddity’ erzeugt dennoch Gänsehautmomente im Publikum.

Aaron Brooks

Der Hauptact wird durch ein Potpouri aus Science-Fiction Melodien von “Raumpatrouille Orion” bis “Akte X” angekündigt. Schließlich verkündet eine Videoprojektion hinter der Bühne UFO-Sichtungen in Aschaffenburg – Let The Show Begin!

Mit sehr gutem Sound und in angenehmer Lautstärke präsentiert das Quintett, das am Bass durch den Sylvan-Bassisten Sebastian Harnack unterstützt wird, zunächst das komplette aktuelle Album. Yogi Lang moderiert eloquent alle “Episoden” im feinen Zwirn an. Gerade in den Instrumental- und Solo-Parts legen sich die Freisinger noch einmal zusätzlich ins Zeug. Kalle Wallner und Markus Jehle bekommen für ihre Soloeinlagen den einen oder anderen Szenenapplaus. Offensichtlich steht “Tales From Outer Space” beim Publikum hoch im Kurs.

Yogi Lang, Foto: H. Kropp

Yogi Lang

Kalle Wallner, Foto: H. Kropp

Kalle Wallner

Marc Turiaux

Marc Turiaux

Markus Jehle

Markus Jehle

Sebastian Harnack

Sebastian Harnack

Im zweiten Teil des Konzerts kommen neben einigen Bandklassikern auch die RPWL-Version des Dylan-Klassikers ‘Masters Of War’ und als Zugabe ‘Cymbaline’ (Im Original von Pink Floyd) zu Ehren. Letzteres enthält einen ausgedehnten jamartigen Instrumentalteil, der das Publikum zurück in die frühen Siebziger beamt. Das war sicher einer der Höhepunkte des Abends!

RPWL@Colos-Saal

RPWL@Colos-Saal

Nach gut zwei Stunden geht mit der letzen Zugabe ‘Breathe in, Breathe out’ ein ausgesprochen unterhaltsames Konzert zu Ende. Bedenkt man, dass RPWL in Sachen Produktion sicher kein unbegrenztes Budget haben, so beindruckt abseits der rein musikalischen Seite die gut durchdachten Videoprojektionen und Beleuchtung noch mehr. Diesbezüglich kann man sich durchaus mit wesentlich größeren Produktionen messen. Den zweiten Teil der Tour im Herbst diesen Jahres sollte man sich also keinesfalls entgehen lassen!

Text: Dieter Hoffmann
Fotos: Henrik Kropp

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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RPWL, 26.04.19, Aschaffenburg, Colos-Saal

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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