Papir – VI

0

(39:08, Digital, Vinyl, CD, Stickman/Soulfood, 2019)
Schon das fünfte Album des Kopenhagener Instrumentaltrios Papir hat Kollege Klaus so sehr beeindruckt, dass er einen “Teapot of the week” vergab. Auch das neuste Werk der Dänen ist durchaus nicht von Pappe. Kontinuität zeigt man in Sachen Namensgebung. Das schlichte System der römischen Ziffern für Album und Titel wird auch auf “VI” konsequent fortgeführt. So wirken die vier auf dem Album befindlichen Epen ganz für sich und werden nicht von einem vorgegebenen Namen gedanklich in eine bestimmte Richtung gedrängt.

Insbesondere die beiden ersten Titel bestechen durch ihr hypnotisch mantrahaftes Verharren auf alternierenden Akkorden und ihrer organischen Dynamik. Dabei fühlt man sich förmlich in einen verrauchten, drogenschweren Hippietanztempel längst vergangener Dekaden versetzt. Zwar würde der ein oder andere Tänzer auf dem Weg zur Ekstase über die Krummtakte stolpern, aber wen interessiert das schon.

‘VI.III’ beginnt sphärisch entspannt und fällt durch einige fast hymnisch anmutende Gitarrenläufe auf. Es ist quasi eine Art Atempause vor dem abschließenden Instrumental-Epos, welches ganz besonders energisch und gleichzeitig komplex ausfällt. Hier geht man deutlich sperriger zu Werke als auf den vorangegangenen Stücken, wodurch der Titel zunächst nicht ganz so organisch beim Hörer ankommt wie der Rest des Albums.

Unterm Strich ist das neueste Werk von Papir genau die richtige Dosis Instrumental-Retro-Jam-Prog mit bewusstseinsverändernden Tendenzen, die auch auch eher Gesangs-affine Hörer nicht abschrecken sollte. Langeweile kommt bei den Dänen keine Sekunde auf. Wem die 4o Minuten hingegen zu kurz sind, fängt einfach von vorne an.
Bewertung 12/15 Punkten (DH 12, KR 12)

Bandcamp-Picture PAPIR

Nicklas Sørensen, Christoffer Brøchmann, Christian Becher (Foto: Band)

Surftipps zu Papir:
Facebook
Bandcamp
Soundcloud
YouTube (full album)
YouTube (Live 2013)
Spotify

 

 

image_pdfArtikel als PDF herunterladenimage_printArtikel drucken
Teilen.

Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

Antworten

Hinweis: Mit dem Absenden deines Kommentars werden Benutzername, E-Mail-Adresse sowie zur Vermeidung von Missbrauch für 7 Tage die dazugehörige IP-Adresse, die deinem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, in unserer Datenbank gespeichert. E-Mail-Adresse und die IP-Adresse werden selbstverständlich nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben. Du hast die Option, Kommentare für diesen Beitrag per E-Mail zu abonnieren - in diesem Fall erhältst du eine E-Mail, in der du das Abonnement bestätigen kannst. Mehr Informationen finden sich in unserer Datenschutzerklärung.

Papir – VI

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
0