Devin Townsend Project – Ocean Machine – Live At The Ancient Theater

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(49:04 + 39:44 + 73:04, 3 CD + 2 DVD, InsideOut/Sony Music, 2018)
Bevor Devin Towsend das Devin Townsend Project (DTP) endgültig (oder vielleicht doch nur zwischenzeitlich?) auf Eis legt und zu neuen Ufern aufbricht, beendet er dieses Kapitel seiner Karriere nicht etwa im Stillen, sondern gänzlich im typischen HevyDevy Stil, mit einem großen Knall. Sein aktuelles, im September letzten Jahres im bulgarischen Plovdiv mitgeschnittenes Livealbum funktioniert deswegen ganz getreu der Devise “Think Big”.

Der sympathische Kanadier liefert im antiken, römischen Theater der Stadt gleich zwei unterschiedliche Sets ab: Einerseits einen knapp 90-minütgen, mächtig bombastisch aufgedonnerten Livauftritt mit Orchester und Chor, bei dem der Mann aus Vancouver Fanfavoriten, aktuelles Material vom letzten Album “Transcendence” und jede Menge selten gespieltes Material unter dem Motto “By Request Set with Orchestra” bietet. Andererseits im Bandkontext, zum 20-jährigen Jubiläum, das komplette 97er Album “Ocean Machine” (mit Originalbassist John ‘Squid’ Harder).

Anscheinend unmögliche Projekte und sehr spezielle Konzerte scheinen das richtige Ding von Devin Townsend zu sein: Erst bot er vor ein paar Jahren ein opernhaftes überdrehtes Livespektakel im Zirkusformat, dann füllte er wider Erwarten die prestigeträchtige Royal Albert Hall in London, weswegen der gemeinsame Auftritt mit Orchester und Chor nur eine logische Konsequenz für seinen hymnischen Prog Metal Bombast im Breitwandsound zu sein schien. In Bulgarien fand er schließlich die passenden (und wahrscheinlich auch bezahlbaren) klassischen Musiker, sowie eine perfekte Location für dieses Unterfangen (u.a. nahmen im Theater von Plovdiv bereits Anathema ihr Livealbum “Universal” auf).

Einmal mehr präsentiert sich der Mann des liebenswerten Größenwahns als prächtiger Performer, selbst wenn im ersten Konzerteil das Orchester leider klanglich etwas in den Hintergrund gedrängt wird und stattdessen immer noch Gitarrenriffs und der mächtige Bandsound die Richtung vorgeben. Trotzdem beweisen gerade Songs wie das wuchtig-extreme ‘By Your Command’, die persönliche heimatliche Verbeugung ‘Canada’, sowie das ausschweifende, ausladende ‘Higher’, dass man aus der Verschmelzung von Rock und klassischem Instrumentarium etwas Neues erschaffen kann. Nicht unbedingt Musik für Feingeister oder Freunde der leisen Töne, doch dies erwartet man keineswegs vom Devin Townsend Project.

Dass hinter diesem selbstironischen Künstler eben auch jemand ganz anderes steckt, als das offensichtliche Bühnenbiest im Rampenlicht, offenbart sich besonders in den authentischen, persönlichen, sehr stillen, überaus geerdeten Reflektionen und nachdenklichen Interview-Aussagen im DVD-Bonus (nennt sich deswegen auch ganz passend ‘Reflecting The Chaos’). Sehr fokussiert und immer auf der Suche nach neuen künstlerischen Herausforderung kommt es also nicht von ungefähr, dass Devin bereits mehrere neue Projekte parallel am Laufen hat. Seien wir wie immer gespannt, was er sich als nächstes ausdenkt.
Bewertung: 12/15 Punkten (KR 12, KS 12)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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