Grobschnitt – Illegal (Black & White Vinyl-Serie, Reissue)

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(40:40/39:45, 2LP, Brain/Universal, 1981/2018)
In den frühen 80er-Jahren ist so manche etablierte Band musikalisch unter die Räder gekommen. Das gilt sowohl für das internationale, wie auch das nationale Parkett. Hierzulande war es in erster Linie die NDW, die zu allerhand tektonischen Verwerfungen in der Musiklandschaft führte.

Das 1981 erschiene Album „Illegal“ kann man rückblickend wohl als eine Art Übergangsalbum bezeichnen. Zumindest klingt es ein wenig so, als ob man angesichts der allgemein vorherrschenden Trends nicht so recht wusste, wohin die Reise gehen soll.

Neben Stücken wie ‚Mary Green‘, das man sich auch auf „Merry-Go-Round“ oder „Jumbo“ hätte vorstellen können, finden sich grobschn…, ähh, -schlächtige Rocker wie ‚Space Rider‘ und der Wave-Punk-Dada-Space-Rock-Klamauk Titelsong ‚Illegal‘ auf dem Album wieder. Gerade zu Letztgenanntem wollen das sanfte ‚Silent Movie‘ und das abschließende ‚Raintime‘ so rein gar nicht passen.

Natürlich muss man der Band zugute halten, dass man sich weiterentwickeln und nicht in die Dinosaurierabteilung verfrachtet werden wollte. Es gab in diesem Zeitraum vergleichsweise genügend Bands, die die Zeichen der Zeit schlicht ignorierten und in der Versenkung verschwanden.

Im Zuge dieser „Neuerfindung“ bleibt allerdings die Qualität einzelner Stücke mitunter auf der Strecke. Mit Klassikern wie ‚Vater Schmidt‘ kann es keiner der Songs musikalisch wie textlich aufnehmen. Das wird auf der weißen Bonus-Live Scheibe nochmals deutlich, wo eben gerade dieser Titel den Höhepunkt darstellt. Daneben sticht noch das rockige ‚A. C. Y. M.‘ heraus. Gesanglich hat man hingegen gerade in ‚Mary Green‘ und ‚The Sniffer‘ nicht unbedingt Sternstunden. Andererseits ist es aber auch wieder authentisch, dass solche Unzulänglichkeiten nicht im Nachhinein glatt gebügelt werden.

Dass die Neuauflagen in Ausstattung und Herstellungsqualität allererste Sahne sind, sei hier lediglich der Vollständigkeit halber nochmals erwähnt.

Letztlich ist „Illegal“ ein Kind seiner Zeit, das sich gerade auch deshalb nicht leicht bewerten lässt. Unter Fans der Band ist das Werk, wie auch folgende, durchaus umstritten. Der Verfasser, der damals auch ‚Polizisten‘ (Extrabreit) oder ‚Eisbär‘ (Grauzone) auf dem Teller hatte, entzieht sich elegant einer Bewertung in Schulnoten und Kriterien des Betreuten Proggens.
Keine Bewertung

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Interview: Lupo und Eroc zur Lebenswerkschau „79:10“ (Grobschnitt-Boxset, 2015)
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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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