Charlie Barnes – Oceanography

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(50:47, CD, Superball Music/Sony Music, 2018)
Wurde das Debüt des schlaksigen Singer/Songwriters Charlie Barnes noch mit “Big Morbid Death Pop” umschrieben, so hat sich der ursprünglich aus Leeds stammende Engländer auf dem Nachfolger “Oceanography” mehr auf die sonnige Seite des Lebens geschlagen. Die zwölf Songs des Longplayers bieten feinsten Bombast-Pop, der sowohl auf mächtige, euphorische Melodiebögen, aber genauso auf intelligente Arrangements setzt. Das geht bereits beim ersten Durchgang direkt ins Ohr, lässt aber gleichzeitig erkennen, dass hier in den detaillierten Songstrukturen einiges an intelligenten Verschachtelungen und interessanten mehrstimmigen Gesangsharmonien gesteckt wurde. Dass die volle Pop-Power wie bereits beim Erstling auch immer wieder Erinnerungen an Muse weckt, darf in erster Linie als Lob, denn als Verdacht auf bloße Kopie gewertet werden.

Als ursprüngliches Tour-Musiker bzw. inzwischen festes Mitglied der britischen Indie Rockband Bastille durfte Multi-Instrumentalist Barnes in den letzten Jahren auf größeren Konzertbühnen einige Erfahrungen sammeln, was sich auch in einer gewissen Selbstsicherheit und Lebendigkeit seines eigenen Schaffens niederschlägt. Entstand sein Debüt noch an einem Ort, so wurde sein zweites Solo-Werk an verschiedenen Orten komponiert und aufgenommen. Das Gesamtresultat ist dennoch keinen Flickenwerk, sondern eine Weiterentwicklung der ergreifenden Pop-Ästhetik des Mannes von der britischen Insel. Auch wenn ergreifende Melodien und Harmonien bestimmend sind, so wird durch geschmackvoll eingesetzte Keyboardlinien und direkten Gitarrensound ein gewisser Rockanspruch gewahrt, dürfen mitunter einige Songs sich auch im 4-5 minütigen Bereich dramatisch oder schmachtend sentimental entwickeln.

So ist Charlie Barnes mit “Oceanography” ein zugleich ergreifendes, aber auch fröhliches Hochglanz-Pop-Album mit einer ganz eigenen Färbung gelungen, das als radiotauglich und doch komplett unpeinlich durchgeht.
Bewertung: 11/15 Punkte (KR 8, KS 11)

Charlie Barnes (Foto: Sara J. Warrilow)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Charlie Barnes – Oceanography

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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