Suburban Savages Schlagzeuger Trond Gjellum stellt seine Band vor

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»Deutschland, die Niederlande und Belgien stehen hoch oben auf der Wunschliste«

Sie haben kürzlich ein exzellentes Debütalbum veröffentlicht, das gerade Fans von Retroprog mit Zeuhl Einflüssen gefallen sollte – ein Interview war also beinahe unumgänglich. Schlagzeuger und Komponist Trond Gjellum stellt die Band vor – und wir lernen, dass es sich im Grunde genommen bei “Kore Wa!“ nicht um ihr Debütalbum handelt.

Original interview
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Bitte gib unseren Lesern einen knappen Überblick zur Bandgeschichte.

Das aktuelle Line-up ist wie folgt:
Trond Gjellum: Drums, percussion, lead and backing vocals, programming, keyboards
Anders K. Krabberød: Bass guitar and bass pedals
Nina Hagen Haldhol: Electric guitar and Moog guitar
Thomas Meidell: vocals and electric guitar
Mari Lesteberg: Keyboards.

Auf dem “Kore Wa!” -Album hat Hans-Petter Alfredsen Keyboards und Ketil Vestrum Einarsen (u.a. Weserbergland, White Willow, Jaga Jazzist) Flöte gespielt und auch gesungen.
Wir leben alle in der Region von Oslo. Keiner der Genannten ist Profi-Musiker: ich bin Lehrer, drei studieren an der Universität von Oslo und einer lehrt dort Biologie.
“Kore Wa!” ist das erste Album, das unter dem Bandnamen Suburban Savages erscheint, aber ein nahezu identisches Line-up hat bereits 2007 unter dem Namen tr-Ond and The Suburban Savages ein gleichnamiges Album herausgebracht. Wir haben außerdem eine Reihe von Demos auf CD-R produziert, die mit etwas Glück 2018 richtig erscheinen werden.

Welche Bands oder Musiker hatten den größten Einfluss auf Eure Musik?

Alle zu nennen, würde hier sicher zu weit führen. Ich mag gute Melodien, interessante Harmonien und kreative Arrangements – und das finde ich in allen Genres. Daher enthält meine Plattensammlung auch alle mögliche Musik, von Prog der Siebziger über Pop aus allen Jahrzehnten, Heavy Metal, Punk, New Wave, Elektronische Musik, Folk, Klassik, Indie und so weiter.
Mein Lieblings-Genre ist Progressive Rock und einige seiner Protagonisten sind eine besonders wichtige Inspiration. Ich mag die meisten “klassischen” Prog-Bands wie Yes, Genesis, King Crimson, Gentle Giant, Van der Graaf Generator und so weiter. Die Canterbury-Bands wie Hatfield and the North oder National Health sind ebenfalls Favoriten, speziell wegen ihrer einzigartigen Kombination von Avantgarde mit der Sprache des Pop. Außerdem bin ich Fan von RIO-Bands (Rock in Opposition) wie This Heat, Univers Zero, Henry Cow, Art Bears, Aksak Maboul, Samla Mammas Manna, Lars Hollmer, Fred Frith und viele mehr. Außerdem höre ich gerne jüngere Acts wie 5uu’s, Thinking Plague, Battles, Anna Meredith, Knifeworld, The Mercury Tree, Zombi und Aquaserge. Und ich bin ein Fan der frühen Tangerine Dream, von Klaus Schulze, Neu! und Can.

Wie würdest Du Eure Musik in nur einem Satz beschreiben?

Das ist nicht ganz leicht. Aber das folgende Zitat vom “tr-Ond and The Suburban Savages”-Album leistet vielleicht genau das: “Ein Mischmasch aus Brian Enos experimentellem Pop, Gentle Giants Kontrapunktik , dem fröhlichen Progrock von Happy the Man und Kit Watkins, den sentimentalen Melodien von Lars Hollmer, der Minimalismus von Steve Reich und PostRock mit Pfiff.”

Handelt es sich um ein Studioprojekt oder spielt ihr auch live? Falls ja, wie stehen die Chancen, Euch einmal in Deutschland, den Niederlanden oder Belgien zu erleben?

Wir treten live auf. Ich liebe das, denn die Reaktionen der Zuhörer beeinflussen das Spiel und verleihen jedem Auftritt etwas ganz Eigenes. Außerdem macht es Spaß, sich aus der Komfortzone zu bewegen. Denn wenn man live spielt, gilt es in diesem Moment! Darum mag ich auch Clubs. Man spürt die Atmosphäre viel intensiver als wenn man auf einer hohen Bühne und Meter vom Publikum entfernt ist.
Schritt für Schritt haben wir uns einen Ruf als ganz ordentliche Live-Band erarbeitet. Aber bis auf einige Auftritte im Westen von Norwegen haben wir bislang nur in Oslo gespielt. Wir würden sehr gerne auch im Ausland touren, und Deutschland, die Niederlande und Belgien stehen hoch oben auf der Wunschliste.

Gibt es eine gut vernetzte Musikszene in Norwegen oder erlebst Du das mehr als viele Einzelkämpfer? Gibt es Berührungspunkte mit der Prog-Szene in Schweden oder Finnland?

Die norwegische Prog-Szene ist kerngesund und sehr vielseitig. Das geht von Abkömmlingen der Siebziger, die versuchen, wie Genesis mit Peter Gabriel zu klingen über ProgMetal bis hin zu Bands, die versuchen, den “traditionellen” Progressive Rock mit Elementen aus dem Jazz, Folk, Electronica etc. zu erweitern. Gerade in den letzten Jahren hat es viele Kooperationen zwischen Bands gegeben, insbesondere beim Organisieren von Konzerten und Festivals.
Wir haben eine Handvoll guter Labels wie Apollon, Karisma und Rune Grammofon, die norwegische Künstler stark unterstützen. Aber viele Künstler veröffentlichen ihr Material auch selbst.
Bis vor kurzem bestand das Publikum auf Prog-Konzerten fast nur aus mittelalten Männern, das hat sich inzwischen verändert. Prog ist beinahe “hip” geworden, und auf etlichen Konzerten sieht man nun auch Frauen und generell jüngere Menschen.
Soweit ich das mitbekomme gibt es einige Verbindungen zwischen der norwegischen und der schwedischen Szene, aber kaum Interaktion mit der finnischen und dänischen.

Es gibt aktuell so auffallend viele exzellente norwegische Prog-Bands – woran könnte das liegen?

Ich glaube da eher an praktische Ursachen als an Ideologie oder Nationalkultur. Als Künstler wünschst Du Dir Bekanntheit für Deine Kunst. Wenn Deine Musik ignoriert wird, wirst Du müde und gibst auf. Es braucht also Möglichkeiten, ein potenzielles Publikum in der Breite zu erreichen.
Erfreulicherweise gab es über die Jahre immer wieder Menschen, die norwegischen Prog im Radio gespielt haben – sowohl auf Lokal- wie auf überregionalen Sendern. Diese DJs und Stationen haben mitgeholfen, die Szene am Leben zu erhalten und die Hörer an sie zu erinnern. Von 1997 bis 2010 gab es außerdem das Fanzine Tarkus, das viele Leser erreicht und viel für junge Bands getan hat.
Schließlich gibt es nicht allzu viele Hürden beim Organisieren von Konzerten in Norwegen, die wie gesagt meiner Meinung nach direkten, positiven Einfluss auch auf die kreativen Prozesse haben können.

Wie entstand der Kontakt zu Apollon Records?

Wir haben das Album zwischen 2013 und 2016 selbst aufgenommen, abgemischt und gemastert und uns erst danach auf die Suche nach einem Plattenvertrag gemacht. Ketil from Weserbergland stand schon in Kontakt mit Apollon. Er informierte den Label Manager Robin, der erfreulicherweise sehr interessiert war und im Oktober letzten Jahres unterschrieben wir den Vertrag.

Wo siehst Du die Band in sagen wir fünf Jahren? Werdet ihr dann noch auf CD veröffentlichen oder nur noch über Streaming. bzw. Download-Plattformen wie Spotify oder iTunes? Wo positionierst Du Vinyl?
Ich glaube, dass die CD weiter existieren wird. Denn sie ist und bleibt ein gutes Medium, um Musik in hoher Tonqualität zu verbreiten und viele Menschen wollen immer noch etwas zum Anfassen haben. Ich denke, dass Streaming bei einzelnen Stücken noch ganz gut funktioniert, aber dass viele Menschen für die Beschäftigung mit einer vielteiligen Einheit wie einem Album oder sogar einem Konzeptwerk eine hardcopy vorziehen.

Das Vinyl-Revival ist ein interessantes Phänomen, aber ich schätze, es wird ein Format für Enthusiasten bleiben. Denn es ist einfach zu teuer und letztlich auch unpraktisch für den durchschnittlichen Musik-Konsumenten.

Suburban Savages (Foto: Band)

Surftipps zu Suburban Savages:
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Übersetzung: Klaus Reckert

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von Juergen Meurer Artikel-Lesezeit: ca. 5 min
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