Stick Men – Roppongi

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(61:36, 69:23, 2 CD, Unsung ProductionsMoonjune Records/Just for Kicks, 2017)
Die Stick Men sind ein um Bass- und Stick-Legende Tony Levin (Peter Gabriel, King Crimson u.v.m.) geschartes Progressive-Rock-Trio, das seit einigen Jahren stabil in der Besetzung Levin am Chapman Stick, Pat Mastelotto am Schlagzeug mit elektronischen Gadgets und Markus Reuter an der Touch-Guitar aktiv ist.

Diente das Trio in den ersten Jahren als Levins Liveband im Zuge von Auftritten zu seinem Album „Stick Man“, hat sich die Band seit dem Ausstieg des ersten Stick-Spielers Michael Bernier und dem Einstieg von Reuter zu einer festen Größe in der Szene des Progressive Rock entwickelt. Alle drei aktuellen Bandmitglieder haben zudem in irgendeiner Form direkt oder indirekt mit King Crimson und Robert Fripp zu tun, weswegen das Trio bewusst eine Nähe zu der Musik dieser legendären Band sucht. Deutlich wird dies vor allem an den Liveveröffentlichungen des Trios, deren Tracklisten durchweg mit Stücken der Crims gespickt sind. Nach der Liveaufnahme „Midori“ mit dem Crimson-Alumnus David Cross an der elektrischen Violine, folgt mit der hier besprochenen Liveaufnahme „Roppongi“ vom 21. Februar 2017 – beide wurden übrigens in Japan aufgenommen – ein Gastspiel des Saxophonisten und Flötisten Mel Collins – natürlich von King Crimson, aber auch von Camel und dem The Alan Parsons Project bekannt.

Neben der sehr guten Soundqualität der Liveaufnahme – dies bieten die Alben der Stick Men glücklicherweise immer – fällt vor allem auf, wie passend sich Mel Collins in den markanten Sound der Stick Men einfügt. Sein Saxophonspiel schneidet sich überhaupt nicht durch den Klang, wie es leider recht häufig in der Rockmusik passiert. Ganz im Gegenteil ergänzt es die Soundpalette der Stick Men um einen Faktor, den selbst die hier über allem zu schweben scheinende Band King Crimson erst in den letzten Jahren wiederentdeckt hat. Auch die Improvisationen und die sperrigeren Stücke wie dem King-Crimson-Track ‚Industry‘ wirken nicht zusammengestückelt. Gewiss sind es auch Collins‚ elektronische Erweiterungen des Saxophonklangs, die seine Beiträge so anpassungsfähig machen, gehen sie doch Hand in Hand mit den altbekannten elektronischen Spielereien von Pat Mastelotto. Es ist auch sehr gut, dass sich Collins nicht auf Biegen und Brechen in den Vordergrund spielen will, sondern seine Einsätze planvoll und songdienlich, aber mitunter recht verspielt – im positiven Sinne – ausführt. Über die große Klasse von Levin und Reuter an den Saiten muss man keine Worte mehr verlieren, denn die beiden beweisen ihr Können mittlerweile seit Jahren – glücklicherweise!

Dass ein paar Stücke doppelt vertreten sind, fällt auf den beiden CDs nicht allzu sehr auf. Dem Highlight des Albums ‚Level Five‘ tut dies sogar gut, da die intensive Stick-Men-Version des Songs ihn um unheimlich passende Sounds wie Mellotron-artige Streicher erweitert. Aber es sind weniger einzelne Stücke, die hervorstechen. Das Live-Album wirkt vielmehr als Ganzes und zeigt die Stärken des Trios genauso gut wie die quasi einmaligen Beiträge des musikalischen Gasts Mel Collins. Die Musiker schaffen es durchweg, allen Stücken ihren Stempel aufzudrücken, und auch die fließenden Wechsel zwischen atmosphärisch dichten Soundscapes und härteren Riffpassagen – oft in einem einzigen Stück – zeigt die ganze Klasse der Musiker. Hier wird Musik aus dem Crimson-Universum weitergedacht und zu einem ganz eigenen Stil entwickelt, wie ihn eben nur die Stick Men spielen können.
Bewertung: 12/15 Punkten (GH 13, WM 12, KR 12)

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Stick Men – Roppongi

von Wolfgang Merx Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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