Yonder Pond – Pondering Aloud

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(41:15+9:12, LP+Single, Eigenveröffentlichung, 2017)
Yonder Pond ist das Solo-Projekt des schweizer Schlagzeugers Remy Sträuli, der Basel mit diversen Bands, die von Avant-Jazz bis Glam-Punk und Progressive Rock rangieren, unsicher macht: Yolk, Fido plays Zappa, Spaltklang, The Friendly Neighbours und viele mehr. Für Sträuli war sein 40. Geburtstag der richtige Zeitpunkt, um seine zwei größten musikalischen Vorlieben zu ehren, die zum einen Prog-Rock ist und zum anderen The Beatles. „Pondering Aloud“ ist als Vinyl und Download erhältlich. Es handelt sich hierbei um eine LP mit acht Songs und eine Single mit zwei Songs.

„Pondering Aloud“ ist ein Konzeptalbum, das mit amüsanten Mitteln arbeitet. Sträulis Trio besteht aus Emyr Taurelis, Rembrandt van der Straal und Remily Layne. Emyr, der am 6.6.66 geboren wurde und in verschiedenen Casting Shows leider sein Glück nicht finden konnte, darf nun endlich für Sträuli singen. Rembrandt hat in London ein erfolgreiches Triangel-Studium absolviert, spielt für Yonder Pond aber Keyboard, und Remily freut sich darüber, dass sich bisher niemand über ihren Schlagzeug-Stil beschwert hat. Alle drei Charaktere sind eigentlich Sträuli selbst. Nein, er ist (hoffentlich) nicht schizophren, vielmehr entspringt das Trio seiner blühenden Phantasie – selbst sein Werbeleiter ist ein Chip Munk. Das Konzept ist, um die wilde Geschichte um das Album kurz anzureißen, „a complex story around a depressed potato, a naughty rabbit and the loss of inspiration, the difficulties of a struggling artist and his awkward position in a modern world.“ Wer jetzt schmunzeln musste, sollte sich die LP zulegen, um mehr über das skurrile Schicksal der Kartoffel zu erfahren. Es gibt allerdings auch reale Musiker, die sich Sträuli mit ins Boot geholt hat -und die sind in der Prog-Szene nicht gerade unbekannt: Pascal Grünenfelder (Bass) und Stef Strittmatter (Gitarren) sind unter anderem auch Mitglieder der Band The Universe By Ear. Es sind noch weitere Gäste an dem Werk beteiligt, wobei Sträuli selbst als „coffee boy“ fungiert – ein nicht zu unterschätzender Job.

‚Time Flies‘ eröffnet den musikalischen Teil des Albums mit einem Klangteppich bestehend aus seltsamem Geräuschen, für die der Soundexperte Beat Burkhard verantwortlich ist, gefolgt von einer heiteren, poppigen und auch wirren Stimmung, die die besagte Beatles-Affinität auslebt und sich durch das gesamte Album durchzieht. Mit Keyboards und Flöten werden die kuriosen Geschichten vorgetragen, die sich der kreative Vater dieser Ideen ausgedacht hat. Die poppige Stimmung mündet dann in einem psychedelischem Chaos, welches stark an die goldene Zeit der 60er und 70er erinnert. Auch sein klarer und dennoch sehr eigener Gesang harmoniert mit den einprägsamen Melodien und erinnert an alte Beatles-Hits.

Zwar befinden sich die Songs zwischen Prog und Pop, jedoch sind auch Ansätze von Jazz, Folk und Avantgarde erkennbar, wobei die psychedelische Note dem ganzen einen spirituellen Hauch verleiht. Die Songtexte erscheinen oftmals etwas schräg und trotzdem kindlich verträumt. Jeder Song erzählt eine phantasievolle Geschichte, die sich um das erwähnte Konzept dreht.

Remy Sträuli (Illustration: Das Trio)

Dadurch, dass die beteiligen Musiker sonst eher in anderen Richtungen unterwegs sind, ist diese als Art-Pop-anmutende LP eine erfreuliche Erfrischung. Es gibt keinen richtigen Vergleich, der das volle Ausmaß von „Pondering Aloud“ zutreffend beschreiben könnte. Augrund der Synthesizer-Vorliebe wäre das Duo Quasi ein Ansatz. Andererseits klingt Sträulis Werk noch verspielter und 60er-inspiriert. Wirklich sympathisch ist die humorvolle Tendenz, die heutzutage eine Rarität unter Musikern zu sein scheint. Hinzu kommen die liebevollen Zeichnungen, die aus Sträulis eigener Hand stammen – sie machen die LP wirklich zu einem Hingucker. Es gibt also viele Gründe, sich das Vinyl zu besorgen, zumal dann das Konzept verständlich wird.
Bewertung: 13/15 Punkten (GH 10, KR 11, DW 13)

 


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Yonder Pond – Pondering Aloud

von Deborah Wisskirchen Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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