Schnellertollermeier – Rights

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(39:16, CD, Cuneiform Records, 2017)
Wenn sich schon ein Label mit der Einsortierung einer Band schwer tut und einem gleich die volle Palette „Rock / Experimental-Avant-Psych-Minimal Rock / Jazz / Post-Jazz“ anbietet, dann weiß man, dass einem beim Anhören sicherlich nicht gerade alltägliche Musik erwartet.

Und richtig: das Schweizer Trio Schnellertollermeier – leicht verfremdet aus den Namen des Trios Andi Schnellmann (Bass), Manuel Troller (Gitarre) und David Meier (Schlagzeug) zusammengesetzt – spielt kraftvolle, moderne Kompositionen, die ihre Inspiration aus einem weitem Spektrum von Minimalismus bis hin zu energetischen Rock zieht. Auf „Rights“, dem Nachfolger vom 2015er Werk „X“, sind gerade mal vier rein instrumentale Songs enthalten, die ihre wilde Faszination aus einem radikalen Mix aus Breaks, sich steigernden Wiederholungen und irgendwie unberechenbaren Avantgarde-Rock ziehen.

Auch wenn alle drei Musiker Jazz-Schulen in der Schweiz und Skandinavien besuchten, ist deren musikalisches Handwerkszeug keineswegs nur von ausgiebigen Improvisationen und komplett offenen Strukturen geprägt. Ihr kompromissloser, aber dennoch fokussierter Ideenreichtum wird primär durch treibende Rhythmik und einen homogenen Gesamtsound zusammengehalten. So stehen weit weniger solistische Eskapaden auf dem musikalischen Speiseplan als erwartet. Man setzt hingegen mehr auf Dynamik und eine gemeinsame Herangehensweise. Besonders im Livekontext strömt dann nochmals ein ganz anderes Energielevel durch das Dreigestirn aus Luzern. Dagegen erinnert im Studio der mitunter mathematische Ansatz teilweise an die sehr technische Seite von King Crimson in den 90er und 2000er Jahren.

Knapp 39 überfallartige Minuten, die man mit Adjektiven wie energisch, widerspenstig, ungezügelt nur ansatzweise umschreiben kann.
Bewertung: 11/15 Punkten (GH 11, KR 11, KS 11)

Schnellertollermeier (Foto: Gregor Brandli)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Schnellertollermeier – Rights

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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