Ricky Ross – Short Stories Vol. 1

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(41:06, CD, earMUSIC/Edel, 2017)
Ähnlich wie seinem Landsmann Mike Scott scheinen auch Ricky Ross nie die Song-Ideen auszugehen. Wo andere Künster gerade so viele Songs komponieren um ein Album voll zu bekommen, landen bei Mister Ross anscheinend zahllose Songs in der Schublade, weil sie beispielweise nicht ins Konzept seiner Band Deacon Blue passen oder zu persönlich sind, um sie anderen Künstlern anzubieten. Auf “Short Stories Vol. 1” nimmt sich Ricky Ross diesen sogenannten Homeless Songs, wie er sie selbst nennt, an und bringt sie in sparsam arrangierter Form mit Piano und gelegentlicher Streicher-Unterstützung zu Gehör. Dazu gesellen sich mit ‘Raintown’ und ‘Wages day’ noch zwei Klassiker aus der erfolgreichsten Zeit von Deacon Blue. ‘Raintown’ ist auch in dieser neuen reduzierten Version ein Highlight und bekommt geradezu Randy Newman‘sche Züge. Auch das eröffnende ‘I Thought I Saw You Today’ versprüht jene fragile Intensität, die man einst von Elton John zu “Captain Fantastic” und “Blue Moves” Zeiten her kannte. Besondere lyrische Finesse zeigt Ross in “The Germans Are Out Today”, inspiriert durch die vielen deutschen Touristen in Perthshire und den Gedanken, wie sein Vater deren Anwesenheit wohl erklärt hätte.

Leider erzeugen die sparsamen Arrangements nach einem intensiven Auftakt über die gesamte Album-Länge eine gewisse Gleichförmigkeit. Erst kurz vor Schluss wird man mit dem beatlesken ‘Siggy The Bully’ und dem Klassiker ‘Wages Day’ nochmal etwas aufgerüttelt. Für ein “Short Stories Vol. 2” wünschte man sich also eine etwas lebhaftere Mixtur.

Abgesehen davon zeigt Ricky Ross, dass neben er seiner unverwechselbaren Stimme auch ein schier unerschöpfliches kreatives Potenzial zu haben scheint. Insgesamt ein schönes, jedoch überwiegend getragenes Akustik-Werk, das Deacon Blue-Fans sicher ansprechen sollte.
Keine Bewertung

Surftipps zu Ricky Ross/Deacon Blue:

Bild: BBC

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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Ricky Ross – Short Stories Vol. 1

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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