LO! – Vestigial

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Look and behold - Vestigial (2017)(42:12, Download, Pelagic, 2017)
Wer sich mit den obskuren Ausläufern von fantastischer Literatur Anfang des 20. Jahrhunderts beschäftigt, dem dürfte vielleicht auch der Name Charles Fort ein Begriff sein. Fort suchte in seinen Büchern nach – mehr oder weniger parodistischen – Erklärungen für eigenartige Phänomene und Beobachtungen. So auch in seinem Buch mit dem Titel „LO!“ – zu deutsch „Da!“ oder „Schau!“.

LO! nennt sich aber auch eine australische Metalband, die ihr drittes Album „Vestigial“ auf dem Pelagic-Label von The Ocean veröffentlichen. Und ähnlich wie The Ocean auf ihren alten Platten haben LO! aus dem selben Converge-Pott gesoffen und schmettern deshalb düster-brachialen Post-Hardcore – politisch, wütend, voller Frustration. Die vorangegangene „The Tongueless“-EP (2015) enthält mit dem Song ‚Orca‘ eine zutiefst verstörende Video-Nummer, in der Sänger Sam Dillon vor komplett schwarzer Bandkulisse aus einem rosa Schleimbottich steigt und wahnwitzige Grimassen schneidet. Hat sich dieser Mut zur Provokation auf die nächste Langrille übertragen?

So wie LO! auf ‚As Fools Ripen‘ abgehen, glaubt man zunächst, Lamb of God vor sich zu haben, was nicht zuletzt dem an Randy Blythe erinnernden, bellenden Growls und dem thrashigen Riffing zu verdanken ist. Zugegeben, LO! prügeln durchaus herausfordernd und mit dynamischen Übergängen – ‚Butcher Birds‘ nimmt gegen Ende Tempo raus, wird richtiggehend doomig, ‚Bestial Beginnings‘ baut dagegen stetig Spannung auf; eingelöst werden diese Momente allerdings nie so wirklich. ‚Bombardier‘ fungiert als Mittelpunkt des Albums – ein dreiminütiger Füller, einsames Gitarrengezupfe, ein wenig Ambient, im Hintergrund eine Tonbandaufnahme. ‚Locust God‘ ist dagegen mit seinen eineinhalb hingerotzten Minuten wesentlich effektiver und präziser.

Letztlich ist „Vestigial“ ein geradliniges Album geworden, das Genre-Fans sicher ansprechen dürfte. Etwas weniger Ernsthaftigkeit hätte der Scheibe allerdings gut getan. Wer sein Schwarzbrot dennoch gerne mal pur mag, der ist mit „Vestigial“ gut bedient. Die Platte ist auch auf Coloured Vinyl sowie im Bundle mit T-Shirts erhältlich.
Bewertung: 9/15 Punkten (BF 9, GH 10, KR 9)


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LO! – Vestigial

von Benjamin Feiner Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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