Lifesigns – Cardington

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Lifesigns - Cardington(49:36, CD, Eigenpressung, Just For Kicks, 2017)
John Young ist wieder da! Nach dem Debut in 2013 ist „Cardington“ das zweite Album des britischen Keyboarders und Sängers mit seiner Band Lifesigns, zu der nach wie vor Martin „Frosty“ Beedle (Drums) und Steve Rispin (Sound) gehören. Jon Poole (Bass) tritt in die Fußstapfen von Nick Beggs. An der Gitarren dürfen sich gleich mehrere teils bekanntere Namen austoben: Dave Bainbridge (Iona) übernimmt hierbei den größten Teil, den Rest steuern Menno Gootjes (Focus), Niko Tsonev (Steven Wilson) und Robin Boult (Fish) bei. „Cardington“ erscheint als Eigenpressung (die Zusammenarbeit mit Esoteric Records ist Geschichte) und wurde binnen 48 Stunden über Pledgemusic durch eine treue Fanbase finanziert.

Der Opener ‚N‘, der erste von drei Longtracks, eröffnet das Album recht proggig und lebhaft und ist dabei etwas sperrig. Die Keyboards stehen direkt im Fokus und leiten einen kleinen, abwechslungsreichen Instrumentalpart ein, der nach gut einer Minute in den Gesang mündet. Nach vier Minuten verliert der Song an Tempo und biegt ab in einen längeres Solo, in dem zuerst die Keyboards, später dann die Gitarren dominieren, um anschließend noch einmal Fahrt aufzunehmen und die Motive der ersten Minuten aufzunehmen. Ein vielversprechender Auftakt!

Die proggige Verspieltheit des ersten Tracks kann das anschließende ‚Voice In My Head‘ nicht halten. Der zweite Song entpuppt sich als recht ruhiger, melodiöser Pop Song mit balladesker Ausrichtung, der mit einem träumerischen Gitarrensolo ganz im Stil von Steve Rothery aufwarten kann. Generell ist „Cardington“ ab ‚Voice In My Head‘ verhältnismäßig eingängig. Auch das folgende ‚Chasing Rainbows‘, mit unter vier Minuten der kürzeste Song auf „Cardington“, geht in eine ähnliche Richtung. Hier fällt auch zum ersten Mal das filigrane Basspiel des Jon Poole positiv auf. Generell ist der Bass über die gesamte Albumlänge immer wieder präsent und steht den Keyboard Klängen, die das Album dominieren, nicht viel nach.

Nur mit Keyboards und Drums beginnt ‚Different‘ etwas zurückhaltend. Erst mit Beginn der Strophe nach knapp einer Minute pumpt auch wieder der Bass unwiderstehlich, der Song wird relativ ruhig vorgetragen, wird nur in den kurzen Instrumentalparts etwas lebhafter. Und als schon alles auf das Ende des Tracks hinweist, nimmt dieser doch noch einmal Fahrt und wird nach knapp sechs Minuten doch noch fortgeführt auf über neun Minuten. Und es ist allen voran Dave Bainbridge, der mit schönen Soli beeindruckt.

Sollten John Young und Co. auf die Idee kommen, einen Track aus „Cardington“ als Single zu veröffentlichen, so wird dies zweifellos ‚Impossible‘ sein. Der Song kommt sehr poppig und radiofreundlich daher, ist gespickt mit einer Keyboardmelodie, die Leichtigkeit ausstrahlt. Ja, ‚Impossible‘ könnte problemlos im Radio laufen, wenn da nicht die Gitarrenarbeit wäre, die den Song noch zwei Minuten weiterträgt, wenn er für Airplay schon längst beendet wäre.

‚Touch‘, mit genau vier Minuten Spielzeit ein weiterer verhältnismäßig kurzer Song, vereint einmal mehr all die Vorzüge dieses Albums. Großartige Melodien geben sich hier die Klinke in die Hand. John Young am Keyboard und allen voran Jon Poole am Bass treten einmal mehr sehr dominant in den Vordergrund, drücken dem Song ihren Stempel auf. Es ist kein Zufall, dass im verlinkten Youtube Album Trailer dieser Song gleich zu Beginn präsentiert wird. Hier stimmt einfach alles.

Abgerundet wird „Cardington“ durch den gleichnamigen Titeltrack, dem dritten Epos auf dem Album. Der Song befasst sich mit dem Verkehrsluftschiff R101, das 1929 im englischen Cardington gebaut wurde und seinerzeit die größte Flugmaschine der Welt war. In der Nacht vom 4. zum 5. Oktober 1930 kamen 48 der 50 Insassen dieses Luftschiffs bei einer Wasserstoffexplosion in der Nähe von Paris ums Leben. John Young hat sich dieses Luftschiffs angenommen und nicht nur den Titelsong, sondern das komplette Album Artwork entsprechend gestaltet. Musikalisch gesehen dominiert hier noch einmal die progressive Seite von Lifesigns.

Ingesamt weiß „Cardington“ zu überzeugen, bietet das Album doch ein kleines Melodiefeuerwerk, das sich irgendwie zwischen Neo Prog, AOR und erwachsenem Pop austobt und im Ohr haften bleibt. Für Freunde des frickeligen Proggresive Rocks ist es zu einfach gestrickt, für einfachen Pop / Rock allerdings zu clever komponiert und arrangiert.
Bewertung: 12/15 Punkten (WE 12, GH 10, AI 12, KR 10, KS 10, HK 12)

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Über den Autor

Höre eigentlich alles, was mit großartigen Melodien aufwarten kann, habe mich in den letzten Jahren nach und nach jedoch eher den Richtungen Alternative und Prog zugewandt, bin aber auch sehr offen für die leisen Töne.

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Lifesigns – Cardington

von Andrew Ilms Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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