Antoine Fafard – Proto Mundi

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(51:04, CD, Timeless Momentum, 2017)
Der frankokanadische, in England lebende Bassist, Gitarrist und Komponist Antoine Fafard genießt einen guten Ruf in der Jazzrock-Szene. Sein Hauptaugenmerk galt lange der aus seiner Heimatstadt Montreal kommenden Jazzrock-Formation Spaced Out, inzwischen arbeitet er  in erster Linie als Solokünstler. Dabei holt er nach Bedarf jede Menge hochkarätige Gäste mit an Bord.

Bereits der Vorgänger „Sphère“ überzeugte inhaltlich, beim aktuellen Album „Proto Mundi“ wird nun auch namentlich mächtig geklotzt: Mit Jerry Goodman (u.a. Mahavishnu Orchestra, Dixie Dregs, The Flock) an der Violine, Simon Phillips (u.a. Mike Oldfield, Derek Sherinian, Toto) am Schlagzeug, und Gary Husband (u.a. Allan Holdsworth, Billy Cobham, John McLaughlin, Level 42) an den Keyboards ist hier ein absolut hochkarätiges Line-up am Start.

Zu hören sind vertrackte Rhythmik und kräftigte Grooves geboten, aber Farfard nicht auf die Karte „Spietechnik ist alles“. Besonders Jerry Goodman bekommt Freiraum für virtuose Saitenausflüge, und Antoine Fafard selbst beweist sich neben seiner Bassarbeit als überaus vielseitiger Gitarrist. Beim Wechsel zwischen elektrifizierten und akustischen Komponenten sind Anklänge an Allan Holdsworth und Al Di Meola nicht von der Hand zu weisen. Dazu agiert die Rhythmusmaschinerie nie zu offensiv, sie überzeugt mit spielerischer Raffinesse und Druck, während die Keyboards eher im Hintergrund und vor allem als atmosphärische Komponente fungieren.

„Proto Mundi“ ist ein instrumentales Konzeptalbum, seine knapp 50 Minuten Spielzeit verteilen sich auf drei Suiten namens  ‚Mission Ganymede‘, ‚The Journey‘ und ‚Empty World‘. Das Album entstand bei mehreren Sessions, u.a. wurden die Schlagzeugtracks in Peter Gabriels Real World Studios aufgenommen. Dennoch klingt das Ganze keineswegs nach Flickwerk, sondern sehr homogen. Im Vergleich zu Spaced Out fehlen härtere Riffs und eine gewisse Aggressivität, aber das hier vorgelegte Tempo und die Virtuosität machen dieses Manko teilweise wett.

Das Album kommt mit einer überaus lohnenswerten Bonus-CD namens „Doomsday Vault“, die vier bisher unveröffentlichte Stücke sowie elf Remixes von Stücken aus Fafards ersten drei Soloalben enthält. Darauf sind u.a. die Schlagzeuger Terry Bozzio, Vinnie Colaiuta und Chad Wackerman (alle bei Frank Zappa tätig) und auch Gavin Harrison (King Crimson, Porcupine Tree) zu hören. Lässiger, verspielter Jazzrock bzw. Fusion vom Feinsten.
Bewertung: 11/15 Punkten (WE 11, GH 11, KS 11)

Antoine Fafard (Foto: Colin D Miller)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Antoine Fafard – Proto Mundi

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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