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    Betreutes Proggen
    Du bist hier:Home»Reviews»The Contortionist - Clairvoyant

    The Contortionist - Clairvoyant

    1
    By Georg Hasche on 15. September 2017 Reviews

    (55:52, CD/2 LP, eOne / SPV, 2017)
    The Contortionist sind seit mehr als zehn Jahren im Progmetal unterwegs, aber eine Rezension ihrer Alben fehlt hier bisher. Ihr neuer Output bietet eine gute Gelegenheit, dies zu ändern, und nach dem, was sie mit "Clairvoyant" abliefern, ist es wohl auch angesagt.

    "Exoplanet" aus dem Jahr 2010 bestach durch heftigen, dynamischen und djentigen Mathcore so zwischen Meshuggah und BTBAM, auf dem 2014er-Album "Language" wurden die harscheren Gesänge dann deutlich zurückgenommen und schräg-rhythmisch-melodischge Elemente traten in den Vordergrund, wobei das Werk insgesamt einen etwas unentschlossenen und zerfahrenen Eindruck hinterließ.

    Der "Clairvoyant"-Opener 'Monochrome (Passive)' legt mit einem Riffgewitter los, das jedem Deathcore-Album höchste Ehre machen würde. Der Hörer wappnet sich gegen all die Blastbeats und Screams, die wohl gleich losbrechen werden ... - aber es kommt ganz anders. Denn die Band hat ihre stilistische Metamorphose hin zu einem sehr melodiösen, Einflüsse aus Postrock und Psychedelic aufnehmenden Progmetal konsequent weiter vollzogen.

    Offensichtlich ist dies zuallererst bei Michael Lessards Gesang: Erstmals präsentiert er ausschließlich Clean Vocals, wobei seine Stimme die auf dem Album reichlich vorhandenen, verträumt-melancholischen Melodien schön transparent und zart bis fast zerbrechlich darbietet. Zusammen mit den Background Vocals klingt das immer wieder sehr vielschichtig und harmonisch, mit äußerst geschickter Modulation der Tonarten. Die Gitarristen Robby Baca und Cameron Maynard verzichten weitgehend auf die klassischen Chuggahs, die auf "Exoplanet" noch das Songskelett darstellten. Im Hintergrund erklingen zwar immer mal wieder zurückgenommene Powerchords, überwiegend aber verästelt sich die Gitarrenarbeit in die Songs hinein. Es darf soliert und jubiliert und sogar akustisch gespielt werden, wobei die Jungs eine so bisher von ihnen noch nicht gehörte Virtuosität an den Tag legen.

    Eric Guenthers Keyboards treten enorm in den Vordergrund und tönen teils so neoproggig, wie man es auf einem Progmetal-Album sonst kaum einmal hört. Jordan Eberhardts quicklebendige Basslinien geben dem Sound ein festes Fundament und erden ihn nachhaltig. Joey Baca muss seinen Drums deutlich weniger BPM abverlangen als gewohnt, besticht aber immer wieder durch eine äußerst trickreiche Polyrhythmik.

    Am interessantesten wirkt dies im Titeltrack 'Clairvoyant', der auch durch eine mittels initial gegenläufiger Gitarrenthemen bewirkte Verfremdung der Melodielinie besticht, sodass der Hörer sich diese fast erarbeiten muss, um sie in den darauffolgenden Variationen vokaler Mehrstimmigkeit nicht wieder zu verlieren. Für den Rezensenten der stärkste Song des Albums, gefolgt vom atmosphärisch dichten 'Relapse' und dem nahtlos anschließenden 'Return To Earth', bei denen auch das Riffing mal wieder deutlich djentiger wird. Das abschließende 'Monochrome (Pensive)' nimmt das dräuende Eingangsthema wieder auf, um es nachdenklich wirkend zu paraphrasieren und das Album schließlich zu einem hymnisch anmutenden Abschluss zu führen.

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    The Contortionist haben mit ihrem neuen Output einen deutlichen Schritt in den Bereich modernen Progmetals gemacht, in dem aktuell Bands wie TesseracT oder Soen den Ton angeben. Die Qualität, sich hier zu behaupten, hat das Album allemal, wozu auch die gewohnt saubere Produktion durch Jamie King beiträgt. Die Science-Fiction-affinen Amerikaner werden sich mit "Clairvoyant" sehr wahrscheinlich eine Menge neuer Zuhörer  erschließen, während die Core-Fraktion der Headbanger und Pogo-Tänzer endgültig konsterniert zurückbleiben dürfte.

    Bezüglich des Punktekorsetts lassen die Güte des Albums, dessen Vielschichtigkeit sich nach mehreren Hördurchgängen immer neu erschließt, hoch greifen. Für den Rezensenten persönlich wäre mit etwas mehr von der alten Aggressivität und mit einer kräftigeren Portion Asskicking sogar noch mehr drin gewesen. Warten wir ab, was die Jungs noch auf Lager haben.
    Bewertung: 12/15 Punkten

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    CD Deathcore Djent Mathcore Polyrhythmik Prog Metal Progressive Rock SPV The Contortionist USA Vinyl eOne
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    Georg Hasche

    Als in die Jahre gekommener Progger hab ich von so manchem Ahnung, nur nicht von Musik. Was mich nicht davon abhält, mich hier von Zeit zu Zeit schwerpunktmässig zu Progmetal- und Retroprog-Acts und -Outputs zu äussern.

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