Axel Hackner, Karakorum, zum Burg Herzberg und der neuen Platte

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»Die Musik sollte möglichst abgefahren und komplex sein«

An einem frühsommerlichen Sonntagabend haben Betreuter Phil und Axel Hackner, seines Zeichens Sänger und Tastenzauber bei Karakorum, ein entspanntes Telefongespräch geführt – Axel auf seinem Balkon in Neuötting, Phil bei offenem Fenster in Bonn. Eine angenehme Art, Interviews zu führen und den Sonntagabend zu verbringen. Die beiden haben sich über Karakorum unterhalten – über die bisherige Bandgeschichte sowie über Dinge, die noch kommen. Wie zum Beispiel eine Vinyl (VÖ: 22.09.) und der Auftritt beim diesjährigen Herzberg-Festival.

Axel: Phil, wo sitzt du eigentlich?

Phil: Eigentlich wollte ich hier die Fragen stellen!. Ich sitze in Bonn, und du?

Axel: In Neuötting, das ist zwischen München und Passau. Als Katholik kennt man vielleicht Altötting, das ist neben Santiago de Compostela der Wallfahrtsort für Katholiken.

Erzähl uns bitte ein wenig zu eurer Bandgeschichte.

Also, teilweise kennen wir uns schon aus der Grundschule, und wir haben schon immer irgendwie zusammen Musik gemacht. Joni (Bassist Jonas Kollenda, Anm. d. Red.) war schon immer Bassist, unter anderem auch als Kontrabassist im Orchester, und der hat in unserer Gegend immer und überall mit jedem gespielt. Ihn und Max (Gitarrist Max Schörghuber, Anm. d. Red.) kenne ich also schon seit Schulzeiten. Wir spielten auch zusammen bei Foreign Faces, der Vorgängerband von Karakorum. Unser damaliger Gitarrist hat dann unseren Schlagzeuger Basti (Schlagzeuger Bastian Schuhbeck, Anm. d. Red.) mit rein gebracht. Er war damals 14, wir waren 18, 19. Damals war er für sein Alter bereits ein sehr fähiger Drummer, mittlerweile studiert er Musik und spielt sämtliche Instrumente, Piano, Lap Steel Gitarre. Er ist auch so etwas wie der Musical Director bei Karakorum geworden. (Anm. d. Red.: Axel hat auf Bastis gelungene Coverversion des King Crimson-Klassikers ‚I Talk To The Wind‘ verwiesen).

Karakorum haben sich aus Foreign Faces entwickelt, richtig?

Genau. Unser damaliger zweiter Gitarrist ist musikalisch etwas hinter uns her gehinkt, dann haben wir Bernie (Gitarrist Bernhard Huber, Anm. d. Red.) auf einem Open Air mit einer anderen Band gesehen und haben uns zu der Zeit öfter mal privat getroffen und gejammt. Unabhängig davon mochten wir uns auch persönlich direkt. Er und ich haben uns eine Nacht zusammen betrunken und die Idee gesponnen, unser Erspartes zu nehmen und nach Asien zu reisen. Am nächsten Tag rief er mich an und fragte: „Wir haben das ernst gemeint mit der Reise, oder?“ „Joa.“ „Gut. Ich habe nämlich gerade gekündigt.“ Daraufhin sind wir sieben Monate durch Asien gezogen und haben dabei tolle Leute kennengelernt, zu denen wir auch noch regelmäßig Kontakt haben. Als wir wiederkamen, haben wir uns für einen musikalischen Neuanfang entschlossen: Foreign Faces wurden aufgelöst, Karakorum waren geboren. Die Musik sollte möglichst abgefahren und komplex sein.

Wie kam es eigentlich zu dem Bandnamen, war das ein Einfluss von der Asien-Reise?

Das war eigentlich das altbekannte Dilemma: Wir hatten einen Gig vor uns und keinen vernünftigen Bandnamen. Wir hatten erst überlegt, uns „Zwackelmann“ zu nennen, nach dem Zauberer aus dem „Räuber Hotzenplotz“, aber es gab schon eine Punkband mit diesem Namen.

Der wäre klasse für euch gewesen, aber Karakorum klingt auch gut.

Genau deswegen sind wir dann eigentlich darauf gekommen. Es klingt einfach gut, und wer sich nicht allzu sehr mit Geographie auskennt, hat auch keine andere Assoziation damit. Aber ein tieferer Sinn steckt dahinter nicht. Wir hatten auch überlegt, ob wir es mit Doppel-Q schreiben, uns dann aber dagegen entschieden.

Wie sieht denn die Arbeitsweise von Karakorum aus?

Wir haben unseren Proberaum, in einem alten Stellwerk in Mühldorf, das ist quasi unsere Basis. In dem ganzen Komplex ist außer uns nur eine Black-Sabbath-Coverband (und das im katholischen Bayern! 😉 , Anm. d. Red.) und wir haben ein tolles Panorama und unsere Ruhe. Dort waren wir schon vor der Zeit mit Foreign Faces. Max hatte damals eine Hardrock-Band und ich war öfters bei den Proben. Das war mit 17 natürlich der Hammer: ein eigenes Haus, wo man tun und lassen kann was man will. Während andere in die Discos gingen, haben wir da Bier getrunken, zusammen Musik gehört und gejamt. Es war einfach unser Reich und eine klasse Zeit. Allerdings trifft man da im Gegenzug zur Disco nicht unbedingt Mädels, und wenn man welche in dieses Männernest mitnimmt, schrecken die nicht vorhandene Hygiene und die Tatsachen, dass es kein fließendes Wasser gibt und die Toilette der Busch draußen ist, schnell ab.

Ein typisches Prog-Phänomen!

Stimmt. Jedenfalls bringt jeder von uns seine Ideen ein. Es wird weniger zusammen gejamt, um daraus etwas zu kreieren. Es ist eher so, dass einer mit einer Idee kommt und mit diesem Thema wird gejamt, oder das wird bearbeitet. Wie gesagt, vor allem Basti verfeinert viele Ideen, weil er auch das theoretische Know-how hat. Er schreibt auch den Harmoniegesang auf, und verteilt dann Notenblätter an uns. Ich bin zu blöd für Harmoniegsang, also mache ich den Leadgesang.

Entstehen die Gesangslinien parallel zur Musik?

Ja. Aber den Text gibt es dann hinterher. Also erst Musik, dann Text. Schön ist, dass wir mittlerweile alle in dieselbe musikalische Richtung wollen. Bei Foreign Faces haben wir zwar auch selbst geschrieben, allerdings hatten wir da mal Country, mal Blues, alles gemischt.

Habt ihr überhaupt musikalische Einflüsse?

Naja, wer hat die nicht? Am Anfang waren wir viel vom Hardrock à la Deep Purple und Led Zeppelin beeinflusst, dann kam King Crimson dazu. Man tastet sich als Musikliebhaber und Musiker automatisch in alle Richtungen vor und will stetig Neues entdecken. Dann kam Krautrock, wie Birth Control, dazu. Ein großer Einfluss wurde auch Frank Zappa. Das erste Mal vollkommen stoned mit 16 im Keller eines Freundes gehört, als wir die Plattensammlung seines Vaters durchgegangen sind. Der ist Riesen Zappa-Fan. Damals und in der Situation war mir das aber zu stressig. Später hat es dann aber Klick gemacht. In den letzten Jahren hat auch Jazz einen großen Einfluss auf uns gehabt. Und Bastian hat durch sein Studium natürlich an jeder Ecke neue Einflüsse. Er ist ein Riesen-Fan der Fuge und hat zu letztem Weihnachten eine 180-CD-Kollektion bekommen – die gesammelten Werke von Johann Sebastian Bach, inklusive eines Riesenwälzers als Begleittext. Da fehlt mir persönlich noch ein wenig der Zugang.

Die Einflüsse der genannten Bands kann ich durchaus auf eurem Album hören. Erzähl mir mal ein wenig dazu.

Das begann ziemlich unprofessionell. Wir haben das Album an einem Tag aufgenommen, eigentlich für YouTube. Wir haben uns mit Handykameras filmen lassen, um es hinterher hochzuladen.

Dafür sieht es aber sehr gut aus.

Das dachten wir auch! Bastians Onkel hat uns parallel aufgenommen, der mischt hobbymäßig Livegigs für ein paar Bands. Dann wurde das Ganze von unserem Freund Knut an zwei Abenden abgemischt und wir waren mit dem Ergebnis mehr als zufrieden und dachten: „Hey, das kann man auch als Album herausbringen statt nur auf YouTube!“ So kam es dann auch. Das Feedback war überraschend für uns, fast durchweg positiv und wir haben schon Anfragen aus Mexiko und Litauen bekommen, ob unsere Songs dort im Radio in Prog-Programmen gespielt werden dürfen. Das ist schon krass. Dann hat ein Kumpel von Dirk Raupach es gehört, und es ihm vorgespielt. Dirk hat es gefallen und er hat uns unter Vetrag genommen. Mittlerweile muss ich aber sagen, dass das Album für uns als Band schon wieder überholt ist. Wir haben es vor knapp zwei Jahren aufgenommen und letztes Jahr herausgebracht, sind im Songwriting aber schon wieder ein Level weiter.

Ja, ihr habt ja die ‚Beteigeuze‘-Trilogie noch einmal neu aufgenommen, ist das richtig?

Genau. Das ist ja das Herzstück des Albums. In den letzten zwei Jahren haben wir aber immer noch weiter daran gearbeitet und es verfeinert. Letzten Herbst haben wir die aktuelle Version dann noch einmal für die nächste Veröffentlichung, diesmal auf Vinyl, aufgenommen. Wir wollten schon das erste Album auf Vinyl pressen, aber mit der Länge und der Aufteilung der Songs war das schwierig. Jetzt, mit drei Stücken und der großartigen Unterstützung von Dirk Raupach, ging das.

Also wieder eine Aufnahme an einem Tag?

Richtig. Matthias Hoffmann, ein 21-jähriger genialer Blasmusiker und Freund von uns, meinte, dass man aus unserer Platte mehr Transparenz herausholen könnte, also hat er diesmal die Aufnahme gemixt. Es gab außerdem einige Overdubs, vor allem beim Gesang, und unser Drummer hat diesmal auch Schlagwerk wie Vibraphon und Marimba gespielt. Alles lief viel professioneller ab. Das Mastering übernimmt Eroc, was eine Riesenehre ist. Und unser Freund Willi Wimmer hat, wie beim Album auch, das Panorama-Artwork geairbrusht. Das Ganze ist für uns ein Riesentraum, der in Erfüllung geht: Unsere eigene Vinyl!

Was hat es eigentlich mit der ‚Beteigeuze‘-Trilogie auf sich? Steckt dahinter ein Konzept?

Ja, schon. Es gibt ja diese Idee von Beteigeuze, diesem Stern, der so groß ist wie 200 Sonnen. In etwa 100.000 Jahren soll er implodieren. Es gibt eine Riesen-Supernova, deren Lichtimpuls dann nach 10.000 Jahren auf der Erde ankommen soll. Wir haben daraus eine Geschichte gestrickt, ein apokalyptisches Szenario, mit etwas Fantasy drin. Was für einen Einfluss hat dann zum Beispiel die Gammastrahlung? Auf die Idee kam ich noch zu Foreign-Faces-Zeiten. Beteigeuze war dann auch kurz im Gespräch als Bandname. Auch hier hat uns der Klang überzeugt, genau wie bei Karakorum.

Ich bin gespannt, wie die Trilogie nun klingt! Gibt es schon ein Release-Datum?

Voraussichtlich Anfang Juni. Wir wollen die Platte auf jeden Fall zu unserem Auftritt beim Herzberg-Festival mitnehmen. Auch ein Traum, dass wir dort spielen dürfen. Seit 2008 sind wir regelmäßige Herzberger. 2007 wollte ich hin, aber wir hatten Zeugnisvergabe und meine Mutter verbot es mir. Dabei spielten Pavlov‘s Dog und Uriah Heep – Bands, die ich unbedingt sehen wollte!

Habt ihr schon weitere Zukunftspläne, oder sind die Platte und der Herzberg-Gig das nächste Große?

Wir schreiben fleißig weiter Musik. War das Ganze Anfangs noch mehr Spaß, hat es mittlerweile auch einen Arbeitscharakter dazu bekommen. Wir sind produktiver und professioneller geworden. Und ehrgeiziger. Neue Songs gibt es schon bei Auftritten zu hören. ‚Smegmahood‘ zum Beispiel ist ein neues Lied, das unser aktuelles Niveau am besten repräsentiert. Textlich nur ein Vierzeiler, in dem es darum geht, dass eine Laktose-intolerante Ratte sich vom Smegma des Protagonisten ernährt. Klingt doof, ist es auch. Das Ganze vorgetragen als fünfstimmige Fuge. Das ist aber nur ein Teil davon, rhythmisch ist es unser komplexestes Stück. Neben Zappa gibt es da einen großen Einfluss von Gentle Giant. Hinweise auf den Song gibt es schon im Cover der kommenden Platte, da sind sowieso viele Anspielungen drin, die nur wir als Band verstehen, bzw. die unser Umfeld versteht. Muss aber auch sonst keiner. Wir würden auch ganz gern auf Tour gehen. Ansonsten machen wir uns über das Konzept der nächsten Platte Gedanken. Im Moment überlegen wir, als Kollektiv, also wir als Band und alle anderen, die an der nächsten Platte beteiligt sein werden, ins Ausland zu gehen, uns vielleicht auf einem Weinberg zu verschanzen und dort zu arbeiten. Raus aus der gewohnten Umgebung. Das wäre cool.


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Über den Autor

Philipp Roettgers

“Journalism is a low trade and a habit worse than heroin, a strange seedy world of misfits and drunkards and failures.” – Hunter S. Thompson.

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