Bent Knee – Land Animal

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(50:30, CD, InsideOut Music/Universal, 2017)
Knapp ein Jahr nach „Say So“ kehren Bent Knee mit „Land Animal“ zurück. Das Sextett aus Boston hat mit seinem innovativen, aber keineswegs plakativen Artrock bereits auf breiter Ebene für positive Resonanzen gesorgt, weil seine sehr unterschiedlichen Einflüsse von Pop, Avantgarde, Progressive bis hin zu Minimalismus ein recht weites Spektrum abdecken.

Auf den ersten Blick überrascht es, dass die Band mit dem aktuellen Album bei InsideOut Music gelandet ist, denn sie passt nicht unbedingt ins typische Beuteschema dieses Labels. Auch wenn Bent Knee eigentlich nichts für traditionelle „Normalprog“-Hörer sind, wünscht man ihnen, dass sie über bessere Vertriebswege dort mehr Hörer als bisher erreichen.

Doch keine Angst, trotz des Labelwechsels hat man sich keineswegs verbogen. Wiederum überzeugt das Songmaterial mit einer charmanten Nonchalance, während entweder wilde Brüche die Aufmerksamkeit fordern oder kunstvoll verschnörkelter Pop eine dramatische Aufbereitung erfährt. Dies alles funktioniert – wiederum ohne Longtracks – als wohl durchdachtes Konzentrat, bei dem das sechseinhalbminütige ‚Insides In‘ als zentraler Fixpunkt dient.

Benkt Knee überzeugen mit verschachtelten, aber auf den Punkt gebrachten Songs. Das Ganze klingt sperrig, sprunghaft und unberechenbar. Dabei schießt die Band in Sachen Dissonanz und Wankelmut nie übers Ziel hinaus, aber man muss genau hinhören, um alle Details zu erfassen.

Die wandlungsfähige, sehr eindringliche Stimme von Courtney Swain steht weiterhin im Fokus von Bent Knee, da ihre Kollegen nur selten mit Soloausbrüchen in den Vordergrund drängen. Deren Kunst offenbart sich bei effektvoller Zurücknahme bzw. dynamischen Ausbrüche in den genau richtigen Momenten. Dies ruft eine dichte Spannung hervor, die auch nach mehreren Durchläufen noch funktioniert und immer wieder überrascht. Der stete musikalische und textliche Kampf setzt jede Menge Energie frei.

Teapot of the Week

„Teapot of the Week“ auf Betreutes Proggen in der KW25/2017

Mit „Land Animal“ bewahren Bent Knee ihre Eigenständigkeit und liefern wiederum ein kurzweiliges, erfrischendes und zeitgenössisches Artrock-Album voller Gegensätze ab.
Bewertung: 13/15 Punkten (KR 13, KS 13)

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Bent Knee (Foto: Chris Anderson)

 

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Bent Knee – Land Animal

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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