Art Against Agony – The Forgotten Story

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Art Against Agony - The Forgotten Story(26:08, Download, Eigenveröffentlichung, 2017)
Art Against Agony sind laut Eigenbeschreibung sowohl ein internationales Kunstkollektiv als auch eine Band. Im Folgenden soll es um die dritte Veröffentlichung des zentralen musikalischen Teil des Projektes gehen – eine EP namens „The Forgotten Story“.

Wer AAA schon länger verfolgt, weiß, dass das Debütalbum anno 2012 „Three Short Stories“ hieß. Da liegt die Vermutung nahe, dass die zwei Scheiben etwas miteinander zu tun haben. Und siehe da, es stellt sich heraus, dass die fünf Stücke auf der vorliegenden EP ihren Ursprung in den „Three Short Stories“ haben, im Live-Kontext in den letzten Jahren gewachsen sind, dementsprechend neu arrangiert und nochmals aufgenommen wurden. Mehr Information über die Entstehungsgeschichte von „The Forgotten Story“ gibt’s übrigens hier im Interview mit Neuzugang the_maximalist (Mridangam), der allerdings auf dieser Scheibe noch nicht zu hören ist.

Wer Art Against Agony noch nicht kennt, dem sei gesagt: Die Band widmet sich instrumentalen Djent-, Metal- und Jazzfusion-Sounds auf sehr hohem Niveau. So hoch, dass für das letztjährige Album „The Difference Between A Duck And A Lobster“  Jan Zehrfeld (Panzerballett) und Jeff Kollmann (Cosmosquad) für Gastsoli gewonnen werden konnten. Der Sound der Gruppe wird oft mit Meshuggah und vor allem mit Animals As Leaders verlichen, doch dies greift entschieden zu kurz, steckt doch so viel mehr in der Kunst gegen den Schmerz, was die Band auf „Three Forgotten Stories“ einmal mehr furios beweist.

Los geht’s mit dem superben Sechsminüter ‚4.1 Gente Innocente Non Corre‘ (im Original: ‚1.4 Innocent People Don’t Run‘), der ein episches Feeling verbreitet, aber dennoch rhythmisch ziemlich vertrackt ist. Eine wunderschön melodische, klassisch inspirierte Bassline in der zweiten Hälfte zeigt jedoch gleich, dass hier weit mehr drinsteckt als wildes Drauflosfrickeln. So ist das folgende, mit nur knapp drei Minuten kürzeste Stück der EP, ‚4.2 La_Mer‘, im Grunde ein Jazzstück, eine gestraffte Version von ‚1.2 Pelagius|Ileven‘, das sich erst gegen Ende proggigen Strukturen zuwendet.

Ganz anders wiederum ‚4.3 Techne‘, eine Weiterentwicklung des zweiten Teils von ‚1.2 Pelagius |Ileven‘, das am ehesten als Trippy Time Signature Techno Tango zu beschreiben wäre. Oder ist doch alles in 4/4? Das müssen die Schlagzeuger für sich selbst rausfinden, der Betreuer gibt ganz offen zu, dass er keine Ahnung hat. ‚4.4. Velvet Velour‘ hat mal auf den Namen ‚3.5 Pisha‘ gehört, ist insgesamt etwas ruhiger ausgefallen und setzt sich aus verschiedenen Variationen über ein harmonisches Thema zusammen. Hier wird nochmal besonders deutlich, dass es die Leadgitarre von Mastermind the_sorcerer ist, die das Ganze führt und im Mittelpunkt steht.

Das finale ‚SpurFünf‘, ursprünglich als erste Art-Against-Agony-Komposition als Bonustrack auf „Three Short Stories“ zu finden, fasst dann alles Gehörte nochmal zusammen und packt gefühlt noch ein paar Schippen drauf. Es werden erstmals Meshuggah-Härtegrade erreicht, was den maskierten Herren genauso gut zu Gesicht steht, wie alles andere, was sie auf „The Forgotten Story“ präsentieren. Und trotzdem ist nochmal Platz für eine wunderschöne Bassstelle. Exemplarisch ist hier auch nochmal zu hören, wie sehr sich die Band sowohl spiel- als auch aufnahmetechnisch seit 2012 verbessert hat. Inzwischen können alle drei wichtigen Komponenten, neben den Kompositionen also auch Sound und Fingerfertigkeit, dem internationalen Vergleich standhalten.

Es wäre ein Jammer gewesen, wenn diese Geschichte vergessen geblieben wäre. „The Forgotten Story“ ist ein Leckerbissen zwischen Album Nummer zwei und drei von Art Against Agony und für den betreuenden Rezensenten jetzt schon eine der besten Instrumental-Veröffentlichungen 2017.
Bewertung: 13/15 Punkten (DA 13, KR 13)

Art Against Agony (Foto: Band)

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Art Against Agony – The Forgotten Story

von Dario Albrecht Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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