Red Bazar – Tales From The Bookcase

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Tales From The Bookcase( 73:13; CD, White Knight Records/Just for Kicks , 2016)
Red Bazar aus dem englischen Nottingham veröffentlichen mit „Tales From The Bookcase“ ihr drittes Album. Erstmals mit an Bord ist Peter Jones, der als Solokünstler unter dem Namen Tiger Moth Tales bereits für einiges Aufsehen sorgte. Waren Red Bazar bislang eine reine Instumental-Formation, so verleiht der seit frühester Kindheit erblindete Sänger der Band nun eine kraftvolle und ausdrucksstarke Stimme. Um es vorwegzunehmen: Dieses Joint Venture kann sich hören lassen.

Die Texte aus der Feder von Jones sind, wie der Album Titel schon suggeriert, von seiner Lieblingsliteratur inspiriert. Sie stammt unter anderem von Autoren wie Sir Arthur Doyle und Alistair Maclean. Musikalisch ist das Quintett im melodischen Sympho-Prog beheimatet, Innovationen sollte man also nicht erwarten. Dafür bekommt man solides Handwerk und gute Unterhaltung geboten, sofern man sich für diese Prog-Spielart begeistern kann. Vier der acht Titel überschreiten die Zehnminuten-Marke – das Album besteht überwiegend aus längeren Kompositionen, bei denen es sich dankenswerterweise nicht nur um aufgeblähte Dreiminüter handelt. Bei den ersten Titeln spielt neben Jones‘ Gesang insbesondere Andy Wilsons Gitarrenspiel eine tragende Rolle. Da Wilson gerne den Verzerrer auspackt, gibt er den melodischen Arrangements auch mal eine raue Oberfläche. Das passt gut zu den erzählerischen Texten von Peter Jones, insbesondere im zweiteiligen ‚Queen Of The Night‘ kommt diese Gangart zum Tragen. Der Titel ‚City And The Stars‘  verfolgt eine etwas schwelgerische Richtung, die an der einen oder anderen Stelle an den jüngeren Output von Big Big Train erinnert. Als einen der Höhepunkte des Albums und Sympho-Rocker par excellence darf man ‚The Lights Of Home‘ bezeichnen. Alle Trademarks der Stilrichtung kommen hier zur Geltung und werden von Red Bazar abwechslungsreich in Szene gesetzt. Einzig ‚Almost Over‘ wird seiner Überlänge nicht vollends gerecht. Dafür ist der zweite Teil von ‚Queen Of The Night‘ zum Schluss nochmal ein Höhepunkt .

Wie eingangs bereits erwähnt, überzeugt dieses Quasi-Debüt von Red Bazar mit Sänger. Zwar bewegen sich die Stücke allesamt in einem konservativen Rahmen, aber die abwechslungsreichen Arrangements, der engagierte Gesang und die gekonnten Kompositionen ergeben zusammen ein rundes Werk, das sein Publikum finden sollte. In Sachen Produktion erreicht man nicht ganz die klangliche Qualität erfahrenerer Acts, die wahrscheinlich aber auch über mehr Budget verfügen. Das soll die Bewertung von „Tales From The Bookcase“ aber nicht schmälern. Liebhaber von Bands wie Marillion der Fish-Ära, IQ, Pallas, Big Big Train oder Pendragon sollten Red Bazar auf keinen Fall verpassen.
Bewertung: 11/15 Punkten (DH 11, HK 9, KR 7)

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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Red Bazar – Tales From The Bookcase

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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