Jeff Beck – Live+”

0

JeffBeck-Live+-2015-Cover(71:39, CD, Deuce/Atco/Rhino/Warner)
Als Jeff Beck im vergangenen Jahr mit ZZ Top auf eine großangelegte US-Tour ging, erfüllte er alle Erwartungen, die man an einen der besten Gitarristen der Welt stellen kann. Seine Performances waren, so jedenfalls die Label-Info, „hypnotisierend und seine sprichwörtliche Gitarrengymnastik einfach perfekt“ (dabei sind es ja bei diesem Meister eigentlich gerade Ausdruck und Phrasierung statt der Gymnastik der Griffbrett-Turner, die ihn und seinen Ton so unverwechselbar machen…).

Mit „Live+“ können sich Fans nun die Highlights dieser Konzerte auf die eigene Anlage holen und bekommen mit ‚Tribal‘ und ‚My Tiled White Floor‘ noch zwei brandneue Studioaufnahmen dazu –- die ersten seit seinem Album „Emotion & Commotion“ (2010), das übrigens mit zwei Grammys ausgezeichnet wurde: „Best Pop Instrumental Performance“ für den Song ‚Nessun Dorma‘ und „Best Rock Instrumental Performance“ für ‚Hammerhead‚.

„Live+“ enthält über eine Stunde Live-Performances, die in mehreren unterschiedlichen Venues während der letztjährigen Double Headliner-Tour mitgeschnitten wurden, und erscheint über Atco/Rhino Records als CD und zum Download. Das Saiten-As und seine Band, bestehend aus Sänger Jimmy Hall, Bassistin Rhonda Smith, Drummer Jonathan Joseph und der phantastische Gitarrist Nicolas Meier (dessen eigenes Album wir auch demnächst für Euch besprechen) spielten sich quer durch Becks umfangreiches Repertoire, was beispielsweise ein angenehmes Wiederhören mit dem Klassiker ‚Morning Dew‘ (vom ’68er Album „Truth“, im Original mit Rod Stewart), ‚Superstition‘ (von „Beck, Bogert, Appice“, 1973) ergibt. Apropos: Jimmy Hall, mit dem Beck schon für „Flash“ (1985) kooperierte, entpuppt sich als Glücksgriff: Während zahlreiche andere Alben unseres Saitenhexers entweder ganz ohne oder mit Vocals von unterschiedlichen Sängern und stark unterschiedlicher Qualität auskommen mussten, wirkt „Live+“ aufgrund von Halls souliger, sehr präsenten Gesangsbeiträgen mehr wie das Konzert einer „klassischen“ Rockformation.

Was nicht ausschließt, dass Gitarristen etwa bei Jeffs Version von John McLaughlins ‚You Know You Know‘ weiterhin ganz komisch um’s Herze werden kann… Und Bassisten bei Rhondas Slapping-Einlagen beim gleichen Stück! ‚Why Give It Away‘ ist im direkten Vergleich ein simpler, gut funktionierender, Bluesharp getriebener Rocker mit Blues-, Soul- und sogar Rap-Zutaten. Simpel, wenn man Jeffs Solo ignorieren würde. Das kann man aber nicht…

Apropos Soul – anbetungswürdig ist auch die hier enthaltene Fassung von Sam Cookes ‚A Change Is Gonna Come‘. Genauso natürlich wie das Grammy-prämierte Beatles-Cover ‚A Day In The Life‘ als Instrumental. Apropos Cover: Stevie Wonders ‚Superstition‘ sprüht Funken wie stets, während ‚Big Block‚ (von „Guitar Shop“, 1989) nach vorne marschiert, wie von einem V8 motorisiert. Ganz zart hingegen Hendrix‚ ‚Little Wing‘ und die der Zeit mit Terry Bozzio und Tony Hymas entstammende Schönheit ‚Where Were You‘.

Zu den neuen Studio-Tracks: Die Samples und Rhythmik lassen ‚Tribal‘ ungemein modern wirken. ‚My Tiled White Floor‘ hingegen wirkt durch Veronica Bellinos Gesang fast wie ein Radiohit aus Mike Oldfields besseren Tagen…
13/15 Punkten (KR 13, KS 12)

PS: Milk-plus waren die mit vielen Freustoffen angereicherten Drinks, mit denen sich Alex und seine „Droogs“ in Anthony Burgess‘ Roman „A Clockwork Orange“ in der Korova Milk Bar in Stimmung für ihr Abendprogramm brachten. Freunden virtuosester gitarren-dominierter, teils durchaus progressiver Rockmusik mit souveränen Ausflügen in Jazz(Rock) und Blues kann mit „Live+“ ebenfalls Höchststimmung garantiert werden.

„Live+“-Tracklist:
01. “Loaded”
02. “Morning Dew”
03. “You Know You Know”
04. “Why Give It Away”
05. “A Change Is Gonna Come”
06. “A Day In The Life”
07. “Superstition”
08. “Hammerhead”
09. “Little Wing”
10. “Big Block”
11. “Where Were You”
12. “Danny Boy”
13. “Rollin’ And Tumblin’”
14. “Going Down”
15. “Tribal”*
16. “My Tiled White Floor”*
*New Studio Recordings

Surftipps zu Jeff Beck
Homepage
Twitter
Facebook
Konzertbericht Jeff Beck, 19.07.2010, Bonn, Museumsplatz
Konzertbericht Jeff Beck, 12.07.2001, Köln, LiveMusicHall

Print Friendly, PDF & Email
Teilen.

Über den Autor

Klaus Reckert

„everything happy, and progressive, and occupied“
K. Grahame, The Wind In The Willows

Antworten

Jeff Beck – Live+”

von Klaus Reckert Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
0