Bent Sæther, Motorpsycho, zu „Here Be Monsters“

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»Wir improvisieren zu viel, um mit Visuals einen auf Pink Floyd zu machen«

Weiter in unserem diesjährigen Interview-Reigen geht’s mit einer ausgesprochenen Lieblingsband. Aufgrund zahlreicher Aktivitäten, u.a. mit der Compilation „Supersonic Scientists“ und Spidergawd, hatten Experten ein neues reguläres Motorpsycho-Album erst später in diesem Jahr erwartet. Doch hier ist „Here Be Monsters“, out Feb 12th 2016 on Stickman Records! Der Band-Kommunikator Bent Sæther blieb seinem Ruf treu, indem er die Fragen des folgenden E-Mail-Interviews binnen weniger Stunden beantwortete – knapp und auf den Punkt!

Fans des legendären „Unicorn“-Albums werden hyperventilieren, wenn sie die Entstehungsgeschichte zu „… Monsters“ lesen, da es sich ursprünglich wieder um eine Kooperation mit dem Keyboarder und Arrangeur Ståle Storløkken handelte. Laut Labelinfo wurde die Musik für die Feier zum zehnjährigen Jubiläum des norwegischen Technikmuseums geschrieben und nur einmal aufgeführt. Gibt es davon Aufnahmen und sollen diese auch veröffentlicht werden – (Ltd., expanded Edition, Box, …)?

Es existieren Aufnahmen, aber die Musik hat sich inzwischen doch stark verändert. Eigentlich hatten wir nicht vor, die Originalfassung zu veröffentlichen, aber vielleicht ist das ja doch eine gute Anregung? Mal schau’n!

Ging es bei der Aufführung nur um Motorpsycho plus Ståls Keyboards, oder war auch ein Orchester beteiligt?

Nur Motorpsycho + Ståle, und auf dem Album nur Motorpsycho.

Was musste für die Albumversion geändert werden?

Wir mussten die Songs fertigstellen, denn einiges bei dieser Aufführung war wirklich mehr „auf einem Riff herumjammen“ gewesen.

Inwiefern hat der Anlass dieser „Programmmusik“ die Komposition und den Schreibprozess beinflusst – wenn überhaupt?

Die Texte sind davon stark beeinflusst – alles dreht sich um das Vergehen der Zeit und wie wir uns dazu stellen. Die Texte der Musik auf dem Album sind sehr viel persönlicher geraten und lassen das Museumsthema aus.

Warum ist ‚Spin, Spin, Spin‘  (auch als 7″ erhältlich) auf dem Album, was ist das Besondere an diesem Song? Und warum habt ihr die Fassung von H.P. Lovecraft als Ausgang für Eure Version genommen?

Snah (Hans Magnus Ryan) und ich redeten seit 25 Jahren davon, diesen Song zu spielen – und jetzt gab es auf einmal einen Kontext, in dem er funktionierte. Wir haben das Lied in der Version von H.P. Lovecraft kennengelernt. Aber ich finde, unsere Interpretation ist doch deutlich anders. Oder?

Absolut! Sorry, kann mich grad nicht erinnern, habt ihr früher schon ´mal Cover-Fassungen aufgenommen?

Oh ja, schon oft. Das letzte Cover war ‚Future Of Our Nation‘ von Master’s Apprentices auf „Motorpnakotic Fragments“. Davor zum Beispiel ‚Love’s August‘ von Arthur Lee on „Still Life With Eggplant“. Wir lieben gute Songs, egal wer sie geschrieben hat. Und dann wollen wir sie auch spielen, wenn sie in den jeweiligen Zusammenhang passen.

Die Labelinfo betont die „cineastischen“ Qualitäten der überwiegend sanften, sehr melodischen und für Eure Verhältnisse besonders zugänglichen Musik. Wird es eigene Projektionen bei Aufführungen der „… Monsters“ geben?

Eigentlich improvisieren wir wirklich zu viel, um einen auf Pink Floyd zu machen. Also nein. Obwohl … -wir werden sehen!

MonstersEs lagen leider keine Texte vor – um welche Monster geht es?

Ich weiß das, und Du musst es herausfinden! Anders würde es doch keinen Spaß machen, oder?

Warum habt ihr Thomas Henriksen als Co-Producer und Toningenieur für dieses Projekt gewählt?

Er war für den Mix der letzten Alben zuständig, aber nie für die Aufnahmen. Also war er jetzt „an der Reihe“ – und wir sind wirklich glücklich mit dem Ergebnis.

‚Sleepwalk‘ – schlafwandelt einer der Motorpsychotiker?

Ha ha! Habe ich mal, aber nicht mehr in letzter Zeit.

‚Black Dog‘ – was ist Deine Haltung zum gesellschaftlich tabuisierten Thema Depression – ob nun vom Winter ausgelöst oder auch nicht? Was tust Du vielleicht selbst, um keine Winterdepression zu bekommen?

Mir ist bewusst, dass der Mangel an Licht und Vitamin D meine Stimmung beeinflusst, darum habe ich mit dem Lied ein kleines Gebet geschrieben, um die Missstimmung fern zu halten. Depression ist eine Realität, aber vielleicht wird sie weniger real in meiner Psyche, wenn ich darüber singe. Jedenfalls habe ich so versucht, sie verschwinden zu lassen. Damit, und indem ich meine Vitamine nehme.

‚Scissors‘ – ist hier eine zwölfsaitige Gitarre am Start? Was hältst Du davon, wie Roger McGuinn halbakustische Zwölfsaiter in denn psychedelischen (Folk-)Rock eingeführt hat?

Yeah, das ist eine akustische Zwölfsaitige. McGuinn war auf seine ganz eigene Weise brillant – hör‘ Dir nur ‚Eight Miles High‘ an! – und hat so The Byrds definitiv einen eigenständigen Sound verliehen. Zwölfsaiter haben einen ganz eigenen Sound. Der funktioniert nicht für alles, aber wo er hinpasst, ist er großartig.

Und hören wir echte Flöten oder „nur“ Mellotron?

Flöte. Von Snah gespielt. Wobei er allerdings beide Beine am Boden hatte. (also im Gegensatz etwa zum jungen Ian Anderson, d. Red.).

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Teapot of the Week

„Teapot of the Week“ auf Betreutes Proggen in der KW6/16

(46:15, CD, Psychobabble/Stickman/Soulfood, 2016)
Bewertung: 13/15 Punkten

 

 

 

Spidergawd sind im Februar auf Europa-Tour, Motorspycho teils in den gleichen Städten im April – wäre eine Kombi-Tour vorstellbar?

Nein, ich glaube, das würde a) zu inzestuös und b) zu anstrengend werden. Es sind zwei getrennte Formationen, aber doch nah und ähnlich genug, dass sie sich gegenseitig „aufheben“ würden. Daher glaube ich nicht, dass das funktionieren würde.

»Außerdem könnte es dieses Jahr noch einige Veröffentlichungen aus dem Archiv geben«

Weitere Pläne – was soll als nächstes im „Psychoversum“ passieren?

Morgen spielen wir in der Oper von Oslo – und zwar mit dem National Modern Dance Ensemble „Carte Blanche“. Das wird schon mal etwas völlig Neues für uns! Außerdem werden wir im Herbst in einem Theater in Trondheim arbeiten und rund 40 Vorstellungen begleiten.
Außerdem könnte es dieses Jahr noch einige Veröffentlichungen aus dem Archiv geben.
And – keeping busy and living the dream!

Danke für das Interview.

Peace and Love!

Tourdaten
a) Spidergawd:
13.02. Amsterdam (NL), Bitterzoet
14.02. Antwerpen (B), Het Bos
15.02. Bremen, Tower
16.02. Groningen (NL), Vera
17.02. Köln, Gebäude 9
18.02. Wiesbaden, Schlachthof
19.02. Solothurn (CH), Kofmehl
21.02. Zürich (CH), Tba
23.02. Stuttgart, Zwölf Zehn
24.02. Salzburg (A), Shakespeare
25.02. München, Strom
26.02. Dresden, Beatpol
27.02. Hannover, Glocksee
28.02. Hamburg, Hafenklang

b) Motorpsycho:
21.04. Hannover, Faust
22.04. Osnabrück, Hyde Park
23.04. Berlin, Columbia
27.04. Dresden, Beatpol
28.04. Köln, Bürgerhaus Stollwerck
05.05. Wiesbaden, Schlachthof
06.05. Fribourg (CH), Fri-Son
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Surftipps zu Motorpsycho:
Homepage (official)
Homepage (less official, w/ Forum)
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Konzertbericht, 19.06.14, Düsseldorf, Zakk
Konzertbericht, 04.08.12, Bad Doberan, Zappanale
Interview m. Bent zu „Behind The Sun“ (Empire Music No. 105):
Interview w/ Bent Saether, Motorpsycho
Bent Sæthers Top Five Songs (All Time Favs)
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Live-Foto (Aufmacher): Tobias Berk
Andere Abbildungen: Pressefreigaben

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Über den Autor

Klaus Reckert

"everything happy, and progressive, and occupied" K. Grahame, The Wind In The Willows

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Bent Sæther, Motorpsycho, zu „Here Be Monsters“…

von Klaus Reckert Artikel-Lesezeit: ca. 5 min
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